Apo Island – zu Besuch bei den Riesenschildkröten

Apo Island – zu Besuch bei den Riesenschildkröten

Weltreise Tage 140-142  (20.03-22.03)

Suchend schwimmen wir durch das glasklare Wasser. Das Schnorchelequipment sitzt mehr Schlecht als Recht. Luft bekommen wir aber und auch die Brillen laufen nur mäßig voll. Das ist aber auch nicht so wichtig, denn da sehe ich auch Hanno schon wild winken und schwimme zu ihm rüber. Dort, keine drei Meter von uns entfernt schwimmt unsere erste Meeresschildkröte elegant im Wasser. Kann man im Wasser andächtig stehen bleiben? Na, wir hören auf jeden Fall auf zu schwimmen und lassen uns treiben. Unsere ganze Aufmerksamkeit gehört dem Tier vor uns. Es ist wunderschön.

Wie kaufe ich ein Fährticket

Aber zurück zum Vortag und unserer Abreise von Siquijor. Die Hafenterminals der Philippinen sind nämlich herrlich bürokratisch, dass muss ich einfach mal erzählen. Also, wie gesagt, unser Ticket hatten wir morgens ja schon in Larena am Hafen gekauft. In den Philippinen kann man nämlich an jedem Hafen des Landes für alle Verbindungen seine Tickets kaufen, muss dies aber spätestens 30 Minuten vor Abfahrt getan haben, dann endet nämlich der Verkauf. Wenn man dann sein Fährticket hat, muss dieses auch bis 30 Minuten vor Abfahrt am Schalter der Fährgesellschaft vorgezeigt werden, damit man sein Sitzplatzticket erhält. Ohne Sitzplatz wird man nämlich nicht auf das eigentliche Terminalgelände gelassen.

Ist man im Besitz eines Sitzplatztickets und hat es auf das Gelände geschafft, ist die nächste Hürde die Terminalgebühr. Diese entrichtet man an einem Schalter direkt neben dem Eingang zum Terminalgebäude und bekommt dafür natürlich ein weiteres Ticket. Nun darf man auch das Gebäude betreten – natürlich nicht ohne sein Gepäck vorher durch einen Metalldetektor zu schicken. Sollte man mit einer Autofähre fahren, darf man seine großen Gepäckstücke bei sich behalten. Bei allen anderen Fähren geht es nun zum nächsten Schalter. Hier wird das Gepäck aufgegeben, natürlich gegen eine zusätzliche Gebühr. Man erhält, wie sollte es anders sein, ein weiteres Ticket, mit der Abholnummer für sein Gepäck. Geschafft! Mit diesem ganzen Berg an Tickets darf man es sich jetzt im Terminal bequem machen und warten bis die Fähre bereit ist zum borden. Genauso haben wir es auch gemacht. Wir bekamen sogar noch ein pinkes, ein blaues, ein grünes und ein gelbes Ticket. Wir wissen bis heute nicht für was sie gut waren.

Dem Sturm sei Dank

Unsere Fähre nach Dumaguete war leider sehr klein, dafür war das Schaukeln zu meinem Leidwesen recht groß. Ich war froh wieder festen Boden unter den Füßen zu spüren. Am Hafen haben wir uns dann ein Tricycle geschnappt und durch unsere Unentschlossenheit und das dadurch resultierende Schweigen, den Preis einfach mal um die Hälfte billiger verhandelt…hmmm… das sollte unsere neue Taktik werden. Die Fahrt zu unserer Unterkunft hat 50 Pesos (ca. 80 Cent) gekostet. Warum Dumaguete und nicht Apo Island, fragt ihr euch? Das liegt am Sturm. Da die Wetterberichte für unsere Zeit auf Apo Island nicht ganz so gut angesagt waren (also keinen Sonnenschein), hatten wir kurzfristig unsere Buchung um einen Tag verschoben. Die Zeit haben wir ja, und zum Schnorcheln wollten wir gutes Wetter! Also sind wir für eine Nacht in der Stadt Dumaguete untergekommen. An sich nichts besonderes, aber nach 10 Tagen auf einer Insel mit kleinen Dörfern und nur wenigen Menschen waren wir den Trubel schon fast gar nicht mehr gewöhnt. Der Tag vergeht relativ ereignislos. Es gibt Mittag- und Abendessen und da das Internet gut ist, nutzen wir die Chance um einiges zu erledigen und hochzuladen.

