Unser Mini-Roadtrip

Unser Mini-Roadtrip

Weltreise Tage 332-334 (30.09-02.10)

„Wenn es nicht frittiert ist, essen wir es nicht“, lautet unsere Devise in den USA und daran halte ich mich natürlich, als ich das Captain´s Dinner bestelle. Die Schale mit in Fett triefendem Essbaren, die mir wenig später durch die Servierluke am Imbiss gereicht wird, macht ihrem Namen und den USA alle Ehre. Sie ist riesig und wir sind beide sehr froh das Hanno nur eine kleine Lobster Roll mit Pommes bestellt hat. Wir fürchten nämlich beide, dass wir das erste Mal an einer Mahlzeit scheitern werden, und sie nicht aufessen werden können.

New London

Aber zurück zum Anfang. Es ist Montag der 30. September. Wir haben noch drei Tage bis wir in Brooklyn unsere letzte Unterkunft der Reise beziehen. Für die nächsten zwei Nächte haben wir nichts vorgebucht und lassen uns einfach treiben. Heute morgen geht es erst mal los in Richtung New London. Warum gerade da hin? Ganz einfach – New London ist die Heimatstadt von Casey Neistat – einem der bekanntesten YouTuber und jemand den Hanno schon seit einigen Jahren verfolgt. In New London gibt es ein Café, das Caseys Vater gehört und dort wollen wir unbedingt einmal Kaffee trinken und Muffins essen. Außerdem gibt es hier einen kleinen Imbissladen direkt am Wasser, der laut Casey die besten Lobster Rolls von ganz New England macht, der Laden heißt übrigens Captain Scotts. Wenn es ums Essen geht, sind wir ja bekanntlich leicht zu kriegen – also ist New London unser nächstes Ziel. 

Die Fahrt von Falmouth nach New London dauert ungefähr 2-3 Stunden. Wir lassen es langsam angehen und meiden den Highway, landen dadurch zwar dummerweise auf einer Mautbrücke, aber na gut, was solls. Gegen frühen Nachmittag kommen wir in Mystic an, ein kleiner Ort auf der andern Seite des Flusses von New London. Mystic hat nicht nur einen tollen Namen, sondern ist auch einer der ältesten Häfen von Nordamerika, aber die Schiffe müssen noch ein bisschen warten, denn erste Prio ist jetzt die Hotelsuche, also steuern wir einen Parkplatz von Dunkin Donuts an. Die haben nämlich kostenloses Wlan, das auch hervorragend im Auto vor dem Laden funktioniert. In und um Mystic und New London ist alle schlecht und teuer und unsere Lust über 100$ für ein billiges Motel Zimmer auszugeben hält sich in Grenzen. Da eine Nacht im Auto allerdings keine Option ist, wird es dann das Mystic Inn keine 500 Meter von uns entfernt.

Nicht so einfach, die Sache mit dem Datum

„Guten Tag, wir haben vor einigen Minuten ein Zimmer über booking.com gebucht.“ „Tut mir Leid, die Reservierung ist noch nicht da. Das kann immer bis zu 30 Minuten dauern.“ Na toll, also warten…! 30 Minuten später dann die gleiche Unterhaltung. Die Reservierung ist immer noch nicht da. Hanno ruft sie kurzer Hand auf seinem Handy auf und will da mit zur Rezeption – da steht es: ein Doppelzimmer für eine Nacht… vom 5.10 auf den 6.10. Hmm….Mist. Heute Nacht haben die nichts mehr frei, also stornieren wir die Buchung im Oktober und fangen das Spiel noch ein mal an, diesmal allerdings mit dem Wlan vom Mystic Inn.

Ca. 10 Minuten entfernt werden wir dann fündig. Wir ziehen ins Howard Johnson, ein richtiges Motel an einer Ausfallstraße direkt an der Auffahrt zum Highway. Viel amerikanischer geht’s wohl nicht. Wir haben Glück, die Zimmer sind gerade frisch renoviert und wir fühlen uns so wohl, das aus unserer 30 minütigen Verschnaufpause ein anderthalbstündiges Nickerchen wird. Außerdem treffen wir die Entscheidung, dass die Schiffe halt alte Holzschiffe sind, die auch nicht anders aussehen wie die, die wir in Europa haben (kommen ja schließlich da her). Irgendwann raffen wir uns dann aber doch auf, denn wir haben noch was Wichtiges vor. Wir wollen die besten Lobster Rolls von Neu England essen und laut Casey Neistat gibt es die am Hafen von New London.

Der Blick von unserem Balkon im Howard Johnson

Kann man das frittieren?

Außer den Lobster Rolls gibt es so ziemlich jedes Meeresgetier in frittierter Form. Mir fällt die Entscheidung ziemlich schwer. Die logische Schlussfolgerung dieses Dilemmas ist also der Captain´s Dinner. Hier scheinen sich alle Meeresbewohner in froher Eintracht auf dem Teller zu tummeln und in der Remoulade zu schwimmen. Was ich nicht bedacht habe, ist die Größe des Captain´s Dinners. Wie der Name schon sagt ist er nicht für kleine Mädchen gemacht, sondern für große Kapitäne mit einem Bären Hunger. Als der Teller vor mir steht fühle ich mich plötzlich ganz klein und zum ersten mal auf der Reise kommt mir der Gedanke, dass ich eventuell meinen Teller nicht aufessen könnte! Meine Hoffnung gilt alleine Hanno, der nur die besagte Lobster Roll und eine kleine Pommes bestellt hat.

