Vietnam die 2. – Hanoi

Vietnam die 2. – Hanoi

Weltreise Tage 107-111  (15.02-19.02)

Morgens halb Neun in Vietnam. Nach unserer Marathon Busfahrt haben wir heute etwas ausgeschlafen und werden langsam wach. Vor uns liegt ein schöner, entspannter Tag voller neuer Entdeckungen. Hanoi wird es im Laufe des Tages in Rekordzeit schaffen, sich in unserem Lieblingsstadt Ranking von Südostasien an Platz 1 zu katapultieren. Aber der Reihe nach. Wir müssen ja erst mal überhaupt einreisen und ankommen. 

Rückblick

Gestern sind wir im Bus irgendwo in Laos eingeschlafen und, naja wenn man es ganz genau nimmt, auch heute morgen in Laos im Bus wieder aufgewacht. Allerdings standen wir genau an der Grenze und wir konnten Vietnam schon sehen. Es ist 6:30 Uhr und wir haben noch ca. eine halbe Stunde bis die Grenze öffnet, genug Zeit um sich die Zähne zu putzen und mal etwas Wasser ins Gesicht zu spritzen. Relativ pünktlich geht es dann auch los. Die laotischen Beamten setzten sich gemütlich hinter ihre Glasscheiben und fangen mit dem Stempeln an. Zwei Beamte für die rund 50 Passagiere – das kann ne Weile dauern. Tut es auch. Da ich, außer in der Schlange zu stehen nichts zu tun habe stoppe ich aus langer Weile mal die Zeit. Pro Pass benötigen sie zwischen 2 und 3 Minuten. Zum Glück stehen wir relativ weit vorne in der Schlange und können dann später im Bus auf die anderen warten. Es gibt ja kaum was Schlimmeres als anzustehen finde ich.

Ausreise


Irgendwann sind wir an der Reihe, unsere Pässe werden geprüft, gestempelt und wir dürfen ausreisen. Der Weg durch das Niemandsland wird nicht alt und es ist ein besonderes Gefühl so über diese unsichtbare Grenze zu laufen. Irgendwie komisch, ist es doch nur eine von Menschen erfundene Grenze. Die Natur sieht auf der einen Seite genauso aus wie auf der anderen, trotzdem ist man jetzt nicht mehr in Laos sondern in Vietnam – verrückt.

Einreise

Bei den Vietnamesen scheint man auch an Personal gespart zu haben. Es sitzen zwar genügend Jungs in Uniform rum, aber nur einer davon scheint zu arbeiten. Vielleicht haben sich die beiden Grenzen auch abgesprochen. Es bringt ja nichts wenn die einen doppelt so schnell abfertigen wie die anderen, dann wäre ja der Schnellere ständig arbeitslos und müsste warten. Dann lieber beide mit gemächlicher Geschwindigkeit. Wie wir da so warten hören wir plötzlich hinter uns Geschrei. Unsere Schaffnerin brüllt uns, unter wildem Gestikulieren, irgendetwas auf vietnamesisch oder lao zu (wir haben immer noch nicht herausgefunden, wo sie eigentlich her ist). Ah! Wir sollen unsere Rucksäcke aus dem Bus holen. Die müssen anscheinend durch die Sicherheitskontrolle. Na gut. Ich bleibe in der Schlange, das dauert ja noch ne Weile, und Hanno holt die Rucksäcke. Irgendwann sind dann auch unsere Pässe an der Reihe. Visas werden sorgfältig geprüft und wir bekommen wieder fleißig Stempel in den Pass. Die Rucksäcke kommen aufs Sicherheitsband, keiner interessiert sich wirklich dafür und dann betreten wir vietnamesischen Boden. Jetzt gibt es erst mal Frühstück!

Nach drei Stunden an der Grenze ist auch der letzte Passagier wieder im Bus und die Fahrt geht weiter. Es ist eigentlich eine relativ unspektakuläre Reise. Uns ist langweilig, aber durch unsere Hörbücher auch nicht übermäßig. Wir haben irgendwann keine Lust mehr, aber auch das ist nicht so schlimm, da es wenigstens einigermaßen bequem ist. Wir haben genug zum snacken dabei und den Wasser-Einfüllmodus haben wir auch perfektioniert. Man muss nämlich genug trinken um keine Kopfschmerzen zu bekommen, aber auch wenig genug um nicht ständig auf die Toilette zu müssen. Alles in allem ist es eine wirklich sehr lange Fahrt, aber sie ist auszuhalten. Um 21 Uhr fahren wir dann in Hanoi auf dem Busbahnhof ein. Insgesamt waren wir 26,5 Std unterwegs.

