Cusco – die Hauptstadt der Incas

Cusco – die Hauptstadt der Incas

Weltreise Tage 253-256  (13.07-16.07)

Der große Plaza de Armas ist bunt mit Blumen bepflanzt. Um uns herum stehen auf allen vier Seiten die schönen Kolonialbauten, inklusive gleich zwei riesengroßen Kathedralen. Im Hintergrund zeichnen sich die Berge am hellblauen Himmel ab. Man könnte meinen wir wären irgendwo in Südeuropa in den Alpen – Norditalien vielleicht – wären da nicht die dutzenden peruanischen Flaggen die Fassaden und Flaggenmaste schmücken. Die spanischen Eroberer haben ganze Arbeit geleistet. Von den Inkas ist nicht mehr viel übrig.

Ein ganz entspannter Tag

Nach unserem Machu Picchu Abenteuer ist erst mal ein bisschen Erholung angesagt. Heute passiert nicht all zu viel und da das Internet in unserer Unterkunft so gut wie nicht existent ist, beschränken sich unsere Aktivitäten auf schreiben, schneiden und lesen – und natürlich Essen. Cusco ist ein ziemlich großer Touristenmagnet, daher muss man auch immer genau schauen wo man essen geht. Teuer ist hier fast alles, aber leider heißt ja teuer auch nicht immer gut. Zum Glück wohnen wir genau gegenüber vom San Blas Markt und da gibt es bekanntlich immer leckerer Hausmannskost für kleine Preise. Für uns eine Win/Win Situation, wir müssen uns kaum bewegen und bekommen lecker Essen!

Wie immer gehen wir dort hin wo die meisten Einheimischen sitzen und werden auch heute nicht enttäuscht. Zur Sicherheit gibt es das vegetarische Tagesmenu. In meine Suppe hat sich aber trotzdem ein Stück Huhn verirrt, was solls. Das Tages Menu besteht meistens aus Suppe und Hauptgang. Die Suppe ist eine Polenta Suppe mit Pommes (Ja richtig gelesen, eine Handvoll Pommes wird als Garnitur in die Suppe geschmissen) und bei mir ein Stück Hühnchen und als Hauptgang gibt es Reis mit Linsen, Ei, Zwiebeln und Tomaten. Diesmal tatsächlich ohne Kartoffeln jeglicher Art – sehr untypisch für Peru. Das Essen ist einfach aber lecker und als es ans bezahlen geht, kann ich es kaum glauben als die Frau 10 Soles (2,70 €) verlangt. „Bestimmt pro Gericht, oder?“ Zur Sicherheit gebe ich ihr einen 50iger, bekomme aber tatsächlich 40 Soles wieder. Das war mal ein günstiges Mittagessen!

Polenta Suppe und…
Linsen mit Reis für 5 Soles

Danach geht es auf direktem Wege wieder ins Bett. Das haben wir uns ja schließlich verdient – und auch wenn nicht, machen wir es trotzdem. Das ist ja unser Jahr und wenn wir mitten in der Woche einen kompletten Tag im Bett verbringen wollen, dann machen wir das einfach! Hach diese Freiheit. Wir trauen uns erst Abends wieder aus dem Haus, aus einem einfachen Grund. Die Wirkung des Mittagessens lässt langsam nach.

Ceviche

Heute ist der Tag an dem wir zum ersten Mal Ceviche essen wollen. Dummerweise ist es ein typisches Mittagsgericht, so scheint es uns, denn alle etwas authentischeren Ceviche Restaurants hier in Cusco haben nur Mittags geöffnet. Schnell steht der Entschluss fest, dann gehen wir halt morgen Mittag auch Ceviche essen. Unser Problem für heute Abend ist allerdings dadurch nicht gelöst. In der Barra Ceviche hier in unserem Stadtteil San Blas werden wir dann aber fündig. Die kleine Ceviche Bar hat nur sechs Plätze und soll tollen, frischen Fisch direkt vor unseren Augen zubereiten. Und wir sind nicht enttäuscht. Das Ceviche ist mega lecker und gesund und jeder der nach Peru kommt, sollte es unbedingt probieren. Und da wir die einzigen Gäste im kleinen Laden sind, quatschen wir auch noch nett mit dem Koch. Ziemlich cool.

Übrigens, San Blas ist für uns der schönste Stadtteil von Cusco. Er ist an den Hang gebaut. Es gibt kleine urige Häuser und enge Gässchen und alles ist hübsch in weiß verputzt. Hier lässt es sich gut ein paar Tage wohnen.

Ein bisschen Geschichte gefälligst?

