Boot fahren in der Halong Bucht

Boot fahren in der Halong Bucht

Weltreise Tage 115-117  (23.02-25.02)

Wie schon im vorherigen Blog angedeutet war die Busfahrt nach Cat Ba in der Halong Bucht wirklich eine Herausforderung. Es fing schon damit an, das weder Busfahrer noch Schaffner ein Wort Englisch sprachen und es uns sehr schwer viel ihnen klar zu machen dass wir nicht oben schlafen wollen. Ich habe letztendlich vorgegeben dass mir oben schlecht wird, das hat sie dann überzeugt. Der Grund dass wir die Betten unten bevorzugen, ist dass man hier seine Rucksäcke auf dem Gang deponieren kann und sie nicht noch mit sich im engen Sitz verstauen muss, wie das oben der Fall ist. Nachteil der Sitze unten ist, dass man oft Vietnamesen neben sich hat, die es sich auf dem Gang bequem machen. Auf dieser Fahrt hatten wir kein Glück was unsere Rucksäcke anging. Der Schaffner stand so lange vor uns, sprach eindringlich auch vietnamesisch auf uns ein und wollte auch schon die Rucksäcke im Gepäckfach unter dem Bus verstauen, bis wir sie doch irgendwie in unseren Sitzen verstaut hatten. Dummerweise ist dieser Bus allerdings noch kleiner und enger als der Letzte, das bekommt besonders Hanno zu spüren, der sich regelrecht jedes Mal in den Sitz falten muss. Die Fahrt ist nicht schön und wir sind froh, als wir um 7 Uhr endlich in Cat Ba ankommen.

Bootstouren

Um die Halong Bucht zu besuchen und zu erleben, eignet sich eine Bootstour, wahlweise mit Übernachtung, am besten. Die meisten Touren starten vom Festland und fahren alle eine ziemlich ähnliche Route ab. Wir hatten gelesen dass es da dann recht voll werden kann. Cat Ba ist eine der größten Inseln in der Halong Bucht. Von hier starten auch einige Touren, aber weitaus weniger als vom Festland. Auch haben die Touren von Cat Ba den Vorteil dass sie aus der anderen Richtung in die Halong Bucht fahren und so viel weniger Booten begegnen. Die Chance die Bucht ohne Partyboote oder Kreuzfahrtschiffe im Blick zu erleben ist hier dem entsprechend höher.

Angekommen

Unser Hotel in Cat Ba, das Cannon Fort Hotel, gefällt uns auf den ersten Blick recht gut. Wir sind früh dran, aber können für einen günstigen Preis frühstücken, während sie unser Zimmer schnellstens fertigmachen. Man hat uns auch nicht zu viel versprochen. Um 9:30 Uhr können wir schon ein checken und stehen staunend vor einem 3,60 m breitem Bett! Sowas hatten wir auch noch nie. Die scheinen einfach zwei Doppelbetten zusammengeschoben zu haben. Warum wissen wir auch nicht, aber es ist mal ne Erfahrung, dass wir beide Diagonal im Bett liegen können und trotzdem noch massig Platz um uns herum haben.

Das mit dem Kranksein

Hanno hat sich leider eine Erkältung eingefangen und draußen regnet es sowieso in strömen also verlassen wir das Hotel nur für das Nötigste. Essen! Außerdem brauchen wir Geld und wollen noch unsere Tour morgen bestätigen. Sonst passiert heute nichts außer Filmschauen und rumgammeln. Unsere Bootstour haben wir übrigens mit Cat Ba Ventures gebucht. Einer Firma die verspricht, dass sie links abbiegen wenn alle anderen rechts fahren. Außerdem sind die Gruppen recht klein, nicht mehr als 18 Leute (Wir sind nachher übrigens 9).  Das Ganze kostet 128 $ pro Person. Man hätte auch ein privates Boot für ca. 200 $ pro Person buchen könne, das war uns dann aber einfach ein bisschen zu viel, und ein paar nette Leute könnten ja auch von Vorteil sein.