Willkommen in Hanoi

Mit zwei weiteren Reisenden teilen wir uns ein Taxi in die Innenstadt und finden unsere AirBnB Wohnung auch relativ schnell. Wir wohnen direkt in der Altstadt von Hanoi und freuen uns jetzt schon auf die nächsten Tage hier. Bei unserer Ankunft steht auch Ann, die Vermieterin, in der Tür. Sie hätte uns geschrieben und wir hätten gar nicht geantwortet (saßen ja auch ohne Internet im Bus…!). Sie hatte sich schon Sorgen gemacht, wollten wir doch schon um 21 Uhr da sein. (Es war gerade mal 21:45 Uhr) Sie meinte auch, dass sie die Wartezeit dafür genutzt hat nochmal ein bisschen sauber zu machen. Die Putzfrau war wohl nicht so gründlich. Dann verabschiedet sie sich und ist weg. Wir fragen uns ein paar Minuten später allerdings, was genau sie denn sauber gemacht hat. Denn Dreck ist noch genug da. Naja, ist halt Asien. Kurz noch den Bus-mief von uns waschen und dann ab ins, recht ausgelegene, Bett.

Am nächsten Morgen beschließen wir dann übrigens, Ann zu bitten noch mal durch zu wischen, da es wirklich nicht besonders sauber ist. Ihre Antwort: „Ja, das war mir gestern auch schon aufgefallen. Wenn ihr wollt werde ich heute jemanden vorbeischicken.“ Wir fragen uns zwar, warum sie dann nicht selber auf die Idee gekommen sind, verfolgen den Gedanken aber nicht weiter. Immerhin wird es erledigt. Nachmittags, wenn wir wiederkommen, ist es dann auch ein bisschen besser und der Boden noch nass vom Wischen. Feuchtigkeit wird uns übrigens auch noch die nächsten Tage in ganz Hanoi begleiten, denn die Wohnungen scheinen alle feucht zu sein. Nichts trocknet richtig und jeden Abend kriechen wir in ein leicht feuchtes Bett. Liegt wohl an dem Regen, der Luftfeuchtigkeit und den grundsätzlich nassen Grundmauern.

Mitten im Leben

Auch unsere Nachbarn werden uns über die nächsten Tage sehr vertraut. Das Fenster zum Innenhof ist schlecht bis gar nicht isoliert und der obere Teil besteht nur aus einzelnen Glaslamellen die man nicht schließen kann. So haben wir das Gefühl bei dem nachbarschaftlichen Karaokeabend live dabei zu sein und auch die Hundeschar, die regelmäßig um 4 oder 5 Uhr morgens anfängt zu bellen weckt nicht nur ihre Besitzer sondern auch uns. Na gut, wir wollten ja mittendrin im Geschehen leben. Es ist aber auch wirklich schön, beim nach Hause kommen nicht erst durch eine Hotellobby zu müssen, sondern durch die kleine Gasse in den Hinterhof zu laufen und die Nachbarn mit einem fröhlichen „Xin Chao“ zu grüßen. Da bekommt man wirklich noch mal ein vertrauteres Gefühl für eine Stadt, als in einem Hotel.

Unser Blick aus unserer Gasse

Wir lassen uns treiben

Aber all die kleinen „mi-mis“ sind Kinderkram. Hanoi gefällt uns extrem gut. Ab dem ersten Moment fühlen wir uns wohl und angekommen und somit zurück zu unserem ersten Tag in der Hauptstadt. Hanno hat mich lange schlafen lassen und unsere letzten Kracker gefuttert, damit er nicht verhungert. Gegen 9 Uhr machen wir uns dann aber auf um was Richtiges zu finden. Nudelsuppe ist ja bekanntlich nicht so unser Ding am frühen Morgen, teure europäische Frühstücke wollen wir aber auch nicht bezahlen. Zum Glück gibt es da die Banh Mis. Zu einem leckeren Baguette mit Ei und Leberpastete gibt es noch einen Kumquat Saft und weil wir in Vietnam sind, ist er ordentlich gesüßt. Naja, sind ja nur 3 Wochen denken wir uns und freuen uns auf das Zucker-High. Das ganze bekommen wir für 50.000 Dong (ca. 2 €).

