Medellin – Welcome to Colombia Teil 1

Medellin – Welcome to Colombia Teil 1

Weltreise Tage 276-279 (03.08-06.08) irgendwas ist beim berechnen der Tage schief gelaufen, uns fehlen irgendwo 2, deshalb musste ich nach Kolumbien leider 2 Tage überspringen. Ich denke es liegt an den vielen Zeitverschiebungen…

„Jetzt brauche ich noch ihre Fingerabdrücke der rechten Hand.“ Wir stehen in einer Wechselstube und wollen eigentlich nur unsere verbliebenen Soles in Pesos umwechseln. Der Prozess ist allerdings mit einem recht langwierigen bürokratischen Aufwand verbunden. Nachdem die Dame hinter der Glasscheibe unsere Soles in Empfang genommen hat, möchte sie jetzt unseren Pass. Zum Glück haben wir dazu gelernt und tragen jetzt immer unseren Zweitpass mit uns rum. Passnummer, Name und persönliche Daten werden in den Computer eingetippt. Alles nur, damit wir ca. 20 € von einer Währung in die anderen wechseln können. Dann kommt das Highlight – Fingerabdrücke! Nach 10 Monaten Reise kann uns wirklich nicht mehr all zu viel verwundern, doch diese Bitte schafft es. Wir hinterfragen das Verfahren allerdings nicht und ich Stempel meinen Finger auf die dafür vorgesehene Stelle. Danach bekomme ich noch ein Feuchttuch zum säubern und endlich die ersehnten Pesos. Welcome to Colombia!

El Poblado

Gestern sind wir gegen 22:30 Uhr am Flughafen in Medellín gelandet. Dummerweise hat sich unser Pilot ein bisschen verfahren. Eigentlich sollten wir an einem Finger ankommen. Jetzt standen wir blöderweise irgendwo an einer Außenposition. 30 Minuten ziehen ins Land, bis sie kurzfristig noch irgendwo einen Bus samt Busfahrer auftreiben konnten und wir zum Terminal gefahren werden. Dann läuft aber alles glatt und wir sind kurz vor Mitternacht an unserem AirBnB Apartment in El Poblado.

Unsere Befürchtungen, dass Medellin unsicher sei und man sich nachts nicht mehr draußen aufhalten sollte, wurden schon vor unserer Ankunft in Kolumbien wiederlegt, denn unseren Schlüssel für die AirBnb Wohnung hat der Portier einfach im Stromkasten hinterlegt. Einbruchgefahr scheint es hier nicht zu geben. Die Wohnung ist schön, wenn auch ein bisschen muffig, und man schaut direkt ins Grüne. Allerdings gibt es direkt neben der Wohnung einen recht lauten Kanal. In Südamerika ist sogar die Natur laut! Aber zum Glück gibt es ja Oropax.

Am nächsten Morgen ist früh aufstehen angesagt, denn Hanno hat Hunger und damit ist morgens nicht zu spaßen. Auf dem Weg zum Supermarkt bekommen wir schon mal den ersten Eindruck von unserem Viertel. El Poblado ist das wohlhabende Viertel der Stadt. Es ist bekannt für seine große Gringo Dichte. Außerdem wohnen wir direkt in der Nähe von Parque Lleras, dem Ausgehviertel von El Poblado. Hier reiht sich ein Restaurant neben das Nächste und alle sind sie durch gestylt. Heute ist Samstag. Wir sind mal gespannt auf den Abend. Aber eins nach dem anderen – erst mal Frühstück. Im Supermarkt finden wir Haferflocken, Bananen und Maracujas. Fürs Mittagessen landen Wraps, Avocados, Tomaten und Käse in unserem Korb. Heute wollen wir es nämlich langsam angehen lassen und damit klarkommen, dass wir schon wieder in einem neuen Land sind. Da wollen wir nicht öfter als nötig das Haus verlassen.