Cusco war die Hauptstadt der Inkas. Es war so ein bisschen das Rom von Südamerika. Alle Straßen führten nämlich nach Cusco. Über tausende von Kilometern führen die Pfade von weit entfernten Städten wie Potosí Bolivien über die Anden in die Hauptstadt. Das hat den spanischen Eroberern wohl Angst gemacht, also zerstören sie alles was in irgendeiner Art und Weise an die Inka Kultur erinnert und bauen ihre Kirchen, Klöster und Wohnhäuser drüber. Da Cusco so bedeutend für die Inka war und sie sehr viele religiöse Stätten hatten, gibt es dem entsprechend jetzt hier auch unglaublich viele Kirchen. Wir wollen heute eine Walking Tour mitmachen, in der Hoffnung ein bisschen mehr darüber zu erfahren.

Plaza de Armas
Die Kathedrale
Die Peruaner sind heute sehr stolz auf ihre Inka Vergangenheit – überall gibt es Statuen und Skulpturen

Der 12-eckige Stein

Mein Bruder hatte uns von diesem Wunder der Steinhauerkunst erzählt, und einen Stein mit 12 Ecken können wir uns nicht einfach so entgehen lassen. Also geht’s noch mal kurz an der Mauer vorbei, bevor wir uns mit der Tourgruppe treffen. In Machu Picchu haben wir ja schon gesehen wie akkurat die Inkas gearbeitet haben, aber dieser riesengroße Steinbrocken toppt das irgendwie noch mal. Er ist so behauen, dass er eher einem Puzzlestück gleicht also einem einfachen Stein in einer Mauer. Ich habe nachgezählt – es sind wirklich 12 Ecken und jede ist so akkurat behauen dass kein Mü (Mikrometer) zwischen den Steinen mehr Platz hat, an keiner der Ecken! Verrückt!

Da isser

Incan Milkyway Tours

Einmal kurz vorweg. Wir können die Tour wirklich nur eingeschränkt empfehlen. Unser Guide wusste wirklich viel, hat die Infos aber ohne viel Emotion rausgehauen – es klang eher wie ein Vortrag den er schnell hinter sich bringen wollte, als ein nette Unterhaltung. Außerdem war die Gruppe extrem groß, was gerade auf dem wuseligen San Pedro Markt etwas nervig war (Kurz nebenbei, der Markt wurde übrigens von Gustave Eiffel gebaut – wo er sich überall rumgetrieben hat). Dazu kommt, aber das ist eher unser persönliches Pech, das wir jetzt schon ‘ne Weile in Südamerika unterwegs sind und auch die eine oder andere Tour mitgemacht haben. Viele der Informationen, gerade auf dem Markt und zum täglichen Leben, hatten wir schon ein oder zwei mal gehört. Aber wie gesagt, das ist unser Pech und hat nichts mit der Tour Qualität zu tun.

San Pedro Markt, bebaut von Gustave Eiffel
Die Saftfrauen gibt es überall in Südamerika

Aber ein bisschen was Neues haben wir tatsächlich noch gelernt. So hat sich zum Beispiel endlich das Geheimnis gelüftet, weshalb es in Peru über 5000!! Kartoffelarten gibt. Das war nämlich das Tun der Inkas. Da es in Peru vom Meer über die Anden bis hin zum Dschungel unglaublich viele Klimazonen gibt, mussten sich die Jungs und Mädels was einfallen lassen. Somit wurden ins besondere Kartoffeln so gezüchtet, dass sie auf allen Höhenlagen wachsen. Aber eine Kartoffel die auf 100 Höhenmetern kultiviert wird, schmeckt natürlich nicht so wie eine die auf 2000 oder gar 4000 Höhenmetern gepflanzt worden ist. Deshalb also die 5000 verschiedenen Sorten.

Auch interessant ist, dass es hier in Peru ziemlich viele Eukalyptusbäume gibt. Die gehören hier aber eigentlich überhaupt nicht hin. Im 19. Jahrhundert wurde die Eisenbahn durch Peru gebaut. Das haben aber nicht die Peruaner gemacht, dafür wurden die Chinesen nach Peru geholt. Die konnten das wohl gut. Aber um ihre Arbeit gut zu machen, brauchten sie Arbeitsgeräte die sie kannten. Da kommt der Eukalyptus ins Spiel. Daraus haben die Chinesen nämlich Gerüste gebaut. Also haben sie sich ihre Rohstoffe einfach mitgebracht. Der Eukalyptus sowie die Chinesen sind dann geblieben und heute ein fester Bestandteil der peruanischen Gesellschaft. Sie haben sogar ihre eigene Küche, sozusagen Chinesische-peruanische Fusion, namens Chifa.

