Kalaw und der Trek

Kalaw und der Trek

Weltreise Tage 35-39   

Irgendwann am späten Vormittag werden wir dann auch wieder wach und checken erst mal offiziell ins Hotel ein. Für die nächsten drei Tage ist die wunderbare Hillock Villa unser Zuhause. Viel mehr als dem Check in passiert an diesem Tag auch nicht. Es ist Erholungstag und wir wagen uns nur zur Nahrungssuche aus dem Haus. Die ist allerdings auch sehr erfolgreich. Auf dem Rückweg decken wir uns dann auf dem Markt noch mit jeder Menge frischem Obst für das Abendessen ein und schon geht es wieder ab auf die Terrasse. Unsere Bücher rufen.

Gemütlich und entspannt

Auch an Tag zwei passen wir uns voll und ganz dem gemütlichen Leben hier in Kalaw an. Morgens frühstücken wir entspannt auf der schönen Hotelterrasse und freuen uns endlich mal wieder Jacken und Pullis anziehen zu können. Hier in den Bergen ist es nämlich morgens und abends wirklich frisch. Die Terrasse ist umringt von Weihnachtssternen die an großen Büschen wachsen. Am Nikolaustag komme ich doch glatt ein bisschen in Weihnachtsstimmung. Den restlichen Tag verbringen wir mal wieder mit Schneiden, Lesen, leider auch Wäsche waschen per Hand (muss halt auch mal sein) und einem Besuch auf dem Markt, diesmal mit Kameras. Außerdem entscheide ich mich, nach vielem hin und her, morgen die Elefanten im Green Hill Valley Camp zu besuchen! Highlight des Tages ist wohl die Entdeckung des Nepali Food Centers, wo es uns so gut schmeckt, dass wir abends gleich noch mal hin gehen. Blöderweise hat Hanno auch erste Anzeichen einer Erkältung. Echt gemein, wo wir doch gerade erst krank waren!

Weihnachtssterne am Strauch
der Garten der Hillock Villa
Kalaw
Der Markt von Kalaw

Der Tag an dem ich einen Elefanten bade

Nach kleinen Anfangsschwierigkeiten nimmt mit das Taxi dann am nächsten morgen mit und wir fahren zu den Elefanten. Nach kurzer Einweisung zum Camp und den Verhaltensregeln gegenüber der Elefanten ging es auch gleich schon los. Die Tiere werden hand-gefüttert um die Verbindung zwischen Tier und Mensch zu verstärken. Wir Touristen dürfen dabei helfen. Anfangs war ich noch etwas verhalten den Dickhäutern gegenüber, habe meinen Arm ganz lang gemacht um ihnen die Kürbisstückchen zu reichen. Die Scheu ist aber recht schnell verflogen und schon bald habe ich ihnen die Stückchen mit einem kurzen „Ha“ für „Mund auf“ direkt auf die Zunge gelegt. Es sind wirklich sanfte Tiere die ganz vorsichtig mit uns Menschen umgehen, auch wenn die Rüssel recht fordernd nach den Leckereien greifen. Da muss man schon ordentlich aufpassen, sonst hat so ein Rüssel schnell mal ein Stück Gemüse gemopst. Die Elefanten haben ganz treue Augen und wenn man so direkt neben ihnen steht hat man wirklich das Gefühl das sie einen angucken und mit dir kommunizieren. Sie lassen sich dann auch mal kurz streicheln, auch ohne Futter in der Hand. Ich kam gar nicht mehr aus dem Strahlen heraus und mein Herz hat auch die ganze Zeit gepocht. Hätte echt nicht gedacht, dass mich das so berühren würde.

Auch hinter den Ohren waschen

Zweiter Programmpunkt war dann das Baden. Die Tiere werden, mit oder ohne Touristen, täglich zweimal gewaschen. Da sie keine Schweißdrüsen haben, benötigen sie das Wasser um sich regelmäßig abzukühlen. Zum Baden werden sie dann in einen Pool direkt an einem kleinen Wasserfall geführt und legen sich dort hin. Hier gibt es dann für jeden einen Naturschwamm und der Elefant wird schön gewaschen. Ein unglaubliches Gefühl, so ein riesiges wildes Tier berühren zu können! Die Haut ist relativ rau und hat überall grobe Härchen. Der Rüssel ist unten allerdings ganz weich und zart, so wie auch die Ohren. Man merkt auch richtig wie sie das Bad genießen. Da wir es mit alten Damen zu tun haben, geht das knien nicht mehr all zu gut, und wenn eine Kuh nicht mehr will und denkt sie sei jetzt sauber, steht sie einfach auf und dann ist auch gut. Die Tiere bestimmen also den Programmablauf.