Auf geht’s nach Apo

Das Reisen auf den Philippinen kann ja bekanntlich recht abenteuerlich sein, man steigt fleißig um und nutzt mindestens drei verschiedene Verkehrsmittel. Mit dem Tricycle geht es für 50 Pesos zum Ceres Busterminal. Dort steigen wir in den Bus nach Bayawan und sagen dem Fahrer einfach Bescheid dass wir in Malatapay aussteigen wollen. Denn von dort wird um 10 Uhr unser Boot ablegen. Die Tickets gibt es im Bus, was auch wieder ein Erlebnis ist. Auch auf den Philippinen gibt es einen Schaffner in jedem Bus. Er hat ein Büchlein mit Tickets sowie eine Lochzange in der Hand. Jeder Fahrgast wird gefragt wo er hin möchte. Dann werden je nach Ziel und Alter (Senioren und Schüler zahlen weniger) lustig Löcher in die Tickets gestochen und dem Fahrgast ausgehändigt. Das macht der Schaffner für jeden Gast. Dann fängt er wieder von vorne an und sammelt das Geld ein. So hat man Zeit das Kleingeld zusammen zu suchen. Eigentlich keine schlechte Sache…nur dass wir keine Ahnung haben wie die Löcher in unseren Papieren zu deuten sind… 50 Pesos pro Person sagt uns dann der gute Mann und nimmt meinen 100 Pesos Schein in Empfang.

Nach ca. 30 Minuten halten wir mitten auf der Straße an. Links gibt es eine Abzweigung Richtung Meer. Ein großes Schild begrüßt uns am Malatapay Hafen. Was nicht drauf steht, es sind noch ca. 500 Meter bis zum Hafen. Aber gut, wir haben schon längere Distanzen mit den Rucksäcken zurück gelegt und es ist zwar warm aber nicht schwül. Am Hafen angekommen stehen wir erst etwas verwirrt herum. Den Transfer haben wir bei unserer Unterkunft gebucht und die sagten, wir sollen nach der Helius Ausschau halten. Die Helius liegt aber nicht im Wasser. „Die kommt schon noch.“ Teilte uns die Frau mit, die hier wohl das Sagen hat. „Ihr könnt euch aber hier schon mal auf der Bootsliste registrieren.“ Kurz nach 10 Uhr kommt sie dann auch, also schultern wir unsere Rucksäcke und laufen am Strand entlang Richtung Helius. Zur gleichen Zeit verlässt die gesamte Crew das Boot mit einem Haufen Benzin Kanister. „Wir müssen noch mal eben Diesel holen. Wartet da im Schatten auf uns. Sind in 20 Minuten wieder da.“ 20 werden 45 Minuten aber dann sind wir durch das Oberschenkel-tiefe Wasser mit unseren Rucksäcken über eine Hühnerleiter ins Boot geklettert und die Fahrt geht los. 60 Minuten Fahrt bis Apo Island, die mir vorkommen wir 60 Stunden, denn diesmal war ich dran mit Magen-Darm und es meldete sich gerade an.

Der Hafen in Malatapay

Back to Basics

Das Boot hält direkt am Strand vor der Liberty Lodge, wo wir die nächsten zwei Nächte verbringen werden. Die Zimmer werden alle mit Vollpension vermietet, so müssen wir uns wirklich um nichts kümmern – herrlich! Wir haben eines der vier Bambuszimmer direkt über dem Restaurant. Wir hatten uns vorher etwas informiert und uns bewusst für die etwas teureren Eckzimmer entschieden, da sie ein Fenster mehr haben und so etwas mehr Durchzug entstehen kann. Außerdem ist das Bad direkt am Zimmer und man muss nicht erst über den Flur. Die Zimmer sind sehr einfach. Es gibt ein Bett mit Mückennetz, zwei Tische, einen Ventilator und eine Veranda. Die Wände sind aus Bambus und nur ca. 2,5 m Hoch. Darüber ist offener Luftraum direkt zum Nachbarzimmer. Das Dach sitzt auf einer Höhe von ca. 3 m. Das Bad ist mit einem Vorhang vom Zimmer abgetrennt und besteht aus einem Waschbecken ohne Wasserhahn, einem Klo ohne Brille und Zisterne und einem Duschplatz ohne Dusche. Dafür gibt es ein großes Wasserbecken, gefüllt mit leicht salzigem Regenwasser und einen Eimer. Der Eimer ist Klospülung, Dusche und Wasserhahn in Einem. Duschen heißt bei uns jetzt nur noch Eimern. Privatsphäre gibt es hier wenig, dafür einen Hammerausblick – direkt aufs Meer und in den Sonnenuntergang. Es war der Hammer!