Da geht die Luzie ab

Eigentlich wollten wir heute Abend nur kurz raus um was zu essen, zum kochen haben wir nämlich keine Lust. Eigentlich. Es ist aber Samstag und in El Poblado geht die Post ab. „Eigentlich können wir uns sowas nicht entgehen lassen.“ „Ne, stimmt. Lass uns gleich noch mal ein bisschen rum laufen.“ Ist die Sache also auch geklärt und nach dem wir unser Sushi aufgegessen haben machen wir uns noch mal auf zu einem Spaziergang durch das Viertel. Ja ihr habt richtig gelesen. Unsere erste Mahlzeit in Kolumbien ist Sushi! Aber wer schon mal in Poblado war, weiß dass man hier alles zu Essen findet, nur eben kaum was traditionell Kolumbianisches.

El Poblado macht seinem Namen als Party Hochburg übrigens alle Ehre. Aus jedem Restaurant, aus jeder Bar, die natürlich alle open air sind, läuft laute Salsa oder Raggeaton Musik. Es ist laut, bunt, chaotisch und fröhlich. Überall wird gegessen, getrunken und gefeiert. Ein bisschen erinnert uns der Vibe an Miami. Wir schlendern etwas durch die Straßen und Gassen, hören der live Band in einem Garten Café zu und laufen langsam wieder in Richtung zu Hause. So richtig Lust mitzumachen haben wir heute nämlich nicht.

Comuna 13

Von der Comuna 13 haben sicherlich alle schon mal gehört die Narcos auf Netflix geschaut haben. Noch bis in die 1990iger Jahre gehörte das Viertel zu den gefährlichsten des Landes und machte Medellín zu der Stadt mit den meisten Mordfällen pro Einwohnern auf der Welt. Kartelle, Guerillas und Para-Militärs haben über Jahrzehnte bittere Straßenkämpfe ausgefochten. Es ging um Macht. Denn wer Comuna 13 kontrollierte, der kontrollierte auch die große Durchfahrtstraße von Medellín zum Hafen in Turbo die zufällig direkt durch Comuna 13 führt. Für die Drogenkartelle war das natürlich die perfekte Route um illegale Substanzen aus dem Land zu schaffen. Die Regierung ist mit den Para-Militärs dagegen angegangen und die Kämpfe kulminieren 2002 in der Operation Orion in der unzählige Unschuldige getötet werden.

Ein Kunstprojekt, dass gleichzeitig eine Gedenkstätte für die Opfer des Para-Militärs ist. Denn diese Menschen sind einfach spurlos verschwunden, es gibt keine Körper die von den Angehörigen beerdigt werden konnten. Jetzt haben sie einen Platz wo sie zum trauern hingehen können.

Seitdem hat sich die Comuna 13 komplett verändert. Die Regierung, aber hauptsächlich die Bevölkerung selber, haben es geschafft, dass Viertel aufzuräumen. Die HipHop Kultur war ein riesen Teil dieser Aufräumaktion. Die Jugendlichen hatten plötzlich etwas anderes als Gangs, das sie interessierte. Überall in der Comuna kann man heute Breakdance und HipHop Gruppen beim tanzen zusehen und tolle StreetArt bewundern. Man muss dabei noch nicht einmal selber laufen, sondern kann die Outdoor Rolltreppen nutzen, die seit 2011 den unteren Teil des Viertels mit dem Oberen verbinden. Die hat die Regierung bauen lassen, um den Anwohnern das Leben hier einfacher zu machen.

Breakdance gibt es an jeder Ecke
StreetArt auch. Hier mit einer politischen Message, diese Frau war die erste, die die Regierung wegen Mordes angeklagt hat, da ihr Sohn durch die Para-Militärs spurlos verschwunden ist.
Das Open-Air Rolltreppensystem in Comuna 13

Die Comuna 13 hat sich wirklich extrem verändert und heute, am Sonntag ist hier die Hölle los. Touris aus aller Welt drängen sich durch die Hauptstraßen der Comuna. Nur die Medellíner aus anderen Stadtteilen, die trauen sich wohl noch nicht wirklich hier her. Dass das hier ein gefährlicher Stadtteil ist, hat sich in den Köpfen verankert und will noch nicht ganz weichen.

