Die Salar de Uyuni Teil 1

Die Salar de Uyuni Teil 1

Weltreise Tage 220-221  (10.06-11.06)

Es ist Halbzeit auf unserem Salar de Uyuni Trip. Hier stehen wir nun und schauen auf die Lagune mit all ihren pinkfarbenen Bewohnern. Heute hat ein Highlight das nächste gejagt und so wird es auch die nächsten zwei Tage weiter gehen. Gleich geht da Geknipse los, aber für diesen einen Moment stehen wir am Ufer und schauen den Flamingos einfach nur zu. Wir könnten stundenlang so stehen bleiben.

Willkommen in Bolivien

Es ist Montag Morgen um 7:40 Uhr. Zusammen mit mehreren anderen Touri Bussen stehen wir mitten auf der Straße und warten auf die Polizei. Eine Schranke versperrt die Weiterfahrt in die Berge und die Polizei, die normalerweise um 7:30 Uhr aufsperrt, hat sich verspätet. Wir sind am Anfang einer drei tägigen Fahrt durch die Salar de Uyuni in Bolivien. Ziel ist der Ort Uyuni am nördlichen Ende der Salar.

Die Polizei kommt dann auch, schließt auf und es geht weiter zur Grenze. Die Ausreise aus Chile ist schnell erledigt. Bei der Einreise nach Bolivien hat sich allerdings schon eine ziemlich eindrucksvolle Schlange gebildet. Also beschließen unsere Guides von World White Travel, dass wir erst mal frühstücken. Uns kommt das gerade recht. Wir haben Kaffee Durst!

Dann kommt die Aufteilung in die Jeeps. Mit dem Minibus durch die Wüste wäre wahrscheinlich keine so gute Idee. Lustigerweise sind wir eine komplett deutschsprachige Gruppe. Wir fünf Deutsche und eine Schweizerin werden in den nächsten drei Tagen alles dran setzten, unserem Guide und Fahrer Ebber soviel deutsch wie möglich bei zu bringen.

der Mittlere ist unserer

Die großen Rucksäcke sind auf dem Dach verstaut, und wir haben es uns gerade im Auto bequem gemacht, da fällt mir siedeheiß ein: Die Einreise nach Bolivien! Wir haben noch gar keinen Stempel! Also wieder raus und in der Schlange anstellen. Die ist zwar nicht wirklich kürzer geworden, dafür werden wir von den Beamten aber mit dem Soundtrack von Grease bei Laune gehalten.

Nach dem wir unseren Stempel bekommen haben, geht’s dann zum Zoll um ein paar Zettel auszufüllen und schließlich gilt es noch die Eintrittstickets für den Nationalpark zu kaufen. Aber das ist auch irgendwann erledigt und es geht los zu den ersten Stopps in der Salar de Uyuni.

Ein Highlight jagt das Nächste

Wer hätte gedacht, dass es in der Wüste so viel Wasser gibt. Die Laguna Blanca ist unser erster Halt. Eine wirklich sehr schöne Lagune mitten in der staubigen Landschaft. Allerdings bin ich viel zu aufgeregt auf das was da noch kommt, dass ich eher ungeduldig auf die Weiterfahrt warte. Auf den Trip in die Salar de Uyuni freue ich mich nämlich schon seit dem wir die Weltreise planen und der nächste Stopp ist einer von meinen persönlichen Highlights. 

Wir fahren zur grünen Lagune. Da wir es mit der Natur zu tun haben und die bekanntlich nach ihrer eigenen Pfeife tanzt, ist die Lagune nur grün wenn auch ein ordentlicher Wind pfeift. Zum Glück ist das heute der Fall. Es ist zwar eisig kalt, dafür ist die Lagune aber auch ein wunderschönes grün. Ebber erklärt uns: „Im Wasser sind verschiedenste Mineralien und Substanzen, deshalb ist es so grün.“ Beiläufig erwähnt er: Übrigens ist die Lagune auch voller Arsen, also nicht den Finger reinstecken!“ Ok, geht klar.