Banh mi mit vietnamesischem Kaffee

Dem nicht genug, finden wir auf dem Rückweg noch eine tolle Kreuzung mit einen noch besserem Café. Warum? Na weil es einen Balkon hat auf den wir hochsteigen können um runter zu gucken! Um mein Zucker-High noch mit Kaffein zu füttern gibt es für mich einen vietnamesischen Eiskaffee (starker Kaffee mit gesüßter Kondensmilch), während Hanno den für Hanoi bekannten Egg coffee testet. Er besteht aus gesüßtem Eischnee und etwas Kaffee und Hanno ist im Zuckerhimmel. Das ganze kostet uns 60.000 Dong (ca. 2,30 €). Wir brauchen glaube ich nicht zu erwähnen dass diese Kreuzung für die nächsten Tage unser Stammplatz wird, oder? Kaffee, Zucker und Runtergucken. Das ist doch genau unser Ding!

Unser Blick auf die Kreuzung mit all ihrem Verkehr – und Touri Rickshaws
Egg coffee
Wir im Café

Den Rest des Tages lassen wir uns einfach nur treiben. Es ist Samstag, es ist warm aber nicht schwül und alle sind gut drauf. Die Kameras haben wir ganz bewusst zu Hause gelassen und so schlappen wir in unseren Flip Flops durch die Straßen und Gassen, schauen, gucken und nehmen auf. Wenn wir an eine Kreuzung kommen, entscheiden wir uns spontan in welche Richtung es geht und so lernen wir Hanoi Old Quarter auf ganz natürliche Weise ein bisschen kennen und reichlich lieben. Hanoi macht es uns aber auch leicht. Es ist Samstag und die Altstadt ist abgesperrt und zur Walking Street erklärt.


Vielleicht sollte man an der Alster auch mal Panzer vermieten

Irgendwann kommen wir an den Hoan-Kiem See. Einem kleinen See mitten in der Stadt, der uns an die Alster in Hamburg erinnert. Es gibt auch hier einen Park um den See und heute, am Wochenende, sind die Straßen auch Teil der Walking Street. Kinder spielen mit hölzernen Bauklötzen, springen Seil, oder lassen Seifenblasen fliegen. Plötzlich sehen wir einen kleinen Jungen in einem Panzer. Wo kommt der denn her? Dann fährt uns ein Mädchen mit einem Hello Kitty Auto in die Arme und rechts düst ein Bagger an uns vorbei. Dahinter immer stolze Eltern die mehr schlecht als recht die Fernbedienung der elektrischen Autos bedienen. Ein wirklich kurioses Bild, besonders das Autorennen zwischen Hello Kitty und dem Panzer…

Das Wettrennen
Der Hoan-Kiem See

Barcelona in Asien

Wir schlendern einfach so weiter und saugen die entspannte Atmosphäre in uns ein. Wir wissen auch nicht genau wo der Gedanke herkommt, aber Hanoi erinnert uns an Barcelona. Dort sind die Menschen auch immer so entspannt, lachen und genießen das Leben und das Essen. Das Old Quarter von Hanoi besteht, genau wie Barcelona, aus alten, Häusern, kleinen verwinkelten Gässchen, Straßencafés und Restaurants. Überall sitzen Gruppen von Vietnamesen, trinken Kaffee oder essen eine Kleinigkeit. Mal sind es junge Leute, mal alte. Direkt an das Old Quarter angegliedert beginnen dann die großen Prachtstraßen, die Avenues. Genau wie es in Barcelona die großen Avingudas gibt. Keine Ahnung ob der Vergleich weit hergeholt ist. Wir zumindest, haben das gleiche Gefühl wie wir es in Barcelona hatten – entspannt, zufrieden und erholt – Wie im Urlaub halt.

MIttagessen in einer der Garküchen

Schon mal Schnecken probiert?

Als es Abend wird, geht es mit dem Urlaubsfeeling einfach so weiter. Wir trinken frisch gezapftes Hanoi Bier für 5000 Dong (ca. 20 cent) in Straßencafés, schlendern über den Nachtmarkt und landen schließlich in einem Restaurant inmitten der feiernden und fröhlichen Vietnamesen. Es sind wirklich wenige westliche Touristen unterwegs, bzw. sie verlaufen sich so schön in den Massen. Oben auf unserem Balkonplatz können wir schön runtergucken und alles bestaunen. Zum Abschluss geht es noch mal über die Beer Street. Eine Straße voller Bars mit kleinen Plastikhockern und Tischchen die sich vor den Geschäften aneinander reihen. Zum Glück noch zwei Plätze für einen Absacker. Wir können gar nicht so schnell gucken, da stoßen wir schon mit unseren koreanischen Tischnachbarn an und probieren ihren Schnecken-Snack den sie uns angeboten haben. Wie auch bei der französischen Variante, sind sie gummi-artig und man schmeckt hauptsächlich die Chilisoße.