Das Horror Hotel

Für das war in der Nacht passierte, kann das Hotel natürlich überhaupt nichts, aber trotzdem hat es einen bitteren Nachgeschmack bei uns hinterlassen. Gegen Mitternacht, wir haben schon tief und fest geschlafen, hören wir plötzlich sehr, sehr laute Stimmen direkt vor unserem Zimmer. Unsere Nachbarn versuchen lautstark ihren Schlüssel ins Schloss zu be fördern, was ihnen aber sichtlich schwer fällt – Alkohol sei Dank. Irgendwann schaffen sie es dann, aber dann beginnen sie sich zu streiten. Besonders der Mann ist komplett durch und schreit und brüllt in einer Lautstärke, man könnte meinen er steht bei uns im Zimmer. Türen knallen dann ist kurzzeitig wieder Ruhe, und der Spaß geht von vorne los, nur dass er jetzt auch noch lautstark „Da steht ein Pferd aufm Flur“ singt. Und wo? Natürlich aufm Flur. Richtig! Die beiden sind deutsch. Wir bekommen jedes Wort der wunderbaren Streitigkeiten mit und schämen uns fremd. Und verfluchen den Suffkopf aufs Höchste. Gegen 3 Uhr ist dann Ruhe – für genau 2 Stunden, denn dann beginnen die Hähne ihr Tagewerk. Die Nacht ist kurz.

Ausflug auf die Bucht

Als wir dann im Büro von Cat Ba Ventures die restliche Reisegruppe kennenlernen, staunen wir nicht schlecht. 7 der 9 Teilnehmer sind deutsch oder deutschsprachig. Anja ist aus der Schweiz und Sandra und Carlos kommen aus Spanien, Kiki, Florian, Sebastian und Jens sind aber alles Deutsche. Ein wirklich witziger Zufall. Hang, unser Guide, stellt sich uns vor und zusammen geht’s zum Hafen. Gegen 11 Uhr sind wir dann auf unserem Tages-Boot. Ein kleiner Dampfer mit dem wir in die engeren Buchten und niedrigen Gewässer fahren können. Abends werden wir dann auf das größere Schiff wechseln wo sich auch die Zimmer befinden.

Lan Ha Bay

Den größten Teil des Tages verbringen wir heute in der Lan Ha Bay. Die kleine Schwester der Halong Bucht. Sie hat im Gegensatz zur Halong Bucht mit ihren ca. 2000 nur ca. 300 Inseln und Felsen. Außer ein paar Fischern haben wir sie ganz für uns. Der Motor vom Boot ist relativ leise und gefühlt gleiten wir übers Wasser an den tollen Felsformationen vorbei. Es sind wirklich unglaublich viele und gerade mit dem verhangenen Himmel hat die Bucht etwas Mystisches. Ich kann verstehen warum es ein UNESCO Naturerbe ist. Überall gibt es große und kleine Felsen, mal mit Strand, mal ragen sie steil aus dem Wasser empor. Wir fahren entlang des „Hais“ und des „Wahls“ und durchkreuzen ein Fischerdorf. Dabei gibt es heißen Kaffee und Tee. Denn es ist kalt und wir haben alles an was wir dabei haben. Es ist wunderbar.

Unser Tagesboot
Die Haifischflosse 
und der Wal

Futtern und Paddeln

Um 12:30 Uhr ruft der Koch nach oben. Essen ist fertig. Toll! Es ist lecker und reichlich. Aufgetischt werden Meeresgetier, Fleisch und Gemüse. Dazu gibt es Frühlingsrollen und natürlich Reis. Wir haben gerade angefangen zu verdauen, da kommt Hang auf uns zu. „In 20 Minuten sind wir an der ersten Paddelstelle. Macht euch bereit und zieht euch was an das nass werden kann.“ Ein bisschen Überwindung kostet es schon, sich bei 16 Grad Schwimmsachen und kurze Hosen anzuziehen, aber der dicke Pulli und die Regenjacke können zum Glück an bleiben und beim paddeln wird uns bestimmt warm. Schnell sitzen wir alle in unseren Kayaks und es geht los 1,5 Std paddeln durch die Bucht. Drei Höhlen und drei Lagunen stehen auf dem Plan.

Viel stellen wir uns nicht darunter vor und sind um so mehr begeistert als wir durch die erste Höhle paddeln. Sie ist ziemlich niedrig und eng und es ist ein Wahnsinnsgefühl so ganz eigenständig durch eine dunkle Höhle voller Wasser zu paddeln – ganz anders als mit einem Motorboot oder einem erfahrenen Ruderer. Auf der anderen Seite durchqueren wir eine recht große Lagune , nur um noch mal in einer Höhle zu verschwinden. Als wir wieder ins Tageslicht paddeln befinden wir uns in kleinen Lagune umgeben von hohem Gestein. Nur der kleine Weg durch die Höhle führt nach draußen. Es ist unglaublich still. Man hört nur die Vögel schreien. Wie auf Kommando lassen alle die Paddel ruhen und machen die Kameras aus – wir genießen nur. Es ist wirklich unglaublich schön. Und wir 10 haben den Ort ganz für uns alleine. Es sind keine anderen Touristengruppen unterwegs. Höhle und Lagune Nummer 3 stehen den anderen beiden in nichts nach und wir sind jetzt schon froh diese Tour gebucht zu haben. Glücklich paddeln wir zurück zum Boot und Hang überrascht uns mit Kaffee und Kuchen! Der Tag wird immer besser.