Auch mit vereinten Kräften wird es ein kompliziertes Unterfangen. Die letzten Pommes schaffen es nur mit eiserner Willenskraft in unsere Mägen und wir schwören und, nie wieder so viel zu essen! (Na mal sehen wie lange dieses Versprechen anhält…) Die Lobster Roll war übrigens wirklich extrem lecker, das Captain´s Dinner hat allerdings hauptsächlich durch seine Menge und die Massen an frittiertem Teig gepunktet, wer also mal in der Gegend ist, sollte sich an die Rolls halten.

Zu viel mehr als uns gegenseitig zum Auto zu rollen sind wir heute nicht mehr fähig und so verbringen wir den restlichen Abend damit von einem der Hundert TV Programme zum nächsten zu zappen und irgendwie gar nichts zu schauen…

Captain Scott´s bei Tag…
…und bei Nacht.

Muddy Waters Café

Am nächsten Morgen ist dann der große Tag gekommen. Wir checken früh aus und fahren noch mal zurück nach New London. Frühstück gibt es heute im Muddy Waters Café, dem Laden von Caseys Vater. Es ist genauso wie Hanno es sich vorgestellt hat und Herr und Frau Neistat stehen auch beide hinter dem Tresen, quatschen mit den Gästen und Herr Neistat bringt uns sogar noch unsere Bagels. Man kennt sich hier im Muddy Waters und wir stechen schon ganz schön raus, mit unseren Rucksäcken und der Tatsache, dass wir deutsch sprechen… Der Kaffee und das Frühstück sind super und als Autoproviant landen noch ein Muffin und ein riesiger Chocolate Chip Keks in unseren Taschen. Weder das eine noch das andere schafft es aber bis zum Auto. Besonders der Keks ist so lecker, dass er direkt vor dem Café vertilgt wird. Ich bereue meine Entscheidung, nicht noch mal zurück zu gehen um einen zweiten zu kaufen, noch heute. Das war nämlich der vielleicht beste Keks der Welt!

Mit dem Besuch im Muddy Waters und einer kleinen Stadtrundfahrt auf der Suche nach der Highway Auffahrt ist die Casey Neistat Gedächtnißtour dann fürs erste abgeschlossen und wir freuen uns auf das was da heute noch kommt. Wir wollen nämlich einem weiteren sehr amerikanischen Hobby frönen – wir gehen Outlet shoppen.

Die Outlet Mall

Da wir ja morgen früh das Auto wieder am Flughafen in Boston abgeben wollen, haben wir uns eine Mall rausgeguckt die irgendwo zwischen New London und Boston liegt. In Wrentham bei Boston werden wir fündig. Das Wrentham Village verspricht auf seiner Website all unsere Wünsche zu erfüllen. Nach einem Jahr Shopping Abstinenz hat sogar Hanno ein bisschen Lust und außerdem ist es auch bitter nötig. Unsere Jeans und T-Shirts haben wirklich bessere Tage gesehen.

Tja, was soll ich sagen. Wir verbringen einen kurzweiligen Nachmittag bei Gap, Banana Republic und Co., riechen uns durch ein unglaublich großes Sortiment an Duftkerzen und probieren weiche Brezeln mit Zucker und Zimt. Die Ausbeute ist gut, aber auch nicht übertrieben. (Davon halten uns zum Glück unsere recht kompakten Rucksäcke ab.) Nachdem noch zwei Jeans für Hanno in unserer Einkauftüte gelandet sind, verhilft uns das kostenlose Wlan von Banana Republic zu einem Hotel. Das Red Roof Inn ist nicht weit entfernt und – was mich ganz besonders freut – es ist direkt in der Nähe von einem TGI Fridays.  Eine Restaurantkette, die bei mir unglaublich viele Kindheitserinnerungen hervorruft. Hier gehen wir heute Abend unbedingt essen.

Außer das es einigermaßen bezahlbar und gut zu erreichen ist, hat das Motel wenige Vorzüge. Alles sieht etwas müde aus und die Badewanne ist mehr geflickt als heile (wir entscheiden, duschen ist überbewertet und beschließen, dass einfach mal sein zu lassen). Die Betten sind allerdings sauber und für Unterhaltung ist auch gesorgt, auf dem Parkplatz vor unserem Zimmer hat nämlich gerade eine Familie ihren Grill und das Bier ausgepackt. Wir tun es ihnen gleich, stoßen mit einem Budweiser an – das gehört sich ja schließlich in einem US Motel so – und freuen uns auf den Zeitpunkt, wenn wir uns an diese Übernachtung als authentische amerikanische Erfahrung erinnern können.