Unsere Vorspeise auf dem Nachtmarkt
Blick zum Runtergucken
Die südkoreanischen Jungs in der Beer Street

Ein verregneter Sonntag

In Deutschland würde man sich bei dem Anblick von Regen und Üselwetter am Sonntag morgen die Bettdecke über den Kopf ziehen und sich noch mal umdrehen. Nicht aber in Asien, wenn man seit Monaten keinen Regen mehr gesehen hat. Irgendwie finden wir die Stimmung in der Stadt toll und freuen uns auf einen Tag voller sight seeing – heute sind die Kameras auch wieder am Start. Aber zuerst frühstücken wir. Unsere Recherchen zu guten und günstigen europäischen Frühstücksoptionen haben leider noch immer nichts ergeben und so probieren wir Banh Mi Laden Nummer 2. Auch hier kann sich das Baguette durchaus sehen lassen und wir sind voll zufrieden und gestärkt.

Ein grauer Klotz

Heute geht es mit Plan durch die Stadt. Als erstes schauen wir uns die Notre Dame Kathedrale an. Ein recht grauer, trostloser Bau mitten auf einem grauen Platz, der im Nieselregen seine volles Grauspektrum entfalten kann. Drinnen wird gerade eine Messe in französisch abgehalten, also werfen wir nur einen flüchtigen Blick hinein – Kirche halt. Da gehen wir doch lieber gegenüber ins Cong Caphe und schauen uns die Kathedrale bei einem Kaffee etwas genauer an. Ich bleibe ganz klassisch bei meinem vietnamesischen Kaffee, Hanno probiert heute mal den coconut coffee. Er ist da deutlich experimenteller unterwegs als ich. Schöner wird die Kathedrale allerdings auch bei längerem Hinsehen nicht wirklich, da war das pinke Modell in Saigon schon um einiges freundlicher.

Der Zug passt hier aber auch nur gerade so durch

Von hier schlendern wir weiter durch die Straßen in Richtung Westen. Unser Ziel ist die Train Street. Es ist eine recht schmale Straße, fast schon eine Gasse. Ich würde schätzen sie ist ca. 4-5 Meter breit. Rechts und links sind dicht an dicht kleine Häuser gebaut und genau in der Mitte verlaufen Gleise. Man würde meinen, diese Gleise sind wahrscheinlich verlassen, wie sonst kann man sich die Wäsche in der Gasse, die spielenden Kinder auf den Gleisen erklären. Weit gefehlt – zweimal am Tag fährt hier ein Zug entlang und die Bewohner retten sich und ihre Habseligkeiten in ihre Häuser. Leider verpassen wir den Zug um nicht mehr als 3 Minuten – er fährt gerade aus der Straße heraus, als wir nur noch ein paar hundert Meter von der ihr entfernt sind, aber die Train Street ist auch so kurios genug. Leider kann man auch schlecht herausfinden wann der Zug hier entlang fährt. So hat man eben entweder Glück oder Pech.

Was war denn nun zu erst da?

Was wir uns natürlich sofort fragen: Was kam denn nun zu erst? Ein englischsprachiger Tour guide versorgt uns unverhofft schnell mit einer Antwort als er seiner Gruppe davon erzählt (ich stelle mich einfach ganz unauffällig in Hörweite und lausche kurz mit). Es ist wohl so, dass die Bahnfirma, welche die Gleise hat bauen lassen, ihren Arbeitern nach Fertigstellung kein Gehalt zahlen wollte. Da sie auch das Land rechts und links der Gleise besaß, beschloss sie die Menschen in Grundstücken zu bezahlen. So bekam jeder Bauarbeiter ein Stück Land direkt an den Gleisen und da man natürlich keinen Zentimeter der Grundstücke verschwenden wollte, hat man die Häuser so nah wie möglich an die Gleise gebaut und es entstand diese Kuriosität der Baukunst.

