Die Iguazú Wasserfälle

Die Iguazú Wasserfälle

Weltreise Tage 195-197  (16.05-18.05)

Wir stehen am Ende des Stegs. Vor uns fallen gerade Unmengen an Wassermassen in die Tiefe. Das Wasser fällt mit einer solchen Wucht und Schnelligkeit, dass die Gischt uns andauernd ins Gesicht fliegt und wir schnell ziemlich nass werden. Der Lärm ist so ohrenbetäubend laut, dass wir unsere Unterhaltung auf ein Minimum reduzieren, alles andere würde in Anschreien enden. Wir stehen am Garganta del Diablo, dem Teufelsschlund, dem größten Wasserfall in Iguazú.

Busfahren in Argentinien

Der Bus ist in Argentinien das häufigste Fernverkehrsmittel. Bahnen gibt es so gut wie keine und Flugzeuge sind teuer. Deshalb hat sich auch eine riesige Busindustrie entwickelt und für uns Neulinge ist erst mal alles noch kompliziert. Welche Bus Firma ist am sichersten? Welche Kategorie am bequemsten? Welcher Sitzplatz am besten? Letztendlich entscheiden wir uns für Rio Uruguay. Die Bewertungen sind ganz gut und die haben den entscheidenden Vorteil, dass Busse in der Kategorie Cama Suite von Buenos Aires nach Iguazú fahren.

Cama Suite ist so etwas wie die First Class im Flugzeug. Die Sitze sind Sessel die sich zu einem komplett flachen Bett umbauen lassen. Ein Traum. Der Preisunterschied zu der Business Class Kategorie ist gar nicht so groß und da es sich um eine Nachtfahrt handelt, die mindestens 18 Stunden dauert, gönnen wir uns den Luxus für ca. 68 €

Im Cama Suite Bus

Es fängt auch alles super an. Wir bekommen sogar noch ein warmes, fast genießbares Abendessen und dann machen wir unsere Betten, lesen noch ein bisschen und dösen so langsam weg…bis um 23:30 Uhr ein aufgeregter Schaffner durch den Bus läuft und uns alle weckt. In knappem Spanisch erklärt er, der Bus sei kaputt, wir müssen umsteigen. Der neue Bus steht zwar schon bereit, aber natürlich ist es kein 1. Klasse Bus, sondern die Business Class Variante. Na toll! Wie blöd ist das denn? Der Bus ist jetzt natürlich auch komplett überfüllt aber zum Glück ergattere ich uns noch zwei Plätze. Irgendwie schon merkwürdig. Beide Busse sind um die gleiche Zeit von Buenos Aires nach Iguazú losgefahren, und zufällig gab es im 2. Klasse Bus noch genau so viele freie Plätze wie Passagiere im 1. Klasse Bus waren…Ein Schelm, wer Böses denkt…

Die Nacht ist dem entsprechend unruhig, bis wir gegen 8 Uhr morgen schon wieder anhalten. Es heißt noch ein mal Bus wechseln. Irgendwo haben Sie anscheinend einen neuen 1. Klasse Bus aufgetrieben. Als wir gegen Mittag in Puerto Iguazú ankommen kann uns natürlich keiner der Mitarbeiter in dem Büro von Rio Uruguay weiterhelfen. Wir müssten beim Hauptbüro anrufen, aber die haben gerade Mittagspause. Unsere Hoffnung auf Abfindung geben wir auf und fahren ins Hotel.

Unter Hühnern

Dummerweise hatten wir ein Hotel gebucht das ein bisschen außerhalb der Stadt liegt. Normalerweise kein Problem, da es oft in den Außenbezirken authentischer zu geht und die Restaurants keine Touripreise für schlechtes Essen anbieten. Was wir allerdings nicht wissen, hier draußen in den Außenbezirken von Puerto Iguazú gibt es nichts außer staubige Straßen. Dafür gibt es in unserer Hotelanlage ein Gehege mit allerlei Federvieh. Das erste Zimmer riecht so muffig nach feuchten Wänden, dass wir darum bitten umziehen zu können. Das Zweite haben sie dann schnell noch mal mit Raumspray besprüht, so dass wir die Feuchtigkeit erst später riechen. Ganz so schlimm ist sie aber nicht und wir beschließen, dass wir damit leben können.

Bringdienst

Es ist Mittag und wir haben natürlich Hunger, sind aber auch furchtbar müde. Eine blöde Kombination, besonders wenn man mitten in der Pampa wohnt. Da hilft nur der Bestellservice. Lasst es mich so sagen: Das Essen sah in keinster Weise so aus wie auf den Fotos, aber wir sind satt geworden.