Nach einem wunderbaren Mittagessen haben wir den Rest des Camps kennengelernt und durften dann noch mal gut eine Stunde die Dickhäuter füttern. Ein paar der Touris waren schon abgereist und so hatten wir schnell fünf Elefanten die wir zu dritt füttern durften. Die alten Mädels waren alle ziemlich gierig und ihre Rüssel haben die Kürbisspalten, die Bananebaumstücke und auch die Getreidebälle sofort errochen, so dass das füttern fast schon in Stress ausartete. Wollte man doch jeder alten Dame gerecht werden J Eine der Kühe hat auch immer schon sofort den Mund aufgehalten, so dass man das Essen nur noch auf die Zunge verfrachten musste. Gegen 15:30 werden sie dann aber alle wieder in den Wald geschickt um dort weiter nach Nahrung zu suchen und ihr Ding zu treiben. Wunderbar noch mit anzusehen wie eine Elefantenkuh plötzlich kehrt gemacht hat, weil sie einen Wasserbüffel entdeckt hat. Der muss ihr so einen Schrecken eingejagt haben, dass sie schnell wieder zur Futterstelle zurück gerannt ist, der Mahout (ihr Wärter) mit einem Affenzahn hinterher. Da viel mir direkt die Kindergeschichte mit dem Elefanten ein, der Angst vor einer Maus hat J

Fazit

Ich hatte echt lange überlegt ob mit der recht stolze Preis von 100$ (ca. 88 ) das Erlebnis wert war, und ich bin echt froh dass ich es gemacht habe. Wann hat man schon mal die Möglichkeit so nah mit Elefanten zusammen zu sein? Außerdem ist, soweit ich das beurteilen kann, das Geld in diesem Camp echt gut aufgehoben. Alle Einnahmen kommen den Tieren zu Gute, direkt und indirekt. Sieben der acht Elefanten im Camp kommen teils aus privatem Besitz und teils aus staatlichem Besitz. Sie sind alt, teilweise krank und verletzt und dürfen hier ihren Lebensabend verbringen. Eine Kuh bekommt sogar Verhaltenstherapie. Der junge Elefantenbulle ist da eher die Außnahme, aber er wurde als Waisenkind gefunden und darf hier jetzt auch leben. Ein Elefant isst ca 140-180 kg pro Tag. Bei acht Elefanten ist das wirklich ne Menge Futter das jeden Tag gekauft werden muss. Außerdem haben sie auch eine mobile Elefantenklinik die auch die umliegenden Tiere in Privatbesitz teils für um sonst behandelt, damit die Tiere gesund bleiben. Wenn noch Geld übrig bleibt, wird es in das Pflanzen von Teakbäumen gesteckt, um den Wald wieder aufzuforsten und so wenigstens ein bisschen wieder gut zu machen, was über die letzten Jahrzehnte durch den Teakexport abgeholzt wurde.

Während ich neue Elefantenfreunde gemacht habe, liegt Hanno krank leider im Bett und schont sich. Soll es doch morgen gleich weiter gehen mit den Abenteuern.

Zu Fuß zum See

Trotz Erkältung beschließt Hanno dass wir den Trek machen werden und so geht es am nächsten Tag wie geplant los. Wir werden am Hotel abgeholt und fahren noch ein Stück zu unserem Startpunkt. Hier erfahren wir auch, dass wir eine Privattour bekommen, da die anderen beiden Mitläufer kurzfristig abgesagt haben. Dabei haben wir nur das Nötigste für eine Nacht. Unsere großen Rucksäcke werden uns morgen direkt zum Hotel in Nyaung Shwe gefahren. 20 Kilometer legen wir heute zurück. Es geht über Feld- und Wiesenwege und Pfade durch die Berge. Die Landschaft hätten wir uns nie so vorgestellt und sind begeistert. Wir wandern vorbei an Reis-, Sesam-, Senf-, und Chilifeldern, sehen Ingwerpflanzen und Avocadobäume. Besonders beindruckt haben uns die Maßen an Chilis die Dorfbewohner zum trocknen ausgelegt hatten. Neme, unser Guide, erzählt dass sie nicht zum Verkauf sind, sondern den Jahresbedarf der Familien decken. Man liebt scharfes Essen in Myanmar. Die Wege sind manchmal gut zu erkennen und manchmal nur zu erahnen. Sie führen über Felder, Wiesen und entlang ausgetretener Pfade. Gerade ist der Weg nie.

Stammesfrau beim Weben

Unser Mitreisekoch

Nach einer Stunde gibt es eine Teepause in einem Dorf und Mittags machen wir in einem weiteren Dorf Pause. Das Mittagessen gibt es direkt bei einer der Dorffamilien, die Küche und Wohnraum zur Verfügung stellen. Wir haben einen Koch der mit uns reist und die Essen immer frisch zubereitet. Gekocht wird bei den Familien in deren Küchen über offenem Feuer. Das Essen ist einfach und fantastisch. Es gibt Suppe, Nudeln mit Gemüse, Avocado Salat, frisches Gemüse, und Obst. Hannos Erkältung wird aber leider immer stärker und die Stunde Mittagsschlaf hilft ihm, um ein paar neue Kräfte zu sammeln, denn so richtig wollen sie doch nicht wieder kommen. Es sind ja auch nur noch 1,5 Std bis zum Ziel.

