Salta, la Linda

Salta, la Linda

Weltreise Tage 198-206  (19.05-27.05)

Wir brauchen mal ne kleine Pause. Deshalb wird für eine Woche Salta unser neues Zuhause. Wir haben einen Stamm Obst- und Gemüse Stand, eine Bäckerei und einen Empanada Laden. Der Mann in der Wäscherei begrüßt Hanno jedes Mal mit den Worten: „Wann lernst du endlich Spanisch.“ Und Hanno antwortet jedes Mal: „Beim nächsten mal wenn du mich siehst, kann ich es.“ Es ist schön mal wieder ein bisschen Beständigkeit und Alltag zu haben.

Die lange Fahrt nach Salta

Argentinien ist ein großes Land, ein sehr großes sogar. Das spüren wir bei unserer heutigen Busfahrt nur zu gut. Genau genommen sind es zwei Fahrten. Wir steigen nämlich in Resistencia um. Beide Fahrten dauern ca. 12 Stunden. Morgens um 8 Uhr steigen wir in den Rio Uruguay Bus nach Resistencia. Gebucht haben wir diesmal nur einen Cama Sitz. Also Business Class. Erstens weil es eine Tagfahrt ist und zweitens, und eigentlich viel ausschlaggebender, gibt es auf der Strecke keinen First Class Bus… Die Fahrt ist ziemlich ereignislos, wir müssen den Bus nicht wechseln und auch sonst passiert nichts Nennenswertes. Erstaunlich ist, wie schnell wir uns an diese Marathonfahrten gewöhnt haben. 12 Stunden gehen inzwischen rum wie im nichts.

Der Busbahnhof in Puerto Iguazú
Im Cama Bus

In Resistencia angekommen gibt’s noch mal einen kleinen Schock um das Adrenalin etwas durch den Körper zu pumpen. Wir finden nämlich den Schalter von Tigre Iguazu, der Busgesellschaft mit der wir weiter nach Salta fahren, nicht. Dann sieht Hanno eine Spiegelung des Logos in einem Schaufenster. Zum Glück – ein Bahnhofswechsel wäre jetzt echt blöde gewesen. Auf den Schreck gibt’s erst mal ne Pizza zum Abendessen.

Der Bahnhof in Resistencia ist übrigens Nigel Nagel neu, nur dort wo unser Bus abfährt, sieht es aus wie auf ner Baustelle. Es ist dunkel und überall liegt Schutt rum. Wir sind zweimal an der Plattform dran vorbeigelaufen, bevor wir es als solche identifizieren.

Der Bus kommt dann irgendwann und fährt auch nach Salta. Hurrah. Auch diese Fahrt ist, bis auf unzählige Polizeikontrollen über die ganze Nacht verteilt, ziemlich ereignislos. Schlafen ist trotzdem relativ schwer und nur mit Oropax möglich, da wir direkt vor der Klimaanlage sitzen, die in ohrenbetäubender Lautstärke bläst. Stellt euch vor ihr würdet mit dem Kopf direkt neben einem laufenden Staubsauger liegen. So in etwa fühlen wir uns 14 lange Stunden. Gegen 9 Uhr morgens dann die Erlösung, wir laufen in Salta ein – mit nur zwei Stunden Verspätung.

Conny

Unsere AirBnB Wohnung ist noch nicht ganz fertig geputzt, aber wir dürfen schon mal unsere Sachen unterstellen. Conny ist eine quirlige Argentiniern die uns in kürzester Zeit unglaublich viele Tipps für Salta gibt. Dabei ist sie ganz schön aufgeregt und spricht ziemlich schnell. Nach 24 Stunden Bus und nur wenig Schlaf braucht es schon unsere ganze Aufmerksamkeit um wenigstens ein Bruchteil von dem mitzubekommen das sie uns da gerade erzählt, und sie spricht auf Englisch! Wir sind ganz froh als wir wieder auf der Straße stehen und im Café nebenan einen Kaffee trinken, während sie die Wohnung fertig macht.

