Titicaca – Der höchste See der Welt

Titicaca – Der höchste See der Welt

Weltreise Tage 243-246  (03.07-06.07)

Der Titicaca See ist einer der größten, tiefsten und höchst gelegenen Seen der Welt und wir liegen gerade in unseren Hängematten im Garten des La Cupula Hotels in Copacabana in der Sonne und schauen ihn uns an. Um uns herum mähen vier friedlichle Alpacas den Rasen und hinten in der Ecke spielt ein kleiner Hund mit sich selber Fangen. Die Welt ist gut.

Bolivia Hop

Von 6:35 – 6:45 Uhr soll uns der Bolivia Hop Bus von unserem Hotel abholen. Um 6 Uhr gibt es für uns ein desayuno simple (ein kleines Frühstück) aus Brot und Marmelade, um 6:25 Uhr ist Hanno in der Lobby und ich um 6:31 Uhr. Der Bolivia Hop Mann wartet schon auf uns. Das ist uns auf unserer ganzen Reise noch nie passiert! Sie sind zu früh! Schnell zahlen wir noch unser Hotel und laufen dann im Eilschritt zum Bus.

In jedem Bus von Bolivia/Peru Hop fährt immer ein Guide mit. Unserer ist heute morgen nicht der gesprächigste Geselle, aber das ist uns gerade Recht, wir nämlich auch nicht. Bald fahren wir schon entlang des Titicaca Sees und bleiben die komplette restliche Fahrt an seinem Ufer. Keine große Kunst, denn er ist wirklich riesig. Moment, einmal verlassen wir das Ufer doch, aber nur um direkt auf dem Titicaca See zu fahren, denn es gibt nämlich keine Brücken und wir müssen auf die andere Seite. Also alle Mann raus aus dem Bus, der kommt nämlich auf eine ziemlich schwankende Autofähre, die eher aussieht wie ein Floß, und wir werden in einer Passagierfähre auf die andere Seite gekarrt. Kurze Klopause und dann geht’s weiter. Übrigens auch ein noch nie da gewesenes Ereignis: Wir kommen sieben Minuten vor der angegeben Zeit um 11 Uhr in Copacabana am Ufer des Titicaca Sees an.

La Cupula

Wir hatten lange überlegt ob wir die paar extra Euros ausgeben sollen um im schönen La Cupula übernachten zu können. Zum Glück hat unsere Argumentation für das Hotel gewonnen, denn es ist wirklich schön! Ob das jetzt am Belohnungseffekt liegt, den man hat, wenn man die 500 Meter bergauf in einer Höhe von 3800 Metern mit 20 Kilo auf dem Rücken geschafft hat, oder ob das Hotel wirklich so schön ist, ist völlig egal. Wir sind froh angekommen zu sein. Unser Zimmer ist zwar recht klein, dafür haben wir aber unser eigenes Bad und, für uns ein kleines Highlight: eine richtige Zudecke und nicht nur ein Betttuch mit einer Wolldecke, wie es in Südamerika üblich ist.

Weshalb ich eigentlich hier hin wollte ist die Lage. Das Hotel liegt nämlich am Berg mit einer tollen Aussicht über Copacabana und den Titicaca See. Außerdem gibt es einen super schönen Garten und vier Haustier Alpakas, die den ganzen Tag damit beschäftigt sind in verschiedenen Teilen der Anlage den Rasen zu mähen, außer wenn man mit Kellogs Smacks ankommt (auf jeden Fall sehen sie so aus, probiert haben wir sie nicht) um die Jungs und Mädels zu füttern. Dann ist die Aufregung nämlich groß.


Heute machen wir nicht mehr viel. Die letzten Tage im Dschungel waren aufregend genug. Deshalb besteht unser Highlight aus einem tollen Mittagessen im Hotel Restaurant. Es gibt Trucha – Forelle. Ein Spezialität hier am Titicaca See. Der Fisch gehört seit den 1930iger Jahren zu den bolivianischen Nationalgerichten. Damals haben nämlich die Nordamerikaner die Forelle im Titicaca ausgesetzt und seit dem vermehrt sie sich unglaublich schnell und rottet dabei auch noch nach und nach die traditionell beheimateten Fische im Titicaca aus. Na, geschmeckt hat sie trotzdem.