Wir haben ein straffes Programm also geht es auch bald schon weiter. Zu einem wunderbar eklektischen Soundtrack wo DJ Bobo auf Rocky folgt fahren wir in die Dali Wüste. Eigentlich hat der Teil der Wüste auch noch einen offiziellen Namen, aber hier stehen die verrücktesten Steinformationen einfach so in der Landschaft rum, so dass Touristen sie irgendwann die Dali Wüste genannt haben. Salvador selbst war übrigens nie hier.

Baden in der Wüste

Hatte ich erwähnt wie erstaunlich ich es finde, dass es hier so viel Wasser gibt? Also auf zu unserem nächsten Ziel – den heißen Quellen. Wir wollen kurz mal die Wassertemperatur testen und dann entscheiden ob wir baden gehen, aber eigentlich steht fest – So etwas lassen wir uns nicht entgehen. Und als wir dann die große Badewanne sehen, ist klar – da müssen wir rein. Das Umziehen kostet uns diesmal nicht ganz so viel Überwindung und auch das Becken ist tiefer und wärmer als in Chile. Es ist mega schön und der Ausblick phänomenal. Eigentlich wollen wir gar nicht mehr raus aus der Badewanne, es warten aber noch so viele Highlights, dass wir uns aufraffen und bald wieder im Auto sitzen. Es geht nach oben.

Beim Baden in der Wüste
Das Vicuña läuft da einfach mal so rum

Der höchste Punkt der Reise

Auf knapp 5000 Metern Höhe hält Ebber an. Wir befinden uns in einem kleinen Geysirfeld. Man kann hier relativ frei herumlaufen und die Rauchsäulen aus nächster Nähe betrachten. Ziemlich cool, zumal kaum Leute hier oben sind. Als uns Ebber allerdings hinterherruft, dass nur 1200 Meter unter der Erde flüssige Lava fließt, sind wir dann doch etwas vorsichtiger. Unsere erste Regel auf dieser Reise heißt nämlich: Nicht sterben. Da ist einbrechen keine Option.

Pause

Langsam wird es Zeit für eine kleine Auszeit und zum Glück geht es jetzt erst mal zu unserer Unterkunft. Jeder bekommt ein Bett zugeteilt und die Rucksäcke werden vom Auto gehievt. Das Hostel ist ziemlich einfach. Es gibt ein Gemeinschaftsbad für die gesamte 18-köpfige Truppe, Strom gibt es nur Abends ab 19 Uhr und die Heizung besteht aus einem Schlafsack und mehreren Decken. Dazu aber später mehr. Jetzt gibt es erst mal Mittagessen und ein kleines Päuschen, denn um 16 Uhr geht’s ab zu meinem vielleicht größten Highlight der Tour.

Laguna Colorada

Die Laguna Colorada hat es mir seit meinen ersten Recherchen für die Weltreise angetan. Dieser knallrote See in mitten der Wüste – phänomenal. Und jetzt stehe ich selber hier. Jetzt zum Abend hin, ist das Licht besonders schön und das Rot kommt nur in manchen Winkeln so richtig zur Geltung. Es ist trotzdem wunderschön und wir könnten auch auf einem anderen Planeten sein,so unwirklich finde ich das Ganze. Das Rot kommt übrigens durch Algen zustande, aber das ist mir gerade relativ egal. Ich schaue und staune einfach nur.

Was das Ganze übrigens noch besser macht ist eine ganz besondere Vogelart die hier in Scharen zu Hause ist und fröhlich vor sich hin lebt. Die Lagune ist voll von Flamingos! Fast unwirkliche Vögel, wie sie da mit ihren langen dünnen Beinen und ihrem pinken Gefieder in der Lagune rum waten und nach Essen suchen. Sie sind lustig und grazil zu gleich. In Deutschland ist der Flamingo momentan ja das Zeichen für Sommer, man kommt ja kaum mehr drum rum irgendetwas mit einem Flamingo drauf zu besitzen. Jetzt hier zu stehen und die Tiere mal in echt zu sehen ist toll! Ich könnte ihnen stundenlang zu sehen. Und gefühlt tun wir das auch. Außerdem brauche ich natürlich das eine perfekte Flamingo Foto und drücke den Auslöser mal wieder in Rekordzeit ab (um die 80 Stück werden es wohl sein). Ich glaube ich habe eine neue Sucht entwickelt: Die Flamingobilder Sucht. (Hanno ist übrigens fast genauso gefährdet. Er hat auch eine gute Ausbeute zu bieten – in stillen und bewegten Bildern.) Irgendwann wird es aber dunkel und Ebber und der Rest der Truppe warten schon am Auto. Also drehen auch wir uns schweren Herzens um und laufen zurück.