Las Cataratas de Iguazú

Die Landesgrenze zwischen Argentinien und Brasilien verläuft direkt durch die Mitte der Wasserfälle. Auf beiden Seiten gibt es einen Nationalpark drum herum. Während man bei den Argentiniern sehr nah an das Wasser ran kann, bekommt man bei den Brasilianern einen schönen Panorama Blick. Jeder rät einem, beide Seiten mit zunehmen und die Busunternehmen machen es einem auch super einfach. Wir starten mit der Nahaufnahme in Argentinien. Am Busbahnhof in der Stadt fahren alle halbe Stunde die Busse zum Nationalpark. Nachdem wir etwas umständlich erst mal rein und dann die gleiche Strecke wieder rausgefahren sind (Hat was mit Routen, Tickets und Haltestellen zu tun) sind wir gegen 12 Uhr am Eingang vom Nationalpark.

Der Park ist super aufgebaut, es führen drei Wanderrouten durch das Gelände, so dass man alle Wasserfälle von nah und fern bestaunen kann. Mal läuft man unten entlang, mal oben auf der Kante und dann gibt es natürlich noch die Route zur Teufelsschlucht. Alle Routen sind durch geteerte Waldwege mit einander verbunden. Wer schlecht zu Fuß ist, oder einfach faul, kann aber auch die kleine Bimmelbahn nehmen, die durch den Park fährt.

Circuito Inferior

Wir laufen erst mal unten entlang. Die perfekte Wahl, denn so bekommt man einen tollen Eindruck von den riesigen Ausmaßen der Fälle. Sie sind einfach phänomenal. Als wir da so stehen und auf die Wasserfälle schauen, macht es bei Hanno ‘Klick’. Er wollte zwar schon immer mal diese großen tollen Wasserfälle in Südamerika sehen, wusste aber nicht wie sie heißen und hat die Iguazú Fälle und seine Traum-Wasserfälle irgendwie nicht verbunden. (Ich wunder mich ein bisschen, dass er einfach so 18 Stunden  mit mir Bus gefahren ist, damit wir uns ein paar Wasserfälle anschauen können, ohne zu wissen welche.) Jetzt wo er die Verbindung geschaffen hat, ist er auf jeden Fall ziemlich aufgeregt und der Ausflug macht noch ein bisschen mehr Spass.

So etwas haben wir nämlich noch nie gesehen. (Ist auch etwas schwer, da es ja mit den Viktoria Falls die größten Wasserfälle der Welt sind.) Egal wo man hinschaut, findet man neue Wasserfälle, echt krass. Und dann führt uns der Weg auch noch mehr oder weniger direkt in einen rein! Echt unglaublich, da stehen wir einfach im Regen einer der Iguazú Wasserfälle! Es sind solche Momente, weswegen wir diese Reise machen!

Der Wind hat gedreht und das Wasser kam unerwartet

 Circuito Superior

Der zweite Weg führt dann oben entlang der Fälle. Ihr wisst ja, hochklettern und runter gucken – das ist genau unser Ding und hier geht das super! Ein Blick ist besser als der Nächste. Wir kommen aus dem Staunen und Grinsen nicht mehr raus. Irgendwie können wir immer noch nicht glauben, dass wir wirklich hier sind. Vor 2 Wochen saßen wir noch im Camper in Neuseeland und jetzt stehen wir oberhalb der Iguazú Wasserfälle mitten in Südamerika – Verrückt!

Wir fahren Bimmelbahn

Da wir im Laufe unserer Weltreise doch etwas faul geworden sind, gönnen wir uns eine Fahrt mit der Bimmelbahn. Einen Stopp gibt es nämlich noch im Park und den wollen wir uns nicht entgehen lassen. An den Bahnhöfen wimmelt es übrigens nur so von kleinen Nasenbären. Hier gibt es nämlich auch Snack-Shops und die kleinen Tierchen sind ja nicht doof. Warum nach Nahrung suchen, wenn man es hier den dummen Touristen einfach aus der Hand reißen kann. Deshalb gibt es neben jedem Snack-Shop auch eine Art Käfig, in denen Picknick Bänke stehen. Man hat einfach mal den Spieß umgedreht und sperrt die Menschen ein, damit sie in Ruhe essen können…

Ein Nasenbär beim Klauen
Hier gibt’s noch Pumas und Jaguare

Mit der Bahn geht es dann ganz gemächlichen Schrittes zur Station Teufelsschlund Wir haben uns beide nicht wirklich viel darunter vorgestellt – ist halt noch ein Wasserfall. Aber Mann, was liegen wir falsch. Der Weg dorthin ist relativ unspektakulär. Er führt auf Brücken entlang des Rio Iguazú. Aber nach 600 Metern kommen wir am Schlund an. Alter, ist das ein Naturschauspiel. Die Wassermaßen fallen mit einer Wucht in die Tiefe, das ist unglaublich. Überall spritzten die Tropfen in die Höhe, und man hat das Gefühl es würde regnen und stürmen, so viel Wind und Wasser ist in der Luft. Wir stehen eine Ewigkeit da und schauen einfach zu. Es ist unglaublich. Die Bilder können gar nicht darstellen wie krass diese Natur eigentlich ist.