Immer schön langsam

In Salta wollen wir es langsam angehen lassen. Wir haben für die Region etwas mehr als zwei Wochen eingeplant. Heute passiert deshalb nichts mehr. Moment, das ist nicht ganz richtig…es gibt natürlich Essen. Wir haben uns ganz bewusst für eine AirBnB Wohnung mit Küche entschieden und die hier ist wirklich super; sauber und gut ausgestattet. Die Vorfreude auf selber kochen und gemütlich zuhause sein steigt. Sie ist sogar so groß, dass ich mich noch aufraffe und einkaufen gehe. Danach passiert heute aber wirklich nichts mehr. Übrigens zahlen mit Kreditkarte ist hier zwar meistens möglich, es ist aber auch recht, sagen wir mal, ursprünglich. Hier wird nämlich die Nummer sowie die der Sicherheitscode per Hand eingegeben. Auch seinen Pass darf man beim bezahlen mit Karte nicht vergessen, denn die Nummer wird immer benötigt. (Es reicht aber auch ein Foto vom Pass. So machen wir es meistens.)

Hier im Supermarkt gibt’s ne kleine Ecke zum ausruhen

Auch die nächsten Tage sind eher ruhige Tage. Das Wetter hilft nicht gerade uns aus dem Haus zu locken. Salta ist bekannt für seine vielen Sonnentage. Hier regnet es fast nie. Außer gerade jetzt. Es ist mit unserer Ankunft kalt und üselig geworden. Wir gehen also nur aus dem Haus um einzukaufen, Wäsche zu waschen und erkunden unsere Nachbarschaft dabei ein bisschen. Zum Glück ist es ein paar Tage später wieder schöner draußen und wir trauen uns ins Zentrum um ein bisschen ziellos umherzulaufen.

Alles sieht ein wenig trostlos aus. Wahrscheinlich liegt es an dem noch leicht grauen Himmel und den geschlossenen Geschäften. Es ist nämlich 14 Uhr und ganz Salta hält von 13-17 Uhr Siesta. Da geht hier nichts. Außer in den Restaurants. Also machen wir es wie die Salteños und essen ausgiebig zu Mittag, mit einem Glas Rotwein versteht sich. Das ist echt eine Art zu Leben die wir uns gerne aneignen und in den nächsten Tagen ausgiebig ausprobieren. So ein entspanntes Mittagessen hat schon was. Die wissen zu leben, die Argentinier. Und da wir ja gerade Urlaub von der Reise machen, darf auch ein Glässchen Wein dazu nicht fehlen. Schließlich macht man das hier so in Argentinien.

Auch wenn wir kulinarisch auch mal abgeschweift sind…
… Empanadas waren unser Lieblings-Mittagessen

Die Staubbude

Leider konnten wir bei Conny nur drei Nächte buchen, da wir aber noch nicht genug von unserer Pause haben, suchen wir uns eine neue AirBnB Wohnung. Bilder und Rezensionen von der Bude sind Top, also drücken wir auf Buchen. Was man auf Bildern natürlich nicht sieht, das kleine Haus ist mit Staubmilben verseucht. Für zwei Allergiker wie uns echt ne Qual. Fünf Nächte haben wir gebucht, fünf Nächte in denen der Schnodder Einzug hält. Schön ist es nicht. Leider versaut uns das ein bisschen unsere Erholungsphase. Denn eigentlich ist das Haus ganz nett. Es gibt ein Wohnzimmer, eine Küche, ein Schlafzimmer und sogar einen Kräutergarten. In der Küche kann man sogar, wenn auch ein bisschen abenteuerlich, kochen. Die Herdplatte ist auf dem kleinen tragbaren Ofen, welcher wiederum auf der Arbeitsplatte steht. Um in die Töpfe zu schauen, muss ich auf Zehenspitzen stehen, aber egal. Es funktioniert, wenn auch langsam und umständlich.

Die Küche mit dem coolen Ofen-Herd
Unsere Straße
Einmal über die Bahngleise und schon sind wir zuhause

Trotz Hausstaub genießen wir die Tage. Wir verbringen viel Zeit damit zu lesen, Filme zu schauen, zu schneiden, zu schreiben und ein bisschen zu planen und natürlich zu kochen – alles in Ruhe und ganz langsam versteht sich. Schließlich wollen wir ja Pause machen. Wir lernen schnell unsere Nachbarschaft kennen und wissen spätestens am zweiten Tag wo es die besten Empanadas gibt, welcher Supermarkt das beste Warenangebot hat und haben auch schon den lokalen Weinladen ausfindig gemacht.  Beim Gemüsestand an den Bahngleisen kaufen wir jeden Tag frisches Obst und Gemüse ein und beim Bäcker gegenüber bekommen wir unser Wechselgeld in Form von kleinen Brötchen Anstelle von Geld. Sogar der Wäschereibesitzer nimmt sich die Zeit ein bisschen mit uns zu quatschen. Die Unterhaltung führen wir in Spanglisch. Wir fühlen uns schon richtig integriert, in dieses argentinische Stadtleben.