Wir beim Flamingo Fotografieren 
Bild von Jan Kronies
Bild von Jan Kronies

Abends

Da es heute ein recht spätes Mittagessen gab, gibt es dafür jetzt auch ein recht frühes Abendessen (Die Logik muss erst mal jemand verstehen, aber vielleicht möchte die Köchin noch ins Kino). Im Aufenthaltsraum ist es eiskalt ist und wir hatten einen aufregenden Tag, also verabschieden sich alle recht schnell nach dem Essen und gehen schlafen. Wir teilen uns das Zimmer mit Fabienne und wir drei ziehen erst mal noch alles an was wir besitzen (inkl. Mütze und Handschuhe) und kriechen dann in unsere Schlafsäcke und unter unsere drei Decken. Es ist zwar dadurch alles etwas beengt, aber wenigstens warm. Als wir dann alle eingemummelt in den Betten liegen, schaue ich noch mal auf die Uhr. Es ist 20:11 Uhr! So früh waren wir ewig nicht mehr im Bett. Wir müssen alle ziemlich grinsen und holen noch mal diverse Hörbücher, Bücher und Handys aus den Rucksäcken.

Relativ schnell sind wir dann doch alle eingeschlafen. Dank der Höhe liegen Hanno und ich aber ein Großteil der Nacht wach, weil uns das atmen etwas schwer fällt. Dazu kommt, das ich auf die Toilette muss, aber über mehrere gefühlte Stunden überlege ob es sich lohnt sich jetzt aus all den Schichten heraus zu schälen oder einfach liegen zu bleiben. (Die Blase gewinnt irgendwann).

Das ist unser eiskaltes Zimmer

Tag 2

Am nächsten Morgen gegen 8:30 Uhr sind die Rucksäcke und Wasserkanister wieder auf dem Dach vom Jeep in ihrer Plane verstaut und es geht los. Ich kann mein Glück kaum fassen. Weil die rote Farbe in der Laguna Colorada morgens wohl noch besser zu sehen ist als abends, fahren wir als erstes noch mal vorbei. Gestern Flamingos, heute die tolle rote Farbe. Die Laguna ist wirklich ein Highlight.

Der Unfall

Dann kommt leider auch schon das Lowlight des Tages. Es geht weiter zum Stone Tree – einem Stein der wirklich aussieht, als wäre er ein versteinerter Baum. Drum herum stehen noch unzählige weitere verrückte Formationen und wir haben ein bisschen Zeit zum rumlaufen. Wichtige Info: Es ist kalt und extrem windig und wir befinden uns ja bekanntlich in der Wüste.

Das ist übrigens der Steinbaum

Hanno ist am filmen, da fällt ihm sein Handschuh in den Sand. Gerade in dem Moment wo er sich nach unten beugt, mit der offenen Kamera in der Hand, kommt eine Windböe und bläst gefühlt eine ganze Sandkiste voller Sand in das Objektiv. Nichts geht mehr, weder an, noch aus, noch zoom. Auch das alt bewehrte Mittel „rohe Gewalt“ will nicht so richtig funktionieren. Eigentlich bräuchten wir einen Pinsel oder so, um den Sand aus den Ritzen zu bekommen.

Da fällt mir was ein. Eileen, aus unserer Gruppe ist doch Kunststudentin und die sind ja immer ein bisschen verrückt. Ich also zurück zum Auto: „Eileen, verrückte Frage, aber sag mal hast du zufällig einen Pinsel dabei?“ „Na klar! Ich hab sogar Farbe mit.“ Perfekt. Wenn die Pinsel nichts bringen können wir die Kamera mit der Farbe anmalen und als Kunstwerk verkaufen.

