Salento und die höchsten Palmen der Welt

Salento und die höchsten Palmen der Welt

Weltreise Tage 283-285 (10.08-12.08)

Da sind sie, die höchsten Palmen der Welt. Wir stehen genau davor, oder darunter? – Ich weiß es nicht so genau, aber sie sind hoch!! Bis zu 60 Meter groß können die Wachspalmen werden. Die Palmen sind so groß, dass es sogar fast unmöglich ist, sie ganz vor die Linse zu bekommen und gleichzeitig einen von uns am Fuße der Palmen noch zu erkennen… Echt krass. Vor der Reise wusste ich noch gar nicht, dass es diese Palmen überhaupt gibt und jetzt stehen wir hier im Corcora Valley bei Salento und fragen uns wie wir sie am besten fotografieren…

Die Busfahrt aus der Hölle

Aber zurück nach Medellín wo wir heute Morgen Arvey, dem Portier, den Schlüssel der Wohnung in die Hand drücken und uns dann ein Taxi suchen. Mit den Rucksäcken wollen wir nicht unbedingt die 20 Minuten zur U-Bahn laufen, also gönnen wir uns ein Taxi für ca. 2 €, das uns direkt zum Busbahnhof fährt. Heute wollen wir in den Süden von Medellín, also geht es zum südlichen Busbahnhof. Hach, ich liebe diese Logik. (Der Grund hinter den zwei Bahnhöfen ist bestimmt, dass die Busse dann nicht so lange durch die Stadt gurken müssen und ziemlich schnell auf die Schnellstraßen kommen. Das ist aber auch das einzig schnelle an diesem Tag…)

Die Fahrt nach Salento ist mit 4-5 Stunden angesagt. Wir haben aber schlimmes gehört und rechnen mit 6 Stunden. Das wir dann nachher ca. 8 Stunden im Bus sitzen, das konnte wirklich keiner ahnen. Die Fahrt geht mehr oder weniger die komplette Strecke entlang Serpentinen durch die Berge. Autos, Mopeds, Busse und LKWs teilen sich natürlich die kleine Fahrbahn und wenn es den Berg hochgeht, dann kann es sich hinter so ‘nem leistungsschwachen LKW schon mal stauen…damit aber nicht genug. Die komplette Strecke ist einspurig!! Mal ist unsere Fahrbahn gesperrt, mal ist es die Gegenfahrbahn. Es wird nämlich gebaut! Wir stehen mehr als das wir fahren. Zum Glück haben wir in Medellín noch an genügend Snacks gedacht, und zum Glück gibt es ein Klo im Bus, sonst wäre die Fahrt noch unerträglicher gewesen.

Irgendwann kommen wir in Armenia an (der Stadt, nicht dem Land. Hier sind die Orte hier alle nach osteuropäischen Ländern benannt. Montenegro gibt’s auch. Warum weiß ich nicht…) Das ist aber noch nicht das Ende unserer lustigen Fahrt. Einmal durch den Busbahnhof und am anderen Ende wieder raus, hier stehen nämlich die Kleinbusse von denen einer uns jetzt noch nach Salento fährt. Hurrah! Die Fahrt geht aber verhältnismäßig schnell und gegen 20 Uhr abends kommen wir an, natürlich am anderen Ende des Dorfes zu unserem Hotel. Also Rucksäcke auf, den Hügel hoch, über den Hauptplatz, den Hügel wieder runter und dann sind wir da, im Casa de Vicente. Zum Glück ist Salento nicht sehr groß.

Die dicke Katze

Paola und ihre beiden Katzen retten uns den Tag. Paola ist super freundlich und die beiden Katzen, besonders Paya, sind super kuschelig und zutraulich. Hanno sitzt gerade auf dem Sofa, da sitzt die Mietze schon bei ihm auf dem Schoß und schaut ihn erwartungsvoll an. Für die dicke Katze gibt es nichts besseres als Krauleineiten, wie wir die nächsten Tage noch feststellen sollten. (Einmal legt sie sich sogar einfach auf meinen Rechner den ich gerade auf dem Schoß habe.)

Bananen sind doch gesund

Außer Jogurt und ein paar Wraps haben wir heute noch nicht viel gegessen, also schmeißen wir gerade mal unsere Rucksäcke ins Zimmer und suchen uns noch was zu Essen. Heute mussten wir echt kämpfen mit dem rausgehen– aber Hunger siegt über Müdigkeit. Zum Glück ist Wochenende und auf dem Hauptplatz von Salento gibt es einige Stände. Günstig, authentisch und es geht schnell – genau unser Ding. Links an den Ständen gibt es Forelle, da haben wir keine große Lust drauf, rechts haben die Leute was auf den Tellern, das sieht ein bisschen wie ein riesen Nacho mit Zeug und Käse drauf aus. Das wollen wir! Wir bestellen Patacones Mixto, was sich als frittierte Kochbananen mit Fleisch, Tomaten und Käse drauf herausstellt. Es ist mega lecker und Bananen sind ja gesund, oder?