Hai Pho Ga

Die Train Street schlendern wir noch bis zum Ende entlang und merken dann langsam das wir mal wieder Hunger bekommen. Kein Wunder, es ist ja auch schon Mittag. Auf einem Blog hatte ich von einer kleinen Garküche direkt neben der Kathedrale gelesen, bei der es die beste Pho in Hanoi geben soll. Für gutes Essen laufen wir ja gerne mal ein Stückchen, also geht es wieder zurück zur Kirche. Pho ist eine vietnamesische Nudelsuppe. Sie besteht aus Brühe die mit Zimt versetzt ist, Reisnudeln, frischen Kräutern und wahlweise Rind oder Hühnchen. Wir bestellen Hai Pho Ga (zwei Nudelsuppen mit Hühnchen) für jeweils 35.000 Dong (ca. 1,35 €) und der Blog hat nicht zu viel versprochen die Pho war ziemlich lecker und bei Üselwetter genau das Richtige.

Street Art

Wir machen noch einen kleinen Abstecher zu einer Brücke, auf dessen Bögen ein paar kollaborierende vietnamesische und koreanische Künstler ein bisschen Street Art produziert haben. Es sind wirklich ein paar schöne Bilder dabei. Was ich aber noch viel interessanter finde, ist die Gruppe von traditionell gekleideten vietnamesischen Frauen die sich in verschiedenen Posen und Formationen vor den Gemälden fotografieren lässt. Echt lustig.

An unserer Kreuzung

Bevor wir Nachmittags wieder nach Hause laufen, besuchen wir natürlich noch mal unsere Lieblingskreuzung. Denn wie heißt doch noch das bekannte Sprichwort? „One egg coffee a day and the Plautze is here to stay!“

Hier auf dieser Kreuzung passiert wirklich eine ganze Menge und auf dem Balkon haben wir den vollen Überblick. Roller, Autos, Rikschaws und Frauen mit Fahrrädern voller Obst und Blumen überqueren alle kreuz und quer die Kreuzung. Gerade diese Fahrradfrauen haben es Hanno angetan und er knipst und filmt was das Zeug hält. Es wird wild gehupt aber trotzdem scheint es eine Ordnung im Chaos zu geben. Kaum wird es mal brenzlig. Jeder scheint genau zu wissen was er zu tun hat. Uns fällt auf dass die Mopedfahrer immer stur nach vorne schauen. Sie blicken weder nach links noch nach rechts. Vielleicht ist gerade das der Trick. Jeder interessiert sich nur für das was vor ihm liegt und achtet nur auf seinen eigenen Weg. Wenn das jeder tut, ist ja auf für alle gesorgt.

Kleine Auswahl aus Hannos Fahradfrauensammlung

Als wir uns dann satt gesehen haben am Geschehen, schlendern wir durch as Old Quarter wieder zurück nach Hause. Wir versuchen jedes Mal ein bisschen anders zu gehen. Denn die Geschäfte sind nicht willkürlich, sondern größtenteils nach Fachgebiet angeordnet. So gibt es ganze Straßenzüge in denen nichts anderes als Eisenwaren, Schuhe, Kinderkleidung, Damenkleider, Elektronik, Süßwaren oder Küchengeschirr verkauft wird. Sehr praktisch wenn man etwas Bestimmtes sucht. Wir können uns aber auch vorstellen das der Konkurrenzkampf sehr hoch ist.

„Was guckst du?“

Garküchenzeit

Abends geht es dann noch mal zum Essen suchen auf die Straßen. Wir sind sehr froh wieder in einem Land voller Garküchen zu sein. Für uns ist es die perfekte Art zu essen. Es ist gut, günstig, authentisch und schnell. Gerade wenn man meist dreimal am Tag darauf angewiesen ist, dass jemand anderes für einen kocht, möchte man manchmal einfach schnell was essen und wieder gehen. Da kann das Warten auf Essen im Restaurant auch mal  nerven. Außerdem heben wir uns nettere und teurere Restaurants auch gerne mal auf, damit es etwas Besonderes bleibt. Da sind die Garküchen für den Alltag perfekt für uns. Heute ist so ein schnell Essen und dann ins Bett Abend, denn der Tag war anstrengend und wir sind müde.