TGIF

Die Friday´s Kette war während unserer USA Zeit das Restaurant auf das wir uns in der Familie immer einigen konnten. Das Essen war lecker, für uns Kinder gab es was zu malen und für meinen Vater ein Bier. Zugegeben, ich hatte schon ein bisschen Angst, dass TGI Fridays sich in meinen Erinnerungen über die letzten zweieinhalb Jahtzente zu einem Superrestaurant entwickelt hatte, und mit der die Realität nicht mithalten könnte. Ein bisschen war es auch so, aber eben nur ein bisschen. Die Einrichtung in dieser Filiale war ein bisschen kalt und lieblos und die Kellner haben leider keine bunten Hüte mehr auf dem Kopf und keine Anstecknadeln mehr an ihren Hosenträgern (das war wahrscheinlich auch dem schlechten Geschmack der 90iger geschuldet), aber das Essen hat immer noch so lecker geschmeckt wie damals. Und jetzt kann Hanno meine Kindheitserinnerungen ein bisschen mit teilen.

Unsere Vorspeise, danach gab´s Rippchen

Kurzer Abstecher nach Boston

Die Nacht im Motel ist zum Glück ruhig und das Bett einigermaßen bequem. Morgens schmiere ich uns noch ein paar Bagels zum Frühstück und als Reiseproviant und wir stopfen unsere neuen Klamotten irgendwie in unsere vollen Rucksäcke (ausmisten machen wir in New York). Um 9 Uhr sind wir wieder auf dem Highway und fahren mit dem Berufsverkehr nach Boston rein. Erstaunlicherweise ist das mit dem Verkehr gar nicht so dramatisch und unseren einstündigen Puffer brauchen wir so gut wie gar nicht. Das Auto ist schnell abgegeben – viel zu schnell wie ich finde, so konnte ich mich gar nicht von unserem Roadtrip verabschieden – und gegen 11 Uhr sitzen wir schon in der U-Bahn zum Busbahnhof in der Innenstadt. Heute wartet nämlich noch ein ur-amerikanisches Erlebnis auf uns. Wir fahren Greyhound Bus.

Das Greyhound Bus Erlebnis

Irgendwie sahen die Busse in unserer Vorstellung noch genauso aus wie in den 70igern (so wie man sie halt aus alten amerikanischen Filmen kennt). Deshalb sind wir fast ein bisschen enttäuscht als wir um 13 Uhr in einen ziemlich neuen, modernen Bus einsteigen der uns nach New York bringen soll. In Erinnerung an Asien ist der Fußraum verschwindend gering und besonders Hanno freut sich schon auf 3-5 Stunden Fahrt (Je nach Verkehr), eingequetscht in seinen Sitz mit dem Rucksack auf dem Schoß.

Die Fahrt ist, bis auf den Fahrer, ereignislos und 2,5 Stunden später fahren wir, wie vorhergesehen in den Berufsverkehr von New York rein. Die nächsten 1,5 Stunden bewegen wir uns schrittweise vorwärts, was uns genug Zeit gibt die Skyline dieser faszinierenden Stadt zu begutachten. Die Zeit wird uns aber durch Eric den Busfahrer versüßt der tolle Sprüche reist, sich mit dem Gast in der ersten Reihe fröhlich unterhält und einmal auch rechts ran fährt, weil er aufs Klo muss. Irgendwann ist es dann aber so weit und wir fahren in die Tiefgarage der New York Port Authority (Aus mir unbekannten Gründen ist das der Name des Busbahnhofes). Jetzt wartet nur noch eine 45 minütige U-Bahn Fahrt in der Rushhour mit jeweils zwei dicken Rucksäcken auf uns. Was für ein Spaß!

Aber auch das verläuft absolut reibungslos. Entweder ist die New Yorker Rushhour gar nicht so schlimm, oder (was ich lieber glauben will) sind wir einfach schon so geübt und uns kann gar nichts mehr schocken.  Hanno hatte vorab herausgefunden, dass für uns ein 6-Tage Touri Ticket die beste Wahl ist. Damit können wir nämlich unbegrenzt fahren und müssen uns nicht ständig mit dem Kauf von Tickets beschäftigen, und wie durch ein Wunder ist die Schlange am Automaten gerade mal zwei Leute lang. Die richtige Bahn finden wir auch sofort und umsteigen müssen wir nur ein mal.

Dann steigen wir schon an der Station Cypress Hills in Brooklyn aus, laufen noch 3 Minuten zum Haus und sind da. Stacy macht uns sogar die Tür auf und zeigt uns gleich unser neues Zuhause. Heute schaffen wir es gerade noch zum Supermarkt – es gibt Salat (wohlwissend was die nächsten Tage so bringen werden.) – reißen die Fenster weit auf, es sind nämlich noch 30 Grad, und fallen tot müde und erschöpft ins Bett.

Wir sind angekommen in New York. Sechs Tage Wahnsinn liegen vor uns.

Unsere Unterkünfte

1 Nacht im Howard Johnson in Mystic für 83€/Nacht

1 Nacht im Red Roof Inn in Framingham für 100€/Nacht

Carola

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