Meine Trucha
Hannos Trucha

Copacabana

Aber genug vom Hotel. Die Stadt ist eine Touristen Hochburg. In der Hauptstraße reihen sich Cafés an Restaurants an Souvenirshops und argentinische Hippies versuchen dich den lieben langen Tag dazu zu bewegen in einem der Essensläden dein Geld zu lassen.

Aber nicht nur ausländische Touristen findet man in Copacabana. Auch Bolivianer reisen in Massen an. Die Stadt ist nämlich aus zwei Gründen bekannt. Einmal ist sie natürlich der Ausgangspunkt zur Sonneninsel, dem Geburtsort der Inkas. Sie ist aber auch der Ort der Jungfrau von Candelaria und dem entsprechend ein wichtiger Wallfahrtsort mit einer großen Basilika. Dazu später aber noch mehr.

Etwas abseits vom Touri-Trubel findet man dann doch noch ein bisschen lokales Leben. Es gibt einen Markt und auch ein paar Geschäfte die nicht nur für Touristen da sind. Den Teil finden wir Abends als wir uns auf die Suche nach Essbarem machen, das wir nicht im Restaurant zu uns nehmen müssen. Schließlich werden wir in einem Laden mit einem sehr mürrischen Besitzer fündig. Es gibt unseren Klassiker: Käsebrötchen mit Gürckchen und Senf. Wir kaufen gleich die doppelte Portion, denn morgen machen wir nämlich einen Ausflug. Auf dem Rückweg holen wir noch die teuerste Wäsche von unserer ganzen Reise ab – 16 Euro zahlen wir für 7 Kilo, und dann geht’s ab in die Heia.

Die Touri-Meile…
…hier reiht sich ein Souvenirladen an den Nächsten

Wir fahren Boot

Alle die in Copacabana sind wollen auf die Sonneninsel. Wir auch. Allerdings nicht mit einer Tour. Ist ja nicht so unser Ding. Also stehen wir am nächsten Morgen um 8:20 Uhr mit unseren geschmierten Brötchen am Hafen. Nee, ich stehe um 8:20 Uhr mit zwei Rückfahrttickets am Hafen. (Um 8:30 Uhr soll die Fähre ablegen.) Hanno, der Arme, musste noch mal die ganzen 500 Meter bergauf zum Hotel zurück sprinten, weil er seinen Kamera Akku vermeintlicher weise im Hotel vergessen hat. Hatte er nicht, war die ganze Zeit im Rucksack und der Geschmack von Eisen im Mund und das brennen der Lungen vom Sprint waren völlig um sonst. Sprinten auf dieser Höhe ist echt nichts für Weicheier.

Dabei hätte er sich gar nicht beeilen brauchen. Die Fähre fährt nämlich nach südamerikanischer Zeit los, also 15 Minuten zu spät. Das ziemlich große Boot mit mindestens 40 Leuten an Bord wird übrigens von zwei Außenbordmotoren betrieben. Man kann sich ja vorstellen wie schnell wir vorwärts kommen. Das Highlight passiert aber, als wir gerade das Hafen Areal verlassen. Da dreht die Fähre einfach wieder um. „Was ist denn jetzt los? Ist der Motor kaputt? Es riecht schon arg nach Diesel,“ fragen wir uns. Nein, der Motor ist nicht kaputt. Es wollen nur noch ein paar Nachzügler mitfahren. Ach, was sind schon Abfahrtszeiten, wenn die Fähre auch um 8:55 Uhr noch mal für einen umdreht, dann muss man sich ja auch nicht beeilen…

Der Rest der Fahrt ist ziemlich entspannt. Und zweieinhalb Stunden später docken wir in Yumani, dem Hafenort auf der Sonneninsel an.

Der Hafen von Yumani

Die Sonneninsel

„Wir sind da. Und was machen wir jetzt hier?“ Erst mal aufs Klo und dann die gefühlten tausend Treppen nach oben. Es gibt auf dem nördlichen Teil der Insel ein paar Inka Ruinen, sie sollen zu den ältesten Ruinen der Incas überhaupt gehören. Blöd nur, dass der nördliche Teil der Insel für Touristen gesperrt ist. Schuld ist ein Nachbarschaftsstreit zwischen zwei Dörfern der so weit ausgeartet ist, dass vor ein paar Jahren eine Touristin erstochen worden ist.