Ich verbringe die nächste Stunde als mit Pinsel und Kamera und Hanno übt sich in Geduld. Man kann es kaum glauben, aber beim nächsten Stopp habe ich sie schon wieder soweit funktionstüchtig, dass Hanno die lustigen kleinen Anden Hasen aufnehmen kann. Die kleinen Tierchen sind eine Mischung aus Hase und Eichhörnchen. Vorne die langen Ohren, hinten der buschige Schwanz. Wirklich niedlich. Und eine Maus kommt uns auch noch besuchen.

Bis zum Abend ist die Kamera übrigens wieder voll funktionsfähig und hat in den nächsten Tagen nur noch kurze Aussetzer, fängt sich dann aberr wieder. Alle Sandkörner scheinen sich entweder verabschiedet zu haben oder sich so zurecht geruckelt zu haben, dass sie den Motor nicht mehr stören. Nur noch der Staub direkt hinter der Linse ist etwas doof, aber mal sehen ob wir das noch irgendwo repariert bekommen. (Der Pinsel musste leider dran glauben. Nachdem er seine Wundertat vollbracht hat, ist er dummerweise im Auto verschollen gegangen. Tut uns echt leid Eileen!)

Mittagessen gibt es heute mal mit Aussicht – und nochmal mit Flamingos.  Phänomenal! Hier kommen die nächsten 50 Bilder, aber keine Angst ich habe nur ein paar ausgesucht.

Beim Sucht ausüben 1
Bild von Jan Kronies
Beim Such ausüben 2
Bild von Jan Kronies

Das Moos lässt sich echt Zeit

Nach den Häschen geht’s zu einem Vulkan Aussichtspunkt. An sich eine spannende Sache, zumal er noch vor sich hin raucht, aber irgendwie haben wir die letzten Wochen so viele Vulkane gesehen, dass sich unsere Begeisterung ein wenig in Grenzen hält. Was ich aber ziemlich interessant finde, sind die mit Moos bewachsenen Steine. Das Moos darauf ist so verdammt langsam, dass es nur 1 Millimeter pro Jahr wächst. Trotzdem wird es traditionell als Brennstoff von den Wüstenbewohnern benutzt.

Quinoa Museum

Auch das kleine Dorf in dem das Museum steht ist für uns eher so ein „Na ja, muss halt“ Stopp. Das Museum ist ein kleiner Raum, in dem unser Guide uns im Schnelldurchlauf erklärt wie der Anden-Reis Quinoa angebaut wird. Danach dürfen wir alle mal im Shop vorbei schauen und gerne etwas von den Quinoa Produkten kaufen. Na gut, wir wollen ja die lokale Wirtschaft unterstützen, also gibt es einen Riegel mit Schoki. Besonders spannend ist es hier allerdings nicht.

Bahngleise

Unser Weg in Richtung Hotel führt uns noch an Bahngleisen entlang. Ein abgefahrener Anblick. Weit und breit gibt es nichts außer Berge und Sand und da läuft einfach mal eine kerzengerade Bahnstrecke mitten durch die Wüste. Davon müssen wir einfach ein paar Bilder machen. Die Strecke ist sogar noch befahren. Zweimal am Tag kommt hier ein Zug vorbei und bringt Rohstoffe von Bolivien nach Chile, quer durch die Salar de Uyuni. Echt bizarr, das Bild, oder?

The Making Off
Bild von Jan Kronies

Das Salzhotel

Aus welchem Rohstoff baut man in einer Salzwüste am besten? Klar, aus Salz! Also besteht unsere heutige Unterkunft am Rande der Salar komplett aus Salzwänden. Abgefahren, oder? Auch sonst ist es ein ziemlicher Kontrast zu gestrigen Schlafstätte. Wir haben ein Doppelzimmer, ein eigenes Bad und nach einigen Anläufen sogar heißes Wasser. Und auch wenn es im Hotel nicht mega warm ist, so ist es auch nicht „Ich zieh Handschuh im Bett an“ kalt. Wir fühlen uns wohl und freuen uns schon aufs Bett. Aber erst mal Abendbrot. Um 21:30 Uhr geht’s dann ab in die Heia. Morgen klingelt der Wecker um 4:30 Uhr.

Unsere Unterkunft

In mitten der Wüste war Teil der Tour.

Carola

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