Die verlorene Jacke

Gegen 17 Uhr treffen wir dann auf unser Schlafschiff. Rucksäcke werden geschultert und die nassen Sachen gepackt und wir klettern von einem Boot ins Nächste. Erst als wir schon auf Erkundungstour waren und unsere Zimmer in Empfang genommen haben, merke ich: ich habe meine Jacke auf dem anderen Boot vergessen. So ein Mist. Auf der Suche nach Hang schlage ich mir auch noch so richtig das Schienbein auf. Für heute habe ich meinen Tiefpunkt erreicht, den ich aber zum Glück auch gleich wieder verlassen kann, da Hang mir bestätigt dass die Jacke auf dem anderen Boot gefunden wurde und ich sie zu 100% wieder bekommen werde. Entweder morgen gegen Mittag oder Abends im Office. Kurz ärgere ich mich noch über mich selbst, aber dann ist da der Ausblick und die Jacke ist erst mal vergessen.

Wir ankern mit unserem Hotelboot im östlichen Teil der Halong Bucht. Um uns rum sind keine weiteren Schiffe. Sie sind nur in der Ferne zu erkennen. Es ist ruhig und schön und langsam geht die Sonne unter.

Es ist Abend

Und abends gibt es für gewöhnlich Abendessen. Blöd nur dass ich noch keinen Hunger habe. Aber es ist ja bezahlt, also wirds auch gegessen. Das Abendessen ähnelt dem Mittagessen nur sind leider die Frühlingsrollen heute Abend kalt. Das Bier ist es aber zum Glück auch und es wird ein netter Abend. Nach dem Essen sitzen wir noch ein wenig auf dem vorderen Deck und schauen den großen Tintenfisch Kuttern beim fangen zu. Tintenfische lieben wohl das Licht, und so sind die Boote mit unzähligen Glühbirnen ausgestattet die an Armen links und rechts vom Boot ragen. Wie kleine Raumschiffe sehen sie aus. Ein paar von uns üben sich auch im Tintenfisch angeln, wie kriechen aber lieber ins Bett und freuen uns auf eine ruhige Nacht. Unsere Koje ist übrigens ziemlich geräumig, wenn sie auch ein wenig muffig riecht. Wir haben sogar heißes Wasser wenn es auch nur recht sachte aus der Brause kommt und sich entweder kochend heiß oder eiskalt bemerkbar macht. Wir lernen auch, dass unsere Klimaanlage nicht nur kalte sondern auch warme Luft ausbläst, was heute Abend eine reine Wohltat ist. Durch den kalten Wind sind unsere Wangen ganz gerötet und warm, so dass Hanno der Ansicht ist er hätte Fieber. Als das Thermometer ihm dann Normaltemperatur anzeigt, glaubt er ihm das erst mal nicht. Sieht dann aber ein, dass es wohl doch einfach der Wind im Gesicht war, der die Durchblutung angeregt hat.

Das Schlafboot

Der Tag fängt gut an

Um 8 Uhr gibt es Frühstück, wirklich sehr früh für meinen Geschmack. Wir finden aber noch heraus warum das so ist. Heute morgen steht nämlich eine weitere Paddeltour auf dem Programm und Hang treibt uns all ein wenig an, damit wir die ersten und damit noch alleine in den Höhlen und Lagunen sind. Das hat auch prima funktioniert und die 1,5 Std sind wir komplett unter uns. Erst als wir das Boot wieder in Sichtweite haben, kommen uns andere Touri-Gruppen entgegen. Hang weiß halt wie es geht. Auch heute paddeln wir wieder durch drei Höhlen die in wunderschönen, ruhigen Lagunen enden. Die Zweite hat einen so versteckten Eingang, dass kaum einer ihn findet, sagt Hang. Die Lagune am anderen Ende ist so verdammt ruhig und schön, dass wir alle wieder gemeinsam aufhören Lärm zu machen und genießen. Wer Platzangst hat, sollte sich nicht in die letzte Höhle begeben. Sie ist ca. 400 Meter lang und stockfinster. Das einzige Licht kommt von den spärlichen Lichtkegeln unserer Stirnleuchten. Echt faszinierend und wir sind beide doppelt froh bei der Tour dabei sein zu können. Auch schön ist das Schild direkt am Eingang dieser letzten Höhle…Da es übrigens die ganze Zeit nieselt und ich keine Regenjacke habe, bekomme ich von Anja ein Plastikcape ausgeliehen. Sehe zwar selten dämlich aus, aber die Jacke bleibt trocken – zumindest von außen. Denn durch das luftundurchlässige Plastik bildet sich Kondenswasser und die Jacke ist später trotzdem nass. Egal!