Wir sind froh, dass wir hier waren und uns ein eigenes Bild gemacht haben. Außerdem ist die Tour von Free Tours mit Sergio eine der besten auf unserer Reise. Er zeigt uns nicht nur die touristischen Teile des Viertels, sondern geht auch dort hin wo das tägliche Leben stattfindet. Vor der Bibliothek erzählter er uns, wie das Gebäude sein Leben verändert hat. Nicht wegen der vielen Bücher, die gab es auch in anderen Bibliotheken, sondern wegen der Computer mit Internet! Die ersten Tage haben er uns seine Freunde die Rechner nicht etwa zum Hausaufgaben machen genutzt, sondern sich über Messanger Nachrichten geschickt. „Wir saßen in selben Raum!“ Keine besonders intellektuelle Art die Rechner zu nutzen, aber sie waren zumindest nicht auf der Straße, sagt er.

Überall gibt es Sportplätze…
…und noch mehr StreetArt

Das Highlight der Tour ist aber wohl das selbst gemacht Fruchteis, dass wir in einem der Läden kaufen. Hanno ist Mango Eis mit saurer Soße und bei mir gibt es Obstsalat Eis. Ganz frisches Obst wird mit viel Zucker in kleinen Plastikbechern eingefroren und dann direkt aus der Tiefkühltruhe verkauft.  

Food truck Festival

In Medellín findet zur Zeit das traditionsreiche Blumen Fest statt. Überall stehen tolle geschmückte Bilder aus Blumen rum und es gibt unzählige Veranstaltungen die man besuchen kann. So auch das Food truck Festival vor dem Museum für moderne Kunst. Wir lieben Food trucks. Also nehmen wir auch die Ubahnfahrt und den Spaziergang entlang der Hauptstraße in Kauf um zum Museum zu kommen. Allerdings sollen wir fast 4 € Eintritt zahlen, nur um dann drinnen noch mal Geld für Essen auszugeben. Irgendwie sehen wir das nicht ein, haben aber auch Hunger. Wir sitzen in der Zwickmühle…Zum Glück ist Rettung in Sicht. Direkt neben an gibt es eine große Food hall mit zig Essenständen – ohne Eintritt! Es gibt zwei leckere Burritos und dann fahren wir mit dem Taxi nach Hause. Die 7000 Pesos (ca. 2 €) sind ein Luxus den wir uns heute einfach mal gönnen! Wir sind nämlich ziemlich Fuß lahm, nach dem Tag in Comuna 13.

Solche selbstgemachten Blumenbilder tragen die Künstler während des Blumenfestes durch die Straßen

Wir tun nichts

Wir haben uns extra viel Zeit für Medellín genommen, so dass wir auch mal einfach nichts tun können. Und genau das machen wir am nächsten Tag. Das heißt ein bisschen was machen wir schon. Wir waschen ein bisschen Wäsche, ich gehe mittags los und kaufe fürs Mittagessen ein und dann kochen und essen wir gemütlich. Aber hauptsächlich lümmeln wir im Bett und auf der Couch rum, schauen Netflix und schreiben und schneiden. Es ist ein wunderbarer Tag und es ist unglaublich wie schnell so ein Tag vorbei geht und es schon wieder abends ist. Es ist auch unglaublich wie müde wir von unserem Nichts-tun-Tag sind…War wahrscheinlich mal wieder bitter nötig.

Fußball ist unser Leben

Nach dem gestrigen Tag ist heute wieder ein Erlebnis Tag. Eine Sache steht auf unserer Bucket list für Südamerika ziemlich weit oben und heute wollen wir einen Haken dahinter machen. Wir gehen ins Stadion, Fußball gucken! Es spielt Atletico National Medellín gegen Atletico Huila und wir haben schon von so vielen anderen Reisenden gehört wie toll die Stimmung im Stadion ist, das wollen wir selber auch mal erleben.