Und der letzte interessante Fakt gilt den Straßenhunden, die eigentlich keine Straßenhunde sind. Hundewelpen, so lange sie keine reinrassigen Tiere sind, können sehr günstig gekauft werden, oftmals kosten sie nur 1 Sol (ca. 30 Cent). Die Leute kaufen sich also einen Hund, vergessen aber, dass sie den ganzen Tag arbeiten müssen und nicht wirklich Zeit haben, sich um das Tier zu kümmern. Also werden sie tagsüber rausgelassen und sozusagen zu Straßenhunden auf Zeit. Abends kommen sie dann, genauso wie ihre Besitzer zum Feierabend wieder nach Hause und holen sich ihre Streicheleinheiten ab.

Die Inkas vs. die Spanier

Ein bisschen was über die Inkas haben wir aber auch erfahren. Ein paar Grundmauern gibt es nämlich noch. Die Spanier fanden die Art, wie die Inkas ihre Städte aufgebaut haben, wohl gar nicht so dumm und haben auf die Grundmauern einfach ihre Gebäude gebaut. Bei den Inkas haben acht Familien jeweils in ihrem eigenen Haus um einen Innenhof gewohnt, den sie sich geteilt haben. Die Spanier haben die acht Familien dann jeweils vor die Tür gesetzt und auf die Grundmauern der acht Häuser ein großes Wohnhaus für jeweils eine reiche Familie um den Innenhof gebaut. Ein paar stehen heute noch und sie sind wirklich hübsch und gemütlich. Allerdings ist es fast ein Wunder das sie heute noch stehen, denn während die Inkas schon im 16. Jahrhundert die Kunst beherrscht haben erdbebensicher zu bauen, so hatten die Spanier nicht das Bedürfnis oder die Vorhersicht, sich diese Bauweise von den Inkas abzuschauen. Ihre Gebäude sind über die Jahrhunderte ständig in sich zusammen gefallen.

Plaza San Francisco
Eine alte Inka Straße. In der Mitte floß das sauberer Trinkwasser, für alle zugänglich
ein Spanisches Kolonial Haus
Im Inka Museum waren wir auch noch, das ist aber nicht der Rede wert und kann unseres Erachtens getrost übersprungen werden. Alles ist recht lieblos ausgestellt und nach ungefähr der Hälfte hatte man keine Lust mehr, die Infotafeln der Exponate auf Englisch zu übersetzten.
Warum die Inkas nakt sind, bleibt uns ein Rätsel

Ceviche

Einen guten Tipp hatte unser Guide dann noch zum Abschluss. „Wer authentisches Ceviche essen möchte, sollte unbedingt in die Avenida Infancia gehen.“ Wir wollen, also gehen wir. Es sind gute 20 Minuten dahin, aber noch sind wir nicht hangry und es ist mal ganz schön aus dem touristischen Cusco in das Einheimische einzutauchen. In der Avenida Infancia schauen wir uns dann kurz ratlos an. Der Guide hatte gesagt, dass es hier nur so von Cevicherias wimmelt und wir uns irgendeine aussuchen sollen, aber momentan gibt es nur Eisenwarengeschäfte und solche mit Autoersatzteilen…

Etwas weiter weg sehe ich dann zum Glück ein buntes Plakat mit Fischen drauf – also nichts wie hin, vielleicht gehts da ja los. Und es geht los. Eine Cevicheria reiht sich an die Nächste und wir nehmen wie immer das Lokal mit den meisten Einheimischen. Eine gute Wahl. Bei uns beiden gibt es das Mittagscombo – Ceviche und Chicharron (frittiertes Meeresgetier), dazu ein Glas Chicha Morada (lila Mais Limonade), ein Glas Leche de Tigre (ein scharfes Getränk, dass auch als Soße über den Fisch gegossen wird) und sehr zu unserer Freude ein Glas Pisco Sour. Chicha Morada klingt übrigens ziemlich komisch, schmeckt aber total lecker. Uns erinnert sie total an kalten Kinderpunch auf dem Weihnachtsmarkt, oder besser – Sangria ohne Alkohol. Mit rein müssen nämlich unbedingt Zimt und Zitrusfrüchte, sonst ist es keine Chicha.

Das essen ist lecker und reichlich und als der Kellner uns beim abräumen fragt ob wir noch was möchten, können wir nur dankend ablehnen. „Außer noch einen Pisco Sour,“ scherzt Hanno. „Kein Problem.“ Er bringt uns tatsächlich noch einen und der geht sogar aufs Haus. Das Essen ist übrigens so viel, dass wir abends nur noch einen Apfel essen können. Das passiert uns wirklich selten!