Unser Gemüseladen – es ist gerade Orangen und Mandarinen Zeit
Nicht der beste Empanada Laden…
Heute gibt’s Rührei – Eier werden hier in Zeitungspapier gepackt verkauft
Man geht zu Pferd zum Kiosk
Die lieben hier Weißbrot ohne Rand – diese Dinger gibt es überall für ein paar Pesos zu kaufen

Natürlich gehen wir auchAbends mal Essen. Salta ist bekannt für seine Peñas. Traditionell ist es wie eine Art dance-off zwischen den Cowboys, den Gauchos. Sie zeigen was sie so tänzerisch drauf haben, oft mit Lasso oder ähnlichen Accessoires, und dieZuschauer entscheiden dann wer der bessere ist. Wie unser Freund derWäschereibesitzer sagt, ist es aber inzwischen ziemlich touristisch und die Salteños schauen sich so etwas nicht an. Die Show sei zwar ganz gut, aber dasEssen teuer und schlecht. Trotzdem landen wir eines Abends, in einem PeñaRestaurant. Es ist nicht das berühmteste in Salta, wir müssen keinen Eintritt zur Show zahlen, aber das Essen ist, wie vorhergesagt, schlecht. Dafür ist derAbend ganz witzig, weil er etwas unerwartet kam. Das es ein Peña Restaurant ist, wussten wir beim reingehen nämlich garnicht, und plötzlich stehen da eineTanzmaus und ein Tanzbär und drehen zwischen den Tischen Pirouetten – ganz lustig das Ganze.

Das Peña Restaurant La Cautiva

Durch Salta mit Homero

Nach ein paar Tagen sind wir soweit, dass wir wieder ein bisschen Tourist sein wollen. Es ist Samstag, die Sonne scheint und in der Stadt ist einiges los. Auch in Salta gibt es englischsprachige Free Walking Tours und genau so einer schließen wir uns an. Homero und zwei Straßenhunde führen uns ungefähr zwei Stunden durch ihre Stadt. Es ist jetzt nicht Buenos Aires, aber ein paar interessante Fakten hat die Stadt trotzdem zu bieten. Zum Beispiel lernen wir, dass südamerikanische Städte immer gleich aufgebaut sind. Die Straßen verlaufen alle von Ost nach West und von Süd nach Ost und bilden so Quadrate. Es gibt den Hauptplatz, hier entlang verläuft eine Straße von Osten nach Westen, die sozusagen die Teilung von Nord und Süd ist. Nord/Süd Straßen ändern an der „Trennstraße“ ihren Namen. So weiß man ob man im Süden oder Norden ist. Die Hausnummern beginnen hier in beide Richtungen mit 1 und werden größer je weiter man sich von der Trennstraße entfernt. So kann man sich nicht verlaufen. Der Platz ist aber komischerweise nicht 0,0. Die Ost/West Straßen beginnen alle an einem festgelegten Punkt im Osten der Stadt und werden immer größer je weiter man davon weg geht. Es gibt keine „Trennstraße“. Etwas eigenartig, finden wir, aber so ist’s halt nun mal.

Wir lernen aber nicht nur so interessante Fakten zur Städteplanung, sondern kommen an Orten vorbei die wir noch nicht kannten. So kann die Stadt noch mal ganz anders auf uns wirken. Sie hat wirklich Flair. Die Häuser sind alle recht niedrig gehalten und reihen sich pro Block aneinander ohne kleine Gässchen oder Durchgänge.