Der Strand vor der Lodge
Der Blick von unserer Terrasse
Unser Bad mit Wasserbecken

Es geht los

Ab 14 Uhr verlassen dann die Tagestouristen langsam die Insel und es wird ruhig – an Land und was viel wichtiger ist, auch im Wasser. Da wir es kaum mehr erwarten können, endlich ins Wasser zu springen, nutzen wir den ruhigen Nachmittag und gehen schnorcheln. Auch wenn es mir zu dem Zeitpunkt immer noch nicht so gut geht, lasse ich mir das unter keinen Umständen entgehen. Die Schildkröten wollte ich schon so lange sehen da ignoriere ich einfach das Bauchgrummeln und verschiebe das Problem auf später.

Die erste Schildkröte

Nach ein paar Anfangsschwierigkeiten gelingt uns das Vorhaben auch. Es ist nämlich Ebbe und die Wasseroberfläche sehr nah an den Korallen und Steinen am Meeresboden. Wir finden aber ein Plätzchen wo wir ohne größeren Schaden ins Wasser kommen und schon geht das Schnorcheln los. Wir werden nicht enttäuscht. Es scheint hier nur so von Schildkröten zu wimmeln. Wir sind keine 5 Minuten im Wasser, da ruft mich Hanno wild gestikulierend zu sich und wir sehen unsere erste Meeresschildkröte in freier Natur. Es ist der Wahnsinn! Vor uns schwimmt einfach mal eine metergroße Schildkröte seelenruhig im Wasser umher und sucht nach Nahrung. Ihre Schwimmbewegungen sind so fließend, ganz elegant. An Land sehen ihre Bewegungen immer so hölzern aus, aber im Wasser sind die großen Tiere ganz grazil. Auch wenn der Vergleich vielleicht komisch klingt, sie erinnern uns an Elefanten. Die wirken trotz ihrer Größe auch grazil. Wir sind total fasziniert und machen nichts außer uns freuen und im Wasser vor uns hin zu schweben. Kurz tauchen wir auf und grinsen uns wie verrückt an, dann wieder Kopf ins Wasser und weiter zuschauen. Das Beste: wir sind ganz alleine mit der Schildkröte im Wasser.

Die zweite Schildkröte

Wir haben sogar noch ein zweites Mal Glück und sehen wenige Meter weiter ein zweites Exemplar. Dieses hier ist sogar noch größer! Es ist einfach spektakulär. Wir können so nah an die Tier heran schwimmen, dass wir sie einfach berühren könnten wenn wir wollten, was wir natürlich nicht tun. Sie stört das überhaupt nicht. Wir können in aller Ruhe die großen Augen, das faltige Gesicht und den gemusterten Panzer anschauen und uns einfach nur freuen. Die Kamera hatten wir übrigens ganz bewusst noch nicht mit, wir wollten die Tiere erst einmal so, ganz natürlich erleben. Für Bilder ist ja morgen noch genug Zeit. Erschöpft und glücklich nach so einem Tag verbringen wir den Abend mit auf der Terrasse sitzen und Sonnenuntergang ansehen, und natürlich mit Entspannen.

Das lass’ ich mir nicht entgehen!