Angekommen in der Vergangenheit

Als wir dann in unserem Homestay ankommen, fühlen wir uns mal eben 200 Jahre zurückversetzt. Im Hof stehen die Kühe direkt neben dem Essenstisch und Hühner und Katzen wuseln herum. Im Küchenhaus steht der Wok schon auf dem offenen Feuer und Neme zeigt uns das Plumpsklo sowie die Blechschüssel voll Wasser. Umgeben von einer 1,50 Meter hohen Mauer, ist sie das Open-air Badezimmer. Schlafen werden wir im Haupthaus auf dünnen Matratzen mit Wolldecken gegen die Kälte. Es gibt noch eine kurze Einweisung wie wir zu schlafen haben, auf keinen Fall die Füße in Richtung Altar ausstrecken, und dann gibt es auch schon Abendessen. Es ist wieder sehr, sehr lecker und wieder viel zu viel. Zumal es Hanno wirklich nicht gut geht und er gerade mal ein bisschen Suppe schlürft, bevor er hoch ins Bett geht. Wer uns kennt, weiß da ist was faul wenn wir nicht essen können. Der Arme ist ziemlich heiß und seine Erkältung brodelt. Auch ohne Fieberthermometer ist klar, dass er welches hat.

Ich genieße noch ein bisschen die vielen Sterne am Himmel (es gibt nämlich keine Elektrizität, also auch kein Licht das nachts im Weg wäre) während ich mir die Zähne putze und krieche dann auch in den Schlafsack.

Der nächste Morgen

Die Nacht schlafen wir beide erstaunlich gut, aber Hanno geht es nur minimal besser. Trotzdem möchte er erst mal versuchen mitzulaufen. Neme hatte uns am Vortag schon versichert, dass nach ca 1. Stunde Fußweg die Möglichkeit bestünde ein Taxi zu nehmen, das Hanno dann die restliche Strecke mitnehmen könne. Nach Pfannkuchen zum Frühstück geht es dann also um 7:30 Uhr los. Die nächsten 17 Kilometer rufen. Erst mal bergauf, was ich nicht ganz verstehe, wollten wir doch nach unten zum See… 

Oben angekommen sind wir dann auch an der Straße und Hanno beschließt, dass der Trek hier für ihn zu Ende ist. Eine gute Entscheidung, waren doch schon die ersten 5 Kilometer sehr anstrengend für ihn. Unser Koch muss sowieso auch dort hin wo wir uns Mittags treffen und nimmt Hanno kurzer Hand auf dem Moped mit. Wir beschließen aber dass ich weiter laufen soll und so machen Neme und ich uns auf. Ausländer zahlen übrigens 15.000 Kyat Eintritt in die Region.

Irgendwo muss dort der See sein

Wir kommen noch mal an einem sehr schönen Dorf vorbei. Auch hier sieht es aus wie vor 200 Jahren. Die Leute treiben Ihre Kühe entlang der Wege, die Ochsenkarren fahren mit Heu an uns vorbei und in den Höfen wird der Mais per Hand vom Kolben getrennt. Dann wird die Landschaft plötzlich sehr rot. Die Erde ist hier sehr lehmig und es wachsen Kohl und Kartoffeln. Aber natürlich auch Reis. Mir fallen pinke Markierungen auf, die in regelmäßigen Abständen am Weg zu finden sind. „Vor ein paar Wochen wurde hier auf der Strecke ein Marathon abgehalten.“ „Hier über Stock und Stein? Verrückt!“

Beim Mais ernten
Irgendwo da hinten ist der See

Irgendwann stehen wir auf einer Anhöhe und ich kann den See, den Neme mir zeigt zumindest erahnen und mache pflichtbewusst ein Foto. Auch heute sind die Wege wieder abenteuerlich. Einmal laufen wir direkt über ein Feld nur um dann Felsen und Steinen ins Tal zu klettern. Die Zielgerade erfolgt dann durch einen Bambuswald und mittags sind wir am Ziel, dem Inle Lake.

Bötchen fahren

Hier wartet auch schon Hanno auf uns, und es gibt mal wieder, wie sollte es anders sein, was zu Essen. Diesmal übertrifft sich der Koch selbst und zu den Wassermelonenvögeln gibt es auch noch einen Honigmelonenschwan. Der Trek wird mit einer Bootstour nach Nyaung Shwe über den Inle Lake abgeschlossen. Ca. eine Stunde schippern wir über den See und sammeln erste Eindrücke über das Leben auf dem See. Ich habe es mir ganz anders vorgestellt, halt wie einen See, aber hier wird richtig Wasserwirtschaft (heißt das so?) betrieben und das Boot bahnt sich seine Wege durch die Felder und Pflanzen. Zwischendrin immer die Häuser auf stelzen in denen die Farmer und Fischer leben. Wir freuen uns schon auf die nächsten Tage wenn wir alles erkunden können.

Auf dem Inle See

Myanmar hat uns auf dem Kieker

Allerdings soll es mal wieder etwas anders kommen. Denn schon am Abend sind auch meine Augen glasig und es fängt an im Hals zu kratzen….

Unsere Unterkunft

2 Nächte in der Hillock Villa für 29,25 € pro DZ/Nacht

1 Nacht im Dorf als Teil der Tour

Carola

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