Die tausend Stufen…
…und der Blick nach unten

Es ist nämlich so: Die Inka Ruinen sind den Bolivianern heilig und obwohl sie gegen Tourismus im Grunde nichts haben, wollen manche der Inselbewohner, in dem Fall Dorf A, nicht, dass Hostels und Unterkünfte zu nah an den Ruinen gebaut werden. Kann man ja grundsätzlich verstehen. Dorf B kann das wohl aber nicht und hat dort trotzdem Häuser gebaut. So ist der Streit entstanden und auch wenn alle paar Monate Friedensverhandlungen stattfinden, ist man noch auf keinen gemeinsamen Nenner gekommen. Somit heißt es für uns Touris demnach weiterhin: Eintritt verboten.

Also zurück zu meiner ursprünglichen Frage: Was machen wir jetzt hier?  Auch wenn die Ruinen nicht erreichbar sind, gibt es tolle Wege auf der südlichen Insel. Man kann den Hauptweg durchs Dorf und zum Aussichtspunkt laufen, oder man macht es wie wir und biegt einfach irgendwo rechts ab und schaut wo man landet.

Und wir haben Glück. Unser Pfad führt uns direkt in die Inkaterrassen, die an den gesamten Hängen der Insel angelegt worden. Ähnlich wie in Sapa in Vietnam sehen sie aus, nur das hier kein Reis sondern Quinoa und Mais angebaut werden. Es ist schon Wahnsinn wie zwei komplett unterschiedliche Kulturen an entgegengesetzten Punkten der Erde auf die gleiche Idee kommen, einen Berg zu bezwingen und zum Getreide Anbau zu nutzen. Scheint zu funktionieren, die Taktik.

Off the tourist paths

Uns kommt es ein bisschen vor als wären wir in der Toscana (auch wenn Hanno noch nie da war und ich mich nur vage daran erinnern kann.) Die Landschaft sieht einfach so aus und die Esel die überall herumstehen und vor sich hin schreien verstärken unser Bild von der italienischen Toskana noch. Einzig die Alpakas und die bolivianisch-traditionell angezogenen Menschen die uns über den Weg laufen stören das Bild ein bisschen…Und das Gute an unserem kleine Pfad? Wir treffen keine anderen Touristen.

Esel, Inkaterassen und…
…Lamas die in die Ferne schauen.
Der Blick in die Ferne
Und den kleinen Freund sehen wir auch noch

Irgendwann wir des uns aber zu heikel weiter nach Norden zu laufen (wer weiß ob es unsichtbare Grenzen sind oder sie gut markiert sind) und wir schlagen einen Weg zurück ins Dorf ein. Auf eine Mauer gibt’s erst mal Käsebrötchen und dann machen wir uns auf den anstrengenden Weg nach oben zum Ausguckpunkt. Ihr wisst schon raufklettern und runtergucken – auf 4000 Metern gar nicht mal so einfach. Wir überholen aber ein paar andere Touris und unsere Egos fühlen sich geschmeichelt. Der Blick oben ist ziemlich cool. Wir sehen die schneebedeckten bolivianischen Anden, die Mondinsel und auf der anderen Seite können wir Peru erahnen. Nur die Ruinen sehen wir nicht – leider.

Irgendwo dahinten links sind die Ruinen
Die Mondinsel und die Anden

Vielleicht alte Ruinen

Nach unserem Abstieg gönnen wir uns einen Kaffee und einen Pfirsich Saft mit Blick auf den Titicaca See und gabeln für den zweiten Teil unserer Wanderung einen Schäferhund auf. Der die Dame anscheinend die deutsche Sprache toll findet, nennen wir sie Germania und der Hund weicht uns den ganzen Weg nicht mehr von der Seite. Wir laufen übrigens wieder mehr oder weniger ziellos durch die Gegend, diesmal allerdings in den Süden, bis wir unten links eine Ruine sehen – und viele Touristen. „Das ist bestimmt alt, lass mal hin gehen.“ Leichter gesagt als getan, denn einen offiziellen Pfad gibt es nicht. Der Schäferhund führt uns mehr schlecht als recht die Terrassen runter und wir kommen tatsächlich unten bei der Ruine an. Wer braucht schon Pfade und Wege…