Gammeltag

Ich bin ein bisschen angeschlagen und habe keine Lust auf eine Erkältung. Außerdem waren die letzten 3 Tage voll von Aktion, somit beschließen wir am Montag morgen dass wir uns heute nur zur Nahrungsaufnahme aus unserer Wohnung bewegen wollen und den Rest der Zeit mit faulenzen verbringen werden. Wie wir jetzt ja schon öfters gemerkt haben, kommt unser Gehirn irgendwann auch nicht mehr mit und braucht, genauso wie unsere Körper, eine Pause. Also ist heute Denkpause angesagt. Viel mehr gibt es über Montag auch nicht zu berichten. Nur beim Essen geben wir uns wie immer Mühe. Morgens gibt es zwar wieder Banh Mis, Mittags gehen wir dann ein paar Meter um Hanois Version von Comfort-Food zu probieren, den Xoi Xeo. Sticky rice wird Kurkuma Pulver vermischt und in eine Schüssel gefüllt. Mungbohnen werden als eine Art Püree dazu gemischt. Darüber wird eine ordentliche Portion frittierte Schalotten gehäuft und das ganze mit flüssigem Fett begossen. Es ist eine Kohlenhydrat-Fett Bombe, deren Kalorien man gar nicht wissen will, und sie hält uns bis zum nächsten Morgen satt. Eigentlich ziemlich schade, so verschenken wir eine ganze Mahlzeit.

Der Besuch bei Onkel Ho

Heute ist unser letzter Tag in Hanoi und wir haben uns zu einem Besuch bei Onkel Ho entschlossen. Im Westen von Hanoi, gegenüber des Parlaments steht nämlich das Ho Chi Minh Mausoleum in dem der Mann einbalsamiert und aufgebahrt liegt und von 8 bis 11 Uhr täglich außer Montag und Freitag Besuch empfängt. Der Besuch war für uns sehr skurril. Wir hatten gelesen dass man sehr früh morgens da sein sollte, damit man nicht mehrere Stunden in der Warteschlange verbringt. Somit sind wir um 7 Uhr bei uns losgelaufen und waren nach 2,5 km Fußmarsch um kurz vor 8 Uhr am Eingang. Taschen und Personen werden gescannt, dann müssen große Rucksäcke abgegeben werden und für Kameras bekommt man eine rote Tragetasche, die mit einer Nummer versehen ist und auch in Verwahrung genommen wird. Kameras sind im Mausoleum nämlich verboten.

Dann geht es los. Man muss respektvoll gekleidet in zweier Reihen über das Gelände laufen. Dabei darf man die Hände nicht in den Hosentaschen haben und keine Kopfbedeckung tragen. Man darf kein Kaugummi kauen, nicht laut sprechen und auch Lachen ist verboten. Handys muss man zwar nicht abgeben, sie dürfen aber auch nicht in der Hand getragen werden. Wer gegen diese Regeln verstößt wird von einem der griesgrämig dreinblickenden Soldaten angeschrien, wie es auch mehrmals um uns herum passiert ist. Wir haben uns zum Glück in allem richtig verhalten und nicht den Zorn der Soldaten auf uns gezogen. War glaub ich auch besser so.

Der Besuch an sich ist relativ schnell vorbei. Man läuft einmal um den aufgebahrten, erleuchteten Leichnam herum und wer zu langsam geht wird ermahnt. Stehen bleiben ist nämlich auch verboten. War es den Aufwand wert? Wir finden schon. Es ist ein sehr skurriler Besuch. Und auch wenn man sich ständig beobachtet fühlt sind wir froh dagewesen zu sein. So etwas kann man nicht alle Tage sehen. Es hat uns auch noch mal ein bisschen mehr verdeutlicht wie sehr die Vietnamesen Ho Chi Minh verehren. Schon krass.

Nach unserem Besuch bei Onkel Ho
Das Parliament
Der Präsidenten Palast – hier waren wir aber nicht drin
Die Vietnamesen lieben ihren Frühsport, der in Gruppen auf der Straße ausgeführt wird.
Überall sind Badminton Felder aufgezeichnet, die auch gerne genutzt werden. 
Einfach mal ein heruntergekommenes Herrenhaus

Packen und umziehen

Wir hatten unsere Hanoi Aufenthalt spontan um eine Nacht verlängert und Anns AirBnB Wohnung war leider nicht mehr frei. So mussten wir noch mal umziehen. Grundsätzlich aber kein Drama, so konnten wir noch mal einen anderen Stadtteil kennenlernen und sind auch gleich in die Nähe des Ortes gezogen wo am nächsten Tag unser Bus in die Berge abfahren würde. Der würde nämlich schon um 7 Uhr morgens fahren. Da will man nicht mehr weit laufen! Also Sachen packen und ins Golden Time Hostel umziehen. Das liegt direkt neben der Oper in einem eher schicken Viertel. Das Hostel war aber leider nicht so schick, dafür aber auch feucht. Scheint wohl an der Stadt zu liegen.