Kaffee im Kaffeedreieck

Es ist Samstag und ganz Kolumbien scheint in Salento Urlaub zu machen. Europäische Touristen sieht man kaum welche, dafür umso mehr Kolumbianer. Zum Glück ist davon morgens noch nicht so viel zu spüren und wir können ganz entspannt Kaffee trinken und frühstücken gehen. Wir sind ja im Kaffeedreieck von Kolumbien und da muss man Kaffee trinken. (Das Kaffeedreieck heißt so, weil es auf der Landkarte eben ein Dreieck formt.) Wir hatten jetzt schon öfters gehört das der kolumbianische Kaffee, den man hier im Land bekommt nicht so der Hit ist, da der gute Kaffee immer exportiert wird und nur die Reste im Land bleiben, aber beim Café Jesus Martin scheint es eine Ausnahme zu geben. Der Kaffee ist so lecker, dass wir gleich noch länger bleiben und jeder eine zweite Tasse bestellen. Das Frühstück ist übrigens auch nicht zu verachten. Vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass es bei uns heute Karottenkuchen zum Frühstück gibt…Jesus Martin sollten wir übrigens später nochmal über den Weg laufen, dazu aber das nächste Mal mehr.

Chaos in Salento

Das Frühstück will erst mal verdaut werden, also legen wir uns am späten Vormittag einfach noch mal hin. Wir sind ja schließlich auf Reisen, da können wir das einfach so machen. Erst als uns unser Magen suggeriert, dass es Mittagszeit sein könnte wagen wir uns wieder in die Stadt. Die Kameras nehmen wir gleich mit. Danach wollen wir noch ein bisschen durch Salento schlendern.

Das Restaurant platzt aus allen Nähten, aber einen kleinen Tisch für uns haben sie noch. Bei Hanno gibt es Forelle mit Pilzen und Käse überbacken – Fisch ist ja gesund. Ich bestelle Schweinkotelett, bekomme aber Schnitzel mit Pommes – naja, auch OK. Besonders der Fisch ist mega lecker, aber auch das Schnitzel ist nicht schlecht, wenn man ignoriert dass es kein Kotelett ist.

Dann stürzen wir uns in den Trubel. Meine Kamera habe ich heute übrigens nur als Accessoire dabei, denn der Akku liegt in der Ladestation auf dem Zimmer… na super. Auch sonst ist der Ausflug ins Dorf kein so großer Erfolg. Wie gesagt, die Stadt ist voll. Es wimmelt nur so von Menschen. Eigentlich ist die Stadt wirklich hübsch. Ähnlich wie Guatapé sind die Häuser alle bunt angemalt und überall gibt es kleine Cafés und Läden, aber die Menschenmassen machen es ein bisschen kaputt. Wir flüchten auf einen Hügel um von dort auf die Stadt gucken zu können, aber auch hier ist es voll und Hanno wird es zu viel. Er geht zurück ins Hotel.

Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt und ich bleibe noch ein wenig in Salento um vielleicht doch noch die eine ruhige Straße mit hübschen Häusern zu finden, die ich fotografieren kann (mit Hannos Kamera versteht sich). Ich finde sie natürlich nicht, überall stehen Kolumbianer davor. Also schlendere ich noch ein bisschen durch die Läden, gebe mich aber irgendwann geschlagen und suche noch einen Supermarkt. Morgen haben wir nämlich einen Ausflug geplant und wir brauchen Proviant.

Valle de Corcora

Wer nach Salento kommt, tut das nicht nur wegen des Kaffees sondern auch wegen dem Corcora Tal. Denn hier gibt es etwas, dass es sonst nirgends auf der Welt gibt. Hier wachsen die Wachspalmen, die höchsten Palmen der Welt. Sie können bis zu 60! Meter hoch werden. Da können unsere Zimmerpalmen in Deutschland mit ihren 1-1,5 Metern Höhe nicht mithalten.