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Schickes Outfit, oder? 
Schild am Eingang der letzten Höhle, scheint Hang aber nicht weiter zu stören. Wir fahren trotzdem rein.

Der wunderschöne Strand

Dann ist es auch schon wieder Mittagszeit und das bedeutet das Mesten geht weiter. Langsam wird es sogar für Hanno und mich zu viel, aber was muss das muss, richtig? Ist ja schließlich bezahlt!

Während wir zu Mittag essen, kommt auch das Boot vom Vortag vorbei. Die beiden Crews des Unternehmens teilen sich die Kayaks und da wir jetzt damit durch sind, übernimmt die nächste Tour die heute mit dem Ausflug startet die Dinger. Außerdem bringt die Crew mir meine Jacke vorbei. Hurrah!!

Dann ist es auch so weit für das von Hang so viel angepriesene Schwimm-Event. Wir ankern vor einem wirklich schönen Strand. Hier, so erzählt er uns schon seit gestern morgen, können wir alle schwimmen gehen und den Strand genießen. Na klar! Ich gehe immer gerne bei 18 Grad und Nieselregen schwimmen… auch wenn das Wasser wärmer ist als die Außentemperatur bekommen mich keine zehn Pferde ins Meer. Ich trage Mütze, Thermosocken und 4 weitere Schichten unter meiner Regenjacke und mir ist gerade so langsam nicht mehr eiskalt. Hanno ist erkältet sonst wäre er einer der Verrückten gewesen die sich in die Fluten stürzen. Vier von uns wagen es nämlich tatsächlich, sind danach aber auch verdächtig lange in ihren Zimmern mit den heißen Duschen verschwunden…

Es war einmal ein Drache

Nach der Schwimmaktion legt das Schiff langsam in Richtung Cat Ba Hafen ab. Wir haben noch 1,5 Stunde gemütliches Fahren und Gucken vor uns, bevor wir wieder an Land gehen. Die Halong Bay im Sonnenlicht zu sehen ist wohl eine echte Seltenheit. Das stört uns aber gar nicht so, denn die Berge im Nebel zu sehen ist fast noch schöner. Ich wiederhole mich, aber es ist wirklich mystisch und man kann die Sage vom Drachen fast glauben, der hier in der Bucht Feuer gespien hat um die angreifenden Feinde der Vietnamesen zu besiegen. Durch diese Wucht entstand dann die Halong Bay mit ihren tausenden Felsen. Der Sage Nacht, lebt der Drache immer noch im Meer und beschützt die Küste vor Angreifern.

Wieder an Land

Der Rest des Tages verläuft unspektakulär. Wir checken noch mal in das Horror Hotel ein, denn im Grunde kann es ja nichts für seine scheußlichen Gäste und bekommen ein Zimmer auf der Etage mit den Dorms. Das merken wir aber erst spät Abends, als ein von den Teenies beschließt es sei eine gute Idee sich nachts um 24 Uhr auf die Treppen im Flur zu setzten und laut mit der Familie zu skypen. Wir merken mal wieder wie alt wir sind als Hanno die Tür aufmacht und sie bittet etwas leiser zu sein. Na egal, endlich mal wieder eine Nacht durchschlafen ist unser momentanes Ziel, da ist uns egal wie spießig wir wirken. Die Matratze hat zwar so einen furchtbaren Plastik Überzug der bei jeder Bewegung raschelt, wenn man aber nicht weiter drüber nachdenkt und sich wenig bewegt, geht das mit dem schlafen schon. Morgen geht es um 9 Uhr weiter nach Ninh Binh. Mit von der Partie ist übrigens das Handy von Sandra, der Spanierin. Sie hat das Ding nämlich blöderweise im Büro von unserem Tour Operator liegen gelassen. Aber dank moderner Kommunikation alles kein Problem. Über WhatsApp verkündet Sandras Mann das Problem und erinnert sich, dass wir morgen auch in Ninh Binh sein werden. Anja ist noch im Büro und steckt das Handy ein. Denn wie es der Zufall will, übernachtet sie im gleichen Hotel wie wir und es uns vorbei und mit uns reist es dann morgen mit nach Ninh Binh und wird dann wieder an Sandra übergeben. Schon eine lustige Geschichte und alles wird klappen. 

Unsere Unterkünfte

2 Nächte im Cannon Fort Hotel für 17,60 € und 14 € pro DZ/Nacht (einmal haben wir über Booking gebucht und einmal direkt beim Hotel)

1 Nacht auf dem Schiff als Teil der Bootstour

Carola

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