Das Dorf wo es Kaffee gibt
Hanno und der Schäferhund Germania
Die vielleicht alten Ruinen

Ob die Ruine alt ist, kann ich auch nach unserem Besuch nicht sagen, aber wir waren da und haben unser FOMO gestillt. Germania findet übrigens eine Gruppe von Österreichern und beschließt da zu bleiben, während wir uns auf den Rückweg zum Hafen machen. Um 14 Uhr sind wir da, um 14:30 Uhr geht die Fähre. Perfektes Timing um ein bisschen im Gras zu liegen und die Sonne zu genießen.

In Copacabana laufen wir gegen 17 Uhr ein und auf dem Nachhauseweg kann ich nicht anders, ich muss einfach Inka Kola probieren. Ein neongelbes Gesöff von Coca Cola, dass wohl nur für Südamerika produziert wird. Es sieht ein bisschen aus wie Urin und schmeckt süß und künstlich…Aber ich hab’s mal probiert. Abends gibt’s noch lecker Chilli con Carne in einem der etwas weniger touristischen Restaurants und dann ist dieser Tag auch schon wieder zu Ende.

Wir erkunden Copacabana

Dass das Städtchen mehr zu bieten hat, als nur die Touri-Meile, davon sind wir überzeugt und heute ist der Tag das heraus zu finden. Aber erst mal Mittagessen. (Den Vormittag haben wir mit unseren Rechnern auf der Couch verbracht.) Da wir nun mal am Titicaca See sind, und Trucha hier an jeder Ecke verkauft wird, steht sie auch bei uns heute noch mal auf der Karte. Die Touri-Meile durchqueren wir im Schnelldurchlauf, denn unser Ziel ist der Strand vom Titicaca See. Hier reihen sich die Trucha Streetfood Stände an einander und die Truchas die hier serviert werden sollen die besten in Copacabana sein. Nur wie sucht man sich einen der Garküchen aus? Man geht dort hin wo am meisten Bolivianer sitzen, die müssen es ja wissen. Und wir haben gut gewählt. Die Trucha ist super lecker, frisch und dazu auch noch günstig. Was will man mehr.

Nach dem Essen machen wir noch einen kleinen Verdauungsspaziergang am Titicaca Strand entlang. Es ist Samstag und ganz Copacabana ist auf den Beinen. Der Strand ähnelt eher einem Vergnügungspark. Überall werden Zuckerwatte und andere Leckereien verkauft und auf dem Wasser tummeln sich Tretboote, und anderes Wasserspielzeug.

Auto Segnung

Um zur Basilika zu kommen, gilt es den Spießrutenlaufen durch die Touri-Meile nochmal zu überstehen und dann stehen wir schon vor der Kirche – und können unseren Augen kaum trauen, denn auf der Straße davor stehen mindestens 30 mit Blumen geschmückte Autos. Ganz vorne sind zwei Priester dabei, die Autos und deren Fahrer zu segnen. An sich ist das schon ein ziemlich kurioses Unterfangen, das nur noch an Kuriosität gewinnt, wenn man erfährt, dass die Bolivianer zu den schlechtesten Autofahrern Südamerikas gehören…

Die Autos sind alle mit Blumenkränzen und Girlanden geschmückt und viele haben sogar einen kleinen Zylinder aus buntem Papier auf. Das praktische: Links und rechts von der Straße gibt es unzählige Stände die nichts anderes verkaufen als Zubehör zum Autoschmücken. Die Kirche ist übrigens auch einen Besuch wert, wenn auch das Spektakel draußen etwas spannender ist.

Adios Copacabana

Nachdem wir die Autosegnung miterlebt haben, haben wir wirklich alles gesehen. Was kann das denn bitte noch toppen? Also kaufen wir uns noch eine große Tüte riesen Popcorn (der Mais hier ist viel größer als in Europa) als Reiseproviant, holen unsere Rucksäcke ab und machen uns auf den Weg zum Bus. Heute reisen wir nämlich weiter ins nächste Land. Dazu aber das nächste Mal mehr.

Popcorn in der praktischen Spargröße
Ciao!

Unsere Unterkunft

3 Nächte im La Cupula für 24 €/Nacht

Carola

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