Wir wollen natürlich auch die Palmen ansehen, also stehen wir Morgens um 7:15 Uhr auf dem Hauptplatz und kaufen zwei Tickets für die Willy Jeeps, die uns dort hinbringen sollen. Die Willys sind umgebaute Jeeps in den 8-10 Leute (je nach Größe der Menschen) sitzend Platz haben und noch bis zu drei Menschen stehend mitfahren können. Wie? Ganz einfach: zwei nehmen vorne neben dem Fahrer Platz, die anderen quetschen sich hinten auf gegenüberliegende Bänke. Wer übrig bleibt stellt sich auf den Fußtritt und hält sich fest wo geht. Die Fahrt dauert 30 Minuten und kann ziemlich lang werden, je nach dem wo man seinen Platz im Jeep hat…

Das ist so ein Willy Jeep

Wenn der Jeep hält ist man mitten im Valley. Es gibt mehrere Möglichkeiten das Tal zu erkunden. Entweder läuft man den Rundweg, der etwa 5 Stunden dauert und 12 km lang ist, im Uhrzeigersinn und sieht die Palmen somit am Anfang der Tour, oder man läuft ihn gegen den Uhrzeigersinn, so hat man das Highlight am Ende. Man kann den Trek natürlich auch einfach ausfallen lassen und läuft zu den Palmen und dann wieder zurück zum Jeep, das dauert nur ca. 1 Stunde. Wir entscheiden uns für die Version gegen den Uhrzeigersinn und sind auch echt froh drum. Wir fanden es gut, die Palmen als Highlight erst zum Schluss zu haben.

Der Trek lohnt sich übrigens sehr. Das ganze Tal ist wunderschön. Wir laufen über Hängebrücken balancieren über Baumstämme, wandern über offene Felder mit grasenden Kühen und durch dichte Wälder. Der Weg ist wirklich toll langsam scheine ich mich echt ans Wandern gewöhnt zu haben. Mir ist überhaupt nicht langweilig! Man läuft übrigens die meiste Zeit über privates Land, und muss ein Eintrittsticket kaufen, aber mit 80 Cent pP hält es sich echt in Grenzen.

Kolibris

Nach ungefähr 2 Stunden kann man dann einen Abstecher zum Kolibri Haus machen. Kolibris? Das lassen wir uns auf keinen Fall entgehen und laufen halt noch mal 1 km den Berg hoch (und nachher wieder runter). Oben zahlt man 1 € pro Person, bekommt dafür aber auch ein Getränk inklusive und kann natürlich so viele Bilder von Kolibris machen wie man möchte. Gar nicht mal so einfach, sag ich euch. Die sind echt schnell, die kleinen Freunde. Ich musste nur gefühlte 100 Fotos machen um ein, zwei gute Shots zu bekommen. Ich finde aber es hat sich gelohnt.

Mittag ist, wann wir es sagen

Nach dem Kolibri Haus geht es ans eingemachte. Vor uns liegt ein ziemlich steiler Berg den wir in den nächsten 30 Minuten erklimmen. Der hat es echt ins sich und als wir oben ankommen ist erst mal Mittagspause angesagt auch wenn es gerade erst 11:15 Uhr ist. Wir brauchen aber ne Pause. Zum Glück ist hier auch die Hälfte erreicht und der Rest geht nur noch bergab – auf einer Straße die das Wander-Äquivalent einer Autobahn ist. Groß, breit, kaum Geröll, es wird ein Spaziergang. Aber dazu gleich, jetzt erst mal Pause und Brotzeit. Wir haben es uns übrigens auf dem Gelände der Finca Montaña bequem gemacht. Sie ist wirklich hübsch. Überall wachsen tolle Blumen und der Ausblick ist gigantisch. Was die Finca genau ist, konnten wir allerdings nicht rausfinden. Es gibt weder ein Café, noch einen Kiosk oder eine Toilette.

Da ging’s hoch
Der Blick durch die Blumen

Die Wanderautobahn

Nach eine wunderbaren Siesta geht es weiter auf der Wanderautobahn. Plötzlich kommen uns auch viel mehr Menschen entgegen als noch heute morgen. Es war eine gute Idee so früh loszufahren und nicht mit der Masse um 10 Uhr aufzubrechen…(Hannos Idee, nicht meine!) Der Weg führt uns jetzt wirklich nur noch entlang der Wanderautobahn – drei Meter breit, eben und kaum mit Geröll bedeckt ist es als würden wir spazieren gehen. So geht das noch ca. 45 Minuten und dann kommen wir auch schon an einem großen Holztor an. Es ist der Eingang zum Teil des Tals in dem die Palmen stehen. Wir geben dem Mann 4000 Pesos (ca.1,20 €) und bekommen im Gegenzug ein schickes weißes Eintrittsarmband.

Die größten Palmen der Welt

Auf der Wanderautobahn geht es hinter dem Tor noch ein paar Minuten gerade aus, dann sehen wir sie. Die Palmen sind auch wirklich nicht zu übersehen. Habe ich schon erwähnt, dass es die höchsten Palmen der Welt sind? Durch ein Tor auf eine kleine Anhöhe und wir stehen mittendrin. Unglaublich! Toll! Wunderschön! Vor allem, weil wir uns kurzfristig zu diesem Ausflug nach Salento entschieden hatten und ich eigentlich dachte wir würden die Palmen gar nicht mehr zu Gesicht bekommen.