Homero in seiner orangenen Tourguide Jacke und zwei der beiden Straßenhund-Führer
Die Kirche des früheren reichen Stadtviertels
Die Kirche des früheren armen Stadtviertels
Überall in der Stadt stehen Orangenbäume. Auch wenn man die Früchte pflücken darf, macht das kaum jemand und die Bäume sind eher nur Deko. Die Orangen sind viel zu bitter und taugen eigentlich zum Marmelade kochen

Das Kloster von Salta

Was ich auch noch ganz interessant fand, war das Kloster direkt im Zentrum. Es ist eines von nur noch fünf in Argentinien, hinter dessen Mauern die Nonnen den Rest ihres Lebens verbringen ohne es zu verlassen, wenn sie einmal eingetreten sind. Sie dürfen auch von Niemandem aus der Außenwelt mehr gesehen werden. Lebensmittel und andere Dinge werden durch eine art Drehtür geliefert. Die jüngste Nonne ist wohl 35 Jahre und vor 10 Jahren eingetreten. Da muss der Glaube schon richtig stark sein, wenn man so etwas freiwillig macht. Für mich wäre das ja nichts! Ein Leben lang immer nur die gleichen 10 oder 15 Gesichter? Puuh – was ist wenn man die nicht leiden kann?

Das Eingangsportal vom Kloster

Die Augenarzt Odysee

Die Geschichte mit Hannos Auge geht übrigens hier in Salta in die dritte Runde. Es ist immer noch nicht komplett verheilt und bevor wir in die Wüste und in die Anden fahren, sollte das Auge doch endlich mal gesund sein. Irgendwo in Bolivien zum Augenarzt müssen, dass will wohl niemand. Wir haben also am Montag morgen um 10:30 Uhr einen Termin und durch unseren Ausländerbonus kommen wir direkt dran. Der Arzt ist sehr nett, schaut sich auch Hannos Augen an und meint nach 30 Sekunden ziemlich sicher, er hätte eine Bindehautentzündung in beiden Augen. Dann widmet sich der Arzt aber lieber wichtigeren Dingen zu und zwar uns Touris seine schöne Heimat näher zu bringen. Er gibt uns Unmengen von Reisetipps und zeigt uns Fotos von den schönsten Sehenswürdigkeiten in der Umgebung. Meine auf Spanisch gestammelten Fragen zu Hannos Bindehautentzündung und den Tropfen beantwortet er eher ungeduldig und etwas brüsk. Dann gibt er uns weiter Tipps. Naja, besser als Dr. Kaufer, aber so richtig sicher sind wir uns noch nicht. Der Ganze Spaß hat uns 10 Euro gekostet und mit den Arzthelferinnen quatschen wir auch noch mal ein bisschen über unsere Reise, diesmal allerdings auf Englisch.

Neben der Anleitung wie die Augentropfen zu verwenden sind, hat uns der Arzt noch ein paar Sightseeing Tipps auf den Rezeptblock geschrieben…

Da bleibt nur eins – eine zweite Meinung. Beim zweiten Augenarzt bekommen wir Nachmittags einen Termin, auch hier kostet der Besuch 10 Euro. Also verbringen wir den Tag mit einem etwas unspektakulären Aufstieg auf den Hausberg von Salta (es gibt weder einen guten Ausblick, noch irgendetwas zu tun auf dem Gipfel) und sitzen um 16 Uhr im Wartezimmer. Auch diesmal haben wir den Ausländerbonus. Der Arzt begrüßt mich mit Küsschen auf die Wange (Wie alle Ärzte hier in Salta), Hanno schüttelt er die Hand und schaut sich dann sein Auge an. „Quatsch“ sagt er zum Glück in Englisch. „Eine Bindehautentzündung hast du nicht. Das Auge ist nur gereizt.“ Hanno bekommt weitere Tropfen und wir sind so schlau wie vorher. Hanno entscheidet sich für die Flucht nach vorne und nutzt einfach beide Tropfen in beiden Augen für die nächsten sieben Tage. Hoffentlich ist die Odysee damit zu Ende!

Hinter dieser Tür verbirgt sich die zweite Augenarzt Praxis

Weiter geht’s

So gehen die Tage in Salta langsam zu Ende und wir organisieren uns für Dienstag den 28.5. einen Mietwagen. Salta liegt am Fuße der Anden und die Umgebung rund um die Stadt soll wunderschön sein. Das wollen wir auf keinen Fall verpassen. Also werden Montag Abend die Rucksäcke gepackt und wir gehen voller Vorfreude ins Bett. Die Anden – das wird ein Abenteuer! Teilweise fahren wir bis auf 4200 Meter. So hoch waren wir noch nie!

Unsere Unterkünfte

3 Nächte AirBnB Wohnung für 27 €/Nacht

5 Nächte AirBnB Wohnung für 28,50/Nacht

Carola

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