Die Oper

Mittags-highlight

Da unser Zimmer noch nicht ganz fertig ist, vertreiben wir uns die Zeit mit Mittagessen. Wir finden eine Garküche in der großer Betrieb herrscht. Dort wo viele Einheimische sitzen, kann man selten etwas falsch machen und wir reihen uns in die Schlange ein. Es gibt eine Art Buffet mit verschiedensten Sachen zum aussuchen und es ist alles köstlich. Bei mir gibt es unter anderem Kartoffeln und Kohlrabi Gemüse, dazu Schweinebraten. Wie zuhause bei Oma. Lecker! Danach gibt es noch einen Kaffee für mich und ein Coconut Shake Eis für Hanno.

Schlendern und gucken

Den Nachmittag vertreiben wir uns mit weiterem Schlendern und gucken, diesmal im neuern Teil der Stadt. Es ist jetzt kein Highlight, aber wenn man etwas mehr Zeit hat, kann man hier durchaus ein paar Stunden verbringen. Dieser Teil südlich vom Old Quarter gehört auch zu Hanoi und wir haben jetzt ein gefühlt vollständigeres Bild von der Stadt. Das wir auf einen tollen, recht skurrilen Eisladen gestoßen sind, ist natürlich ein Bonus. Die Eisdiele gibt es wohl schon seit 1958 und er befindet sich in einer Art Garage. Das Eis ist entweder am Stil oder als Kugel in der Waffel. Alles ist aber vorgefertigt und man bekommt eine die komplette Waffel-Eis Kombi direkt aus der Tiefkühltruhe gereicht. Lecker geschmeckt hat es allemal.

Im Stadtteil rund um die Oper ist man eher extravagant und nicht traditionell unterwegs. 
Die Stoffblumenladen Straße
Roller gibt es hier zwar auch, aber bei weitem nicht so viele wie in Saigon

Warum mit etwas brechen wenn es gut läuft

Da wir gefühlt den ganzen Tag schon gegessen und getrunken haben, wollen wir damit jetzt auch nicht aufhören und gehen abends in unserem Viertel auf Nahrungssuche. Das Music Café hatten wir uns zwar rausgesucht, aber als wir dort ankommen ist es komplett leer. Schon ein komischer Anblick wenn alle Restaurants und Garküchen drum herum voller Leben sind. Wahrscheinlich lag es an den komplett überteuerten Preisen. Da gehen wir doch auch lieber wo anders hin. Wir finden relativ schnell eine Garküche und stoßen auf unseren letzten Abend in Hanoi an. Es war eine tolle Zeit und die Stadt haben wir wirklich ins Herz geschlossen. Wie immer, wenn es uns wo richtig gut gefällt, verabschieden wir uns mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Morgen geht es auf nach Sa Pa.

Es soll noch eine kurze Nacht werden. Irgendwann um kurz vor Zwei wachen wir beide auf. Es hört sich an als ob jemand bei uns im Zimmer staubsaugen würde. Wir machen die Augen auf, aber da ist niemand. Alle Lichtschalter werden methodisch nach einander an und aus gemacht aber das Geräusch bleibt. Verzweifelt geht Hanno an die Rezeption um den dort schlafenden Nachtportier zu wecken. Er kommt zu uns ins Zimmer um zu hören: „Ah, das ist die Wasserpumpe“. Ja nee, ist klar! Mach das Ding aus! Er murmelt etwas von Boss anrufen und ist schnell wieder verschwunden. Ob er seinen Boss wirklich aus dem Schlaf geklingelt hat oder ob das Ding von selber kurz darauf wieder ausgeht werden wir nicht erfahren. Ist auch egal. Die Nacht ist hin. Zumindest für Hanno der ab jetzt nur noch schlecht und leicht schläft. Um 5:45 Uhr klingelt dann sowieso der Wecker.

Unsere Unterkünfte

4 Nächte im Annam AirBnB für 21 € pro DZ/Nacht

1 Nacht im Golden Time Hostel für 20 € pro DZ/Nacht

Carola

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