Garganta del Diablo

Schauspielernde Hunde

Irgendwann reißen wir uns los und es geht mit der Bahn zurück zum Eingang. Was für ein phänomenaler Tag! Abends gehen wir dann natürlich noch etwas Essen. Wir bestellen die Grillplatte für zwei und staunen nicht schlecht, als sie uns Fleisch für vier auftischen – Moment, die haben sich verrechnet…wir sind doch nur zu zweit. Da wir beide kein Essen wegschmeißen können. Müssen wir wohl oder übel aufessen. Zum Glück gibt es nur einen Salat dazu und wir können alles mit Rotwein runterspülen. Ach wie ich Argentinien liebe. Jede unserer Bewegungen wird übrigens von einem Straßenhund verfolgt, der sehr leidend auf unsere Teller schaut. Als er merkt, dass es nicht gibt, humpelt er theatralisch von dannen. Warum ich das erzähle? Weil wir den selben Hund später an der Bushaltestelle wieder sehen, wir er fröhlich und schwanzwedelnd hinter einem andern Hund her läuft. So einen Schauspieler haben wir noch nie gesehen. Unglaublich!

Wir schaffen es übrigens in den richtigen Bus einzusteigen und steigen auch an der richtigen Haltestelle aus. Dann heißt es ab ins Bett, denn morgen fahren wir nach Brasilien!

Tagesausflug nach Brasilien

Der Morgen beginnt ähnlich wie der Gestrige. Erst mal rein in die Stadt und dann die gleiche Strecke wieder raus. Ein kleiner aber feiner Unterschied ist allerdings, dass uns der Bus mal eben nach Brasilien fährt! Eine Stunde und eine Grenzkontrolle später stehen wir mit jeweils einem neuen Stempel im Pass am Haupteingang des brasilianischen Nationalparks. Die Brasilianer haben ihren Park ganz im Sinne von Faulenzern wie uns gebaut. Direkt hinter der Einlasskontrolle warten Doppeldeckerbusse darauf die Touris zum Start der Wanderroute zu fahren, ganz pragmatisch gibt es auch nur eine Route zur Auswahl. Na dann mal los.

Auch wenn der brasilianische Park nicht ganz so toll und vielfältig ist wie der argentinische, lohnt es sich auf jeden Fall die Wasserfälle auch von dieser Seite zu sehen. Es stimmt was die Leute sagen, die Kombination aus Details und Panoramablick ist genau richtig. Wir waren leider an einem Samstag da und mit uns gefühlte hunderte andere Touristen, aber da muss man manchmal halt durch. Wir sehen heute noch mal so richtig was für unglaubliche Ausmaße die Iguazú Falls haben. Wirklich gigantisch. Was da täglich, jede Stunde, jede Minute für Wassermassen den Abhang runter stürzen ist unglaublich.

Das Highlight des Rundgangs ist für uns (und leider für alle anderen auch) die Aussichtsplattform von der man direkt auf den Teufelsschlund schauen kann. Heute stehen wir nicht oben und schauen runter sondern davor und schauen hinein. Eine tolle neue Perspektive, die unser Bild von diesem Naturschauspiel komplett werden lässt. Nass werden wir aber genauso, wenn nicht mehr.

Das war es dann auch schon mit unserem Besuch, wie gesagt, die Brasilianer scheinen das alles eher pragmatisch zu sehen, wer braucht schon lange Spazierwege durch den Urwald, wenn man die Leute auch in Bussen auf einer asphaltierten Straße direkt zum Geschehen, bzw. wieder zum Eingang, karren kann. Kurz noch anstehen, dann sitzen wir wieder im Bus und stehen auch bald wieder am Eingang. Wir haben Glück und unser Bus zurück fährt gerade vor und kurz darauf reisen wir wieder in Argentinien ein. Langsam wird der Platz in unseren Pässen knapp…

Abends finden wir dann doch noch ein Restaurant in der Nähe von unserem Hotel. Wir können sogar zu Fuß hin gehen. Für mich gibt es heute mal weder Fleisch noch Wein. Eine kleine Pause muss auch mal sein. Dafür aber Käse! Irgendein Laster braucht der Mensch. Hanno isst übrigens Steak! Morgen früh geht es dann weiter. Wir haben eine Marathon Busstrecke vor uns. Dazu aber im nächsten Blog mehr. Nur eins verrate ich. Es geht nach Westen, und mit dem Weintrinken sind wir noch lange nicht fertig.

Unsere Unterkunft

La Cautiva Lodge für 22 €/Nacht

Carola

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