Die nächsten paar Minuten verbringen wir mit den Versuchen die Palmen in ihrer ganzen Pracht vor die Linse zu bekommen, was uns irgendwann auch gelingt. Die zweite Schwierigkeitsstufe ist es dann, mich und die Palmen zusammen in ihrer Gänze vor die Linse zu bekommen. Auch das gelingt uns nach mehreren Anläufen. Ich bin der kleine blaue Punkt, da am Fuß der Palme. Krasse Proportionen, oder?

Aber wir sind ja nicht nur wegen ein paar Bildern hier, sondern hauptsächlich um diese einmaligen tollen Pflanzen zu begutachten. Also wandern wir noch ein Stückchen nach unten und die Kameras wandern in die Rucksäcke und wir setzten uns hin und schauen einfach, genießen und verstauen das Gesehene in den Schubladen unseres Gedächtnisses.

Beim gehen überkommt uns dann aber doch noch mal der Foto Wahn. Was ist wenn unser Gedächtnis irgendwann nicht mehr weiß wie hoch die Palmen wirklich waren? Also Kameras noch mal raus und den Zeigefinger noch mal einem Work-out unterziehen. Man ist ja höchst wahrscheinlich nur einmal im Leben hier, da darf es auch ein Foto mehr sein.

Da unten bin ich – ganz schön klein, oder?

Die armen Pferde

Von den Palmen sind es nur noch ein paar Meter zum Willy Warteplatz. Aber diese paar Meter reichen schon aus, um sich mal wieder zu fragen wie egoistisch die Menschheit zum größten Teil ist. Man kann nämlich auch auf Pferden die Palmen erkunden. Keiner unserer Mitmenschen, die uns hoch zu Ross überholen scheint sich aber Gedanken über das Wohl der Tiere gemacht zu haben. Während die Touris nämlich mehr schlecht als recht auf den Tieren sitzen, eher Kartoffelsäcken als Reitern ähneln und tolle Urlaubserlebnisse sammeln, sehen die armen Pferde echt nicht besonders gut aus. Sie stehen den ganzen Tag gesattelt in irgendwelchen Verschlägen, sehen dreckig, abgemagert und müde aus und warten darauf von ihren Besitzern den Hügel zu den Palmen hochgetrieben zu werden. Schön ist was anderes, aber wie gesagt, kaum jemand schein sich da groß Gedanken drüber zu machen…

Willys

Wir versuchen den Pferden im Vorbeigehen gut zu zureden und gehen dann einen Kaffee trinken, Tinto, wie er hier heißt. Milch oder Zucker ist hier anscheinend keine Frage die man einem Kaffeetrinker stellt. Hier wird der Kaffee schwarz mit viel Zucker getrunken. In den kleinen Bechern sind bestimmt jeweils zwei Esslöffel Zucker verrührt worden, wenn nicht gleich die ganze Dose reingefallen ist. Aber er ist stark und wir fühlen uns gestärkt genug um uns in die Willy Schlange zurück nach Salento anzustellen. Einen Zeitplan gibt es nämlich nicht. Die Jeeps kommen wann sie eben kommen. Zum Glück geht es dann doch recht schnell, nicht zu letzt, weil man so unglaublich viele Menschen in diese kleinen Jeeps quetschen kann und gegen 16 Uhr sind wir wieder in Salento. Was für ein Tag!

Der letzte freie Platz

Zum Glück haben wir heute so früh zu Mittag gegessen, denn so haben wir heute Abend auch recht früh Hunger. Grundsätzlich ist das jetzt nichts, was ich so erwähnen würde, aber in diesem Fall ist es ein äußerst wichtiges Detail. Wir bekommen nämlich den letzten freien Platz im Restaurant unserer Wahl. Es ist zwar ein recht kleiner Tisch, dafür sitzen wir auf der Terrasse und können zusehen, wie nach uns unzählige Hungrige kommen die alle vergeblich nach einem Tisch fragen. Die Kellner teilen allen Neuankömmlingen bedauernd mit, dass die Wartezeit ca. 20 Minuten betragen würde. Da sie aber keine Namen in eine Warteliste notieren, können wir nicht ganz glauben, dass die Zeit in irgendeiner Form auf Tatsachen begründet ist. Wir glauben es ist eher eine Verlegenheitszahl um die Menschen erst mal ruhig zu stellen. Wir schauen uns alles interessiert an und freuen uns über das unerwartete Entertainment.

Unsere Unterkunft

3 Nächte im Hostal Casa de Vicente für 24,30 €/Nacht

Carola

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