Die Nacht war nicht so fröhlich und am nächsten Morgen kann ich leider das inkludierte Frühstück nicht wirklich genießen. Es gibt Toast mit Banane für mich und leckeres Omelette für Hanno. Die Schildkröten lasse ich mir aber nicht von so ein bisschen Kranksein und Fieber verderben und so stehen wir um kurz vor 9 Uhr, mit unseren Brillen und Schnorcheln bewaffnet am Meer. Es ist „Turtle Time“! Es dauert keine 10 Minuten, da sehen wir schon unsere erste Schildkröte. Sie ist ca. 1 Meter lang und cruised so durchs Wasser. Die Zweite lässt auch nicht lange auf sich warten. Ich sehe sie als Erste und versuche Hanno mit wilden Handzeichen Unterwasser darauf aufmerksam zu machen. Allerdings ist er so sehr auf das erste Tier fixiert, dass er es gar nicht so richtig mitbekommt. Kurz über Wasser: „Auf was zeigst du denn da die ganze Zeit?“ „Na, auf die riesige Schildkröte dort drüben!“ …Kurzes Unter-Wasser-Tauchen… „Tatsache!“ Diese Exemplar hat den Namen Riesenmeeresschildkröte mehr als verdient. Sie frisst seelenruhig im seichten Wasser das Seegras von den Steinen und lässt sich von uns und unserer Kamera überhaupt nicht stören. Sie ist tatsächlich so nah am Strand, dass man beim ins-Wasser-gehen aufpassen muss, nicht auf sie drauf zu steigen. Das Tier hat uns ganz in seinen Bann gezogen und wir schauen einfach nur zu und versuchen ein paar tolle Fotos zu schießen. Da stört es uns auch gar nicht dass noch zwei andere Touristen die Schildkröte entdeckt haben.

Hannos Solo Schnorchelgang

Leider ist es für mich dann auch genug. Ich bin ziemlich erschöpft, gehe mich „ab-eimern“ und ab ins Bett. Das Fieber ist immer noch da und eine weitere Schnorchelrunde wäre dann doch etwas unvorsichtig. Das sehe sogar ich ein. Hanno ist aber zum Glück gesund und geht nachmittags, nachdem die Tagestouristen wieder weg sind, nochmal ins Wasser. Er hat auch großes Glück und darf sogar gleich fünf Tiere beobachten. Zeitweilig sind drei an einem Fleck. Er ist über eine Stunde im Wasser und schaut einfach nur zu, filmt ein bisschen und staunt. Nicht zu verachten ist übrigens auch das restliche Leben am Meeresgrund. Es gibt dutzende verschiedene Fische, Korallen und Seesterne. Auch die Knallblauen sind wieder dabei.

Übrigens: Es gibt auch die Möglichkeit mit einem Guide ins Wasser zu gehen. Gerade die Touristen die nicht schwimmen können, nehmen die Möglichkeit gerne an, da sie dann auf einem Rettungsring durchs Wasser gezogen werden. Mit einem Guide kann man in eine eigens für sie abgesperrte Fläche im Meer, die man sonst nicht betreten darf. (Man wird ordentlich angepfiffen und angeschrien, sollte man aus Versehen in die Zone driften.) Hier werden die Schildkröten wohl gerne hin gelotst, so dass die Chance auf eine Sichtung erheblich steigt. Natürlich kann der Guide auch Unterwasser Fotos von euch machen, so dass ihr zusammen mit der Schildkröte auf einem Bild seid. Uns war das nicht so wichtig und da man auch außerhalb der Zone die Tiere gesehen hat, haben wir uns das Geld lieber gespart.

Bye Bye Apo

Hanno hatte sich für Abends um 19 Uhr eine Fisch Pizza bestellt (ging nur per Vorbestellung) und nach bester asiatischer Manier hat man sie natürlich vergessen. Um 18:45 Uhr als wir nach unten ins Restaurant kommen, werden wir angeschaut wie ein Brot. „Pizza? Yes, no Problem.“ Der Gesichtsausrdruck lässt ahnen das noch nichts fertig ist und man sich fragt warum man überhaupt vorbestellt hat…hmmm… Egal. Warten wir halt. Meine Suppe braucht ja auch noch einen Moment. Irgendwann bekommen wir die beiden Gerichte, sogar fast gleichzeitig, und etwas später liegen wir im Bett und schauen durch unsere Terrassentür auf das vom Mond beschienene Meer. Es ist wirklich toll hier. Schade das wir wieder fahren. Dieser zweite Abend ist auch schon unser Letzter auf Apo Island. (Apo heißt übrigens Schildkröte auf Tagalog.) Morgen heißt es Tschüss Schildkröten und Hallo Bohol, unsere nächste Insel.

Am nächsten Morgen kommt dann das Boot auch relativ pünktlich und nimmt uns wieder mit nach Malatapay, aber dazu das nächste Mal mehr.

Unsere Unterkünfte

1 Nacht in den Golden Gate Suites in Dumaguete für 18,50 € pro DZ/Nacht

2 Nächte in der Liberty Lodge auf Apo Island für 45,50 € pro DZ/Nacht  inkl. Vollpension

Carola

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