Das Spiel wird um 19:45 Uhr angepfiffen und da wir die Karten direkt am Stadion kaufen wollen, fahren wir gegen 17 Uhr bei uns los – direkt zur Rush hour. Was da an der U-Bahn Station los ist, hätten wir im Leben nicht erwartet. Schon 200 Meter vor der Station staut es sich. So chaotisch es in Südamerika oft zu geht, hier ist alles total gesittet und geordnet. Der Übergang zur Metro wurde mit Absperrbändern halbiert. Wer in die Metro möchte reiht sich links ein. Rechts kommen einem die Leute entgegen die die Fahrt schon hinter sich haben. Keiner drängelt und keiner murrt. Dadurch geht auch alles erstaunlich schnell und wir sind bald an der Reihe uns in die eh schon überfüllte U-Bahn zu quetschen. Unserer Ansicht ins jetzt wirklich voll, das sehen die Kolumbianer hinter uns aber anders, nehmen Anlauf und quetschen sich noch schnell mit rein, bevor die Türen zu gehen. In der Bahn ist es jetzt wirklich kuschelig und Hanno und ich sind mal wieder froh, ein gutes Stück größer zu sein als der Durchschnittskolumbianer.

Anstehen vor der Bahn

Am Stadion angekommen, hatten wir uns den Ticketkauf erst mal etwas einfacher vorgestellt. Eigentlich sollen hier irgendwo die offiziellen Verkaufsstellen sein. Die sind aber weit und breit nicht zu finden. Auch die Helfer an der Einlasskontrolle haben keine Ahnung, schicken uns in die vage Richtung „da hinten rechts“. Etwas ziellos laufen wir umher, bis uns der gefühlt fünfzigste Ticketmann anspricht: „Sucht ihr noch Tickets, ich hätte da welche übrig.“ Da wir mit der offiziellen Verkaufsstelle nicht weiter kommen, bleibt das unsere einzige Chance und da neben uns direkt ein Polizist steht, den die Aktion nicht zu stören scheint, gehen wir mal davon aus, dass es entweder legal ist oder geduldet wird und die Tickets hoffentlich echt sind.

Wir hatten uns vorher schon erkundigt wo wir sitzen wollen und so können wir gerade noch die angebotenen Fankurven Plätze gegen zwei in der Oriente Section eintauschen. Was für ein Glück. Auf Fankurve haben wir beide keine große Lust.

Tickets in der Hand, ist es jetzt Zeit für ein Bier. Im Stadion wird nur alkoholfreies Bier ausgeschenkt und diverse Blogs raten dazu es so zu machen wie die Kolumbianer: vor dem Spiel in kürzester Zeit so viel Bier in sich reinzuschütten wie möglich. Wir belassen es bei zwei und begeben uns dann auf unsere Plätze, die ziemlich nah am Spielfeld sind – da hatten wir wirklich Glück!

Das Spiel und die Stimmung sind der Hammer. Während der gesamten 90 Minuten geht es in der Fankurve ab. Dort stehen an die 20 Trommler die nicht eine Minute pausieren. Die Beats füllen das gesamte Spiel über das Stadion. Genau so haben wir uns ein südamerikanisches Fußballspiel vorgestellt. Die Fans gehen auch voll ab und es werden die Nationalhymne, die Hymne des Clubs und natürlich ordentlich viele Sprechgesänge gesungen. Medellín gewinnt 4:1! Das eine Gegentor war ein Torwartfehler, der auch prompt ausgebuht wird die Fans lassen ihn den Fehler das ganze Spiel nicht vergessen.

Ach ja, auch wenn es kein Bier gibt, in der Halbzeitpause essen wir das erste Mal in Südamerika Salchipapa. Eine wunderbare Kalorienbombe bestehend aus Pommes, Würstchen und überbackenem Käse. Dazu gibt es natürlich Mayo und Ketchup! Unser Fußballabend war als rundum ein gelungenes Erlebnis!

Dort hinten ist die Fankurve mit den Trommlern
Die Geste mit der rechten Hand war uns ein bisschen befremdlich…

Unsere Unterkunft

4 Nächte im AirBnb für 32,60 €/Nacht

Carola

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