In Cusco gibt es übrigens fast täglich eine Parade für irgend eine Feierlichkeit. Wir waren insgesamt viert Tage in Cusco und haben drei Paraden miterlebt. Mal war es etwas religiöses, mal hatte eine Schule Jahrestag. Irgendeinen Grund gibt es immer. Den Cusceños geht es inzwischen nur noch auf die Nerven, weil so eine Parade auch immer mit Sperrungen und Staus zusammenhängt. Uns hat es gefallen:

Auf den Spuren des Inka Goldes

Heute ist schon unser letzter Tag in Cusco. Um 19 Uhr fährt unser Bus. Zum Glück ist Luis ein toller Gastgeber (oder es liegt daran, dass außer uns sonst keiner im Hotel ist). Wir können auf jeden Fall bis Abends im Zimmer bleiben und die übliche Prozedur von packen und Sachen ins Schließfach stellen bleibt uns erspart. Nach dem Frühstück geht es los, denn einen Punkt haben wir noch auf der Liste. Wir wollen uns den ehemaligen Sonnentempel der Inka ansehen.

Der Sonnentempel war dem Sonnengott gewidmet und eine der wichtigsten religiösen Stätten der Inkas. Er war von innen komplett mit Gold beschlagen und überall standen Skulpturen von Tieren und Pflanzen in Lebensgröße herum, komplett in Gold versteht sich. Für die Inka hatte Gold allerdings nicht den monetären Wert, den es für uns hat. Es war für sie einfach eine schöne Verzierung. Kein Wunder – so viel wie sie davon hatten. Als dann die Spanier kamen, war das natürlich einer der ersten Tempel den sie sich unter den Nagel gerissen und geplündert haben. Dann wurde hier der Bischofspalast errichtet, wohl eine der größten Beleidigungen die ihnen hätte einfallen können. Zum Glück haben die Spanier, aus welchem Grund auch immer, vier der ehemaligen Gebäude stehen lassen und sie mit in den Palast integriert. Sie stehen auch noch heute, und sind mit der Hauptgrund warum wir heute hier herumlaufen.

Die Baukunst ist, wie bei allen Inkabauten, hervorragend und es macht richtig Spaß diese Steine und deren geraden Kanten anzusehen. Eigentlich bin ich ja niemand der sich so für alte Steine begeistern kann, aber das hier ist schon phänomenal. Um die Gebäude erdbebensicher zu machen haben sie drei grundsätzliche regeln befolgt: 1. Die Fundamente sind extrem tief. 2. Die Gebäude sind alle trapezartig gebaut. Unten sind die Mauern dick und die Steine riesig, oben werden die Mauern dünner und die Steine kleiner. 3. Die Steine wurden ähnlich wie Legosteine behauen und dann auch so ineinander gesteckt. Es ist einfach unglaublich was für eine Arbeit in diese Bauten gesteckt wurde. Vor allem wenn man weiß dass sie nichts Weiteres als Stein, Bronze, Wasser und Holz hatten. Ach übrigens, die Inka hatten wohl ein ziemlich gesundes Sozialsystem. So gab es keine Sklaven und alle Arbeiter wurden bezahlt.

Unten die Inka bauten, oben die spanischen Bögen
Hier sieht man mal wie akkurat die Inkas gebaut haben!
Perfekt auf einander abgestimmt
Blick vom Palast auf Cusco

Mittags ist Markttag

Mittags gehen wir noch mal auf unseren Markt. Heute gönnen wir uns mal die Falafel Pide. Nicht besonders authentisch, ich weiß, aber dafür super lecker. Da wir eine Nachtfahrt vor uns haben und der Bus wahrscheinlich nicht halten wird, brauchen wir natürlich noch Verpflegung – was für ein Glück dass wir uns auf einem Markt befinden. In unserem Rucksack landen Äpfel, Avocado, Brötchen und Sogar Käse den wir vorher probieren dürfen. Nebenan im Tante Emma Laden gibt es dann noch Yogurt und Wasser. All das wird auf dem Zimmer zu Stullen geschmiert (Naja, der Yogurt darf unverarbeitet mitfahren) und es kann los gehen.

Hasta Luego Cusco

Leider holt uns heute kein Taxi von der Unterkunft ab und wir müssen selbst zur Bushaltestelle finden. Grundsätzlich kein Problem, Luis bestellt uns sogar ein Taxi uns sagt mir es würde so 7 oder 8 kosten. Ich denke natürlich an Soles. Der Taxi Fahrer lacht später nur, als ich ihn frage wie viel die Fahrt kostet. „20 Soles, nicht 8.“ Hmmm müssen wohl Dollar gewesen sein, die Luis mir da genannt hat, egal. Uns bleibt ja sowieso nichts anderes übrig. Der Bus hat dann leider 45 Minuten Verspätung aber wir greifen noch ein bisschen Pizza von zwei netten Belgiern ab, also ist das Warten auch gerettet und gegen 19:45 Uhr geht es dann auch los, raus aus Cusco und in Richtung Süden.

Unsere Unterkunft

3 Nächte im Goya Andina für 20 €